[Rezension] Patrick Ness - The Knife of Never Letting Go

captain cow | Samstag, 29. Juni 2013 | / |


Titel: "The Knife of Never Letting Go"
Autor: Patrick Ness
Deutscher Titel: New World - Die Flucht
Reihe: Chaos Walking #1
Genre: Young Adult, Dystopia
Seitenzahl: 512
Erscheinungsdatum: Januar 2008
Format: Paperback // Walker Books
Wohltäter: The Captain

Prentisstown isn't like other towns. Everyone can hear everyone else's thoughts in an overwhelming, never-ending stream of Noise. Just a month away from the birthday that will make him a man, Todd and his dog, Manchee - whose thoughts Todd can hear, too, whether he wants to or not - stumble upon an area of complete silence. They find that in a town where privacy is impossible, something terrible has been hidden - a secret so awful that Todd and Manchee must run for their lives.
But how do you escape when your pursuers can hear your every thought?






Es kommt nicht oft vor, dass man als Vielleser Büchern über den Weg läuft, die einen komplett überraschen können und von der Idee her neuartig sind, sodass man sie mit nichts anderem vergleichen kann. Ab und zu geschieht es dann aber doch – so auch bei „The Knife Of Never Letting Go“ von Patrick Ness. Bevor ich mit der Lektüre begann, hatte ich schon viele Lobeshymnen auf dieses Buch gehört und gelesen, sodass sich meine Erwartungen in die Höhe schraubten. Und trotzdem wurde ich überrascht.

Als Leser lernen wir durch Todd Hewitts Augen New World und seinen Heimatort Prentisstown kennen. Dort zu leben ist nicht leicht, denn es gibt nur Männer. Todd ist als einziger noch ein Junge und muss noch 30 Tage auf den Tag warten, an dem er ein Mann wird. Noch viel schlimmer ist aber, dass jeder die Gedanken des anderen hören kann – ungefiltert und total chaotisch, ein immerwährendes Geräusch im Hintergrund. Selbst von Tieren kann man die Gedanken hören. Diese Gedanken sind zwar wesentlich instinktiver und knapper (zum Beispiel einfach nur „Food“, wenn sie auf Beutezug sind), dennoch ziemlich eindeutig und verständlich.

Diese neue Welt zu entdecken fand ich unglaublich interessant. Was es für Unterschiede macht, wenn man die Gedanken seiner Mitmenschen immer und immer hören und sehen kann, wird hier echt gut dargestellt. Die Effekte kann man auch deshalb umso besser sehen, weil in der Welt sonst nicht viel anderes anders ist. Es gibt kaum futuristische Erfindungen, andersartige Landschaften oder fremde Tiere – all das ist sehr nah an unserer Welt gehalten und bedarf deshalb nicht viel Umgewöhnung. Mir hat es sehr gut gefallen, dass sich der Autor da nicht noch mehr Schnickschnack ausgedacht hat, weil man sonst womöglich davon überflutet worden wäre.

Nicht ganz einfach war es für mich am Anfang mit dem Stil klarzukommen. Die Geschichte wird aus Todds Perspektive erzählt und dementsprechend ist auch der Erzählstil – eher umgangssprachlich, mit Grammatikfehlern, falsch geschrieben Wörtern („direkshun“) und auch neuen Wörtern („twixt“ für „between“). Das passt unglaublich gut, doch am Anfang muss man sich eben erst einmal daran gewöhnen. Glücklicherweise findet der Autor genau die richtige Mischung zwischen normaler Sprache und Todd-Gedanken-Sprache – da fällt die Umgewöhnung dann gar nicht mehr so schwer.

Nicht weniger leicht war es für mich, mich mit Todd anzufreunden. Gerade am Anfang ist er ziemlich bockig (was man dann aber auch schnell gut verstehen kann), lässt seine Wut an seinem (unglaublich tollen) Hund Manchee aus und oftmals braucht er etwas länger um nachzuvollziehen, dass er nicht der einzige Mensch ist, dem schreckliche Dinge widerfahren. Anders ausgedrückt: Er ist menschlich, mit seinen vielen Ecken und Kanten. Ihn zu verstehen war für mich anfangs nicht leicht, doch im Lauf der Geschichte wuchs er mir immer und immer stärker ans Herz. Seine Entwicklung ging mir sehr nahe, weil sie mit so vielen Hoch- und noch viel mehr Tiefpunkten sehr glaubwürdig geschildert ist.

Sowieso ist dieses Buch eines der berührendsten, die ich seit langem gelesen habe. In dem Buch wird nicht alles schwarz oder weiß dargestellt, und einige Figuren gewinnt man so lieb, dass es fast zur Qual wird, ihnen auf ihrem steinigen Weg zuzugucken. Tränen gehörten für mich irgendwann zur Lektüre dazu, gepaart mit nervösem Zappeln weil es so unglaublich spannend ist. Zu Beginn des Buchs ist Todd relativ unwissend und nur nach und nach erfährt man immer mehr Wahrheiten über die Welt, in der er lebt. Hinzu kommt die Gefahr, in der er schwebt. Und dann sind da natürlich noch die vielen Konflikte in ihm, die alles andere als einfach zu entscheiden sind. Töten oder nicht töten? Hoffen oder nicht hoffen? Das sind Fragen, die innerhalb des Buchs immer und immer wieder in verschiedenen Kontexten auftreten und es Todd schwer machen. Auch ich war mir irgendwann unsicher, was die richtige Entscheidung sein könnte und ob es diese überhaupt gibt. Vor allem das hat mich sehr mitgenommen, denn die Komplexität der Situationen wird dadurch umso besser portraitiert.

Ganz, ganz fies jedoch ist das Ende. Ich bin froh, dass die Reihe schon vollständig erschienen ist und der zweite Teil bald bei mir ankommen sollte, denn lange halte ich es nach diesem Cliffhanger nicht mehr aus.




„The Knife Of Never Letting Go“ kann ich nur weiterempfehlen. Das Buch ist andersartig, berührend und ein echter Pageturner, weil es so spannend ist. Besonders die Tiefgründigkeit hat das Buch aber für mich zu einem ganz besonderen gemacht. Unbedingt lesen!


Kommentare:

  1. Jetzt bin ich wirklich überzeugt, mir die Bücher zu besorgen. Die neuen Cover sind eh schon Eye-Catcher und wenn der Inhalt so gut ist, kann ich mir das nicht entgehen lassen. ;)

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    1. Ganz unbedingt kaufen und lesen! Ich fand sie wirklich ganz besonders und total mitreißend. Viel Spaß damit :)

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  2. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum ich mir immer noch nicht die Zeit genommen habe, das Buch zu lesen, obwohl es schon lange in meinem Regal steht. Demnach danke, dass du mich wieder darauf aufmerksam gemacht hast :-)

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    1. Bitte, bitte :D Aber dann nichts wie los mit dem Lesen! :)

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  3. Hört sich ja toll an! Wandert wohl auf die Wunschliste ;p
    Aber wie war das Englisch so zu verstehen, abgesehen vom Stil & der Umgangssprache?

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    1. Mmh, also ich fand es gut zu verstehen, ist jetzt wirklich keine total komplexe Sprache :D

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  4. Klingt nach einem guten Buch das in schnellst möglicher Zeit gekauft und gelesen werden muss. ;) Nur wenn es tatsächlich mit so einem riesen Cliffhänger aufhört muss ich alle drei Bücher kaufen und wieder mal mit einem voll gepackten Rucksack in den Urlaub fahren. Aber das wird es auch wert sein :) Danke für den Tipp!

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    1. Das ist es auf jeden Fall wert! Die Bücher sind zwar dick aber nicht soo schwer, da kann man auch gut 3 von mitnehmen :D Viel Spaß!

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  5. So, dein zweiter Teil ist längst angekommen. Du musst endlich weiterlesen, ich möchte deine qualvollen Statusupdates sehen :D

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    1. Bist du gemein D:
      Aber ja, ja, ich mach ja schon. Immer diese Drängler ;)

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    2. Da müssen wir alle früher oder später durch ;D

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