[Rezension] Jamie McGuire - Beautiful Disaster

grass-harp | Sonntag, 26. Mai 2013 | / |


Titel: "Beautiful Disaster"
Autorin: Jamie McGuire
Auf Deutsch: "Beautiful Disaster"
Reihe: Beautiful #1
Genre: New Adult, Contemporary, Romance
Seitenzahl: 432
Erscheinungsdatum: August 2012
Format: Paperback // Simon & Schuster UK
Wohltäter: The Captain

Abby Abernathy is a good girl. She doesn’t drink or swear, and she has the appropriate number of cardigans in her wardrobe. Abby believes she has enough distance from the darkness of her past, but when she arrives at college with her best friend, her path to a new beginning is quickly challenged by Eastern University’s Walking One-Night Stand.
Travis Maddox, lean, cut, and covered in tattoos, is exactly what Abby wants—and needs—to avoid. He spends his nights winning money in a floating fight ring, and his days as the ultimate college campus charmer. Intrigued by Abby’s resistance to his appeal, Travis tricks her into his daily life with a simple bet. If he loses, he must remain abstinent for a month. If Abby loses, she must live in Travis’s apartment for the same amount of time. Either way, Travis has no idea that he has met his match.






{Enthält geringfügige Spoiler}

Anfangs fand ich das Buch noch richtig unterhaltsam. Etwas schrottig zwar, aber unterhaltsam. Auch wenn Travis das typische Bad-Boy-Klischee verkörpert (Tattoos, muskelbepackte Arme, alle paar Minuten in eine Prügelei verwickelt, schläft mit allem, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, etc.) und man trotz Ich-Perspektive aus Abbys Sicht nicht richtig aus ihr schlau wird, ist das ganze Drama um die beiden amüsant zu beobachten. Auch wenn die Wette, die sie abschließen als ziemlich gewolltes Plot Device daher kommt... Alles so Sachen, die mich schon irgendwie gestört haben, die dem Spaßfaktor des Buchs aber keinen Abbruch taten.

Nach 100 Seiten war dann aber auch mal Schluss. Da begann das Drama nämlich, sich weiter und weiter im Kreis zu drehen, sodass mir irgendwann schwindlig wurde. Nicht nur wiederholen sich etliche Handlungspunkte andauernd – Abbys Überzeugung, dass Travis nicht gut für sie ist; Travis’ Wutausbrüche und Stimmungsumschwünge – es kommt auch noch ein unnötiges Liebesdreieck hinzu. Während Abby nämlich einen eigentlich ganz lieb wirkenden Typen datet, kriecht sie jede Nacht zu Travis ins Bett, WEIL SIE JA EINE WETTE GEGEN IHN VERLOREN HAT UND DESHALB EINEN MONAT LANG BEI IHM WOHNEN MUSS. Jaja, gute Ausrede. Das fand ich schon ein bisschen merkwürdig, viel krasser fand ich aber, dass sich der andere Typ das überhaupt bieten lässt. Das klärt sich zum Glück irgendwann; das Chaos fängt dann aber erst so richtig an.

In der Eastern University, auf die die beiden gehen und die sich mehr wie Schule anfühlt, weil die Hauptfiguren irgendwie nie besonders viel lernen oder mit Unikram beschäftigt sind, läuft nämlich die Gerüchteküche rund. Das kann Travis sich natürlich nicht bieten lassen, wenn Leute seine Freundin als Schlampe oder ähnliches abstempeln. Hm, kann ich verstehen. Würde mich auch nerven. Aber den Leuten dafür so richtig eins reinzuhauen? Ich weiß nicht, wie oft ich in diesem Buch von Blutströmen gelesen habe, die über das Gesicht von irgendwem laufen. Fäuste, die auf etwas einschlagen, auf dem Boden zusammengerollte Körper. Sag mal, geht’s noch? Auch wenn es von Abby als „lass ihn seine Lektion lernen“ abgesegnet wird, nimmt Travis‘ Verhalten (und Abbys auch, wegen ihrer Zustimmung) ziemlich krankhafte Bahnen an.

Selbst wenn die beiden in ihrer On-and-Off-Beziehung mal wieder eine Phase ohne einander haben, wird jegliche männliche Gestalt, die sich Abby auf irgendeine Art und Weise annähert, sofort bedroht oder gar verprügelt. Während Travis sich „weil er es nicht anders kann“ ab und zu mal ein Betthäschen nach Hause holt. Da ist doch irgendetwas falsch oder?

Noch besser: Abby verkriecht sich gerade vor ihm, will mit ihm Schluss machen und Travis rastet aus, zerstört seine halbe Wohnung, ruft alle fünf Sekunden an und ist kurz davor seinen besten Freund zu verprügeln.

Was ist daran falsch? Mmmh, lasst mich überlegen... Ich bin nicht Verfechterin der Meinung, dass in Jugendbüchern die Hauptfiguren eine Vorbildfunktion annehmen müssten. Das ganz und gar nicht; ich finde, auch Jugendliche können und sollten sich Gedanken darüber machen und sich ihre eigene Meinung zu den Taten der Figuren bilden. Schwierig wird es dann, wenn dieses Verhalten als sexy und beschützerisch dargestellt wird, beziehungsweise als unzerstörbare Liebe.

Mal ganz im Ernst, ist so etwas Liebe? Oder trifft es das Wort „Besessenheit“ nicht doch besser?

Mir ist klar, dass Personen unterschiedlich sind und bei manchen eine Beziehung ruhiger zustande kommt und abläuft als bei anderen. Jede Person hat mit anderen Sachen zu kämpfen; insofern ist es eigentlich nicht schlecht, auch mal eine weniger „normale“ Beziehung zu beleuchten. Dann doch aber bitte auf etwas intelligentere Art und Weise. Das Verhalten der Figuren wird aber meistens gerechtfertigt mit „Ich bin ebenso“, „Du sollst dich doch nicht ändern“ oder so dargestellt als wäre es romantisch.

Moral hin oder her, es gab noch einige andere Sachen, die mich an dem Buch gestört haben. Das Buch ist nicht gut geschrieben, unzählige Formulierungen tauchen auf... und tauchen noch einmal auf... und noch einmal... und nocheinmal (Beispiel: „He/she made a face“ konnte ich irgendwann nicht mehr lesen). Überleitungen zu neuen Szenen passieren extrem abrupt und ungekonnt. Also alles andere als ein Genuss. Die Figuren in dem Buch wirken allesamt ziemlich flach und entwickeln sich nicht weiter – bis auf Travis mit seiner 180 Grad Wendung, die zugegebenermaßen auch ziemlich platt ist. Und die Handlung – ja, die dreht sich, wie gesagt, im Kreis.

Und was bringt einem das Buch? Irgendwelche neuen Eindrücke, Erkenntnisse? Nichts, nada, niente. Außer vielleicht: Wahre Liebe ist, wenn man das stalkerische Verhalten seines Freundes rechtfertigen und sogar glorifizieren kann. Und: Ich sollte mich von diesen hoch gefeierten College Romance Büchern am besten weit, weit fern halten.




Das Buch wird gehypt und gefeiert, „Beautiful Disaster“ ist aber trotzdem nichts für mich. Auf den ersten 100 Seiten war es noch unterhaltsam, dann wurde es platt, erschreckend und ätzend. Ich kann das Buch nicht weiterrempfehlen, dafür ist darin zu viel schief gelaufen.


Kommentare:

  1. Ich war auch alles andere als begeistert ...
    Stalkerisches verhalte - da stimme ich dir zu und total besitzergreifend. Si ein kerl wäre mein alptraum :s ich bin selbst ne autorin (net wirklich erfolgreich, da meine werke nur bei der agentur liegen), aber ich würde so eine story nie schreiben ... Zu kitschig u d unreal
    Lg terii :)

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    1. Ja, kitschig und unreal trifft es ziemlich gut. Aber schön zu sehen, dass es auch noch andere gibt, die das Buch etwas kritischer sehen :)

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  2. Ich bin so froh, dass du das Buch gelesen hast und es mir somit erspart bleibt :D Echt schlimm, was sich da in dieser echt coolen neuen Genresparte entwickelt. Ich bin ja auch nicht dafür, dass Figuren immer Vorbilder sein müssen, aber was hier vermittelt wird, ist echt grenzwerti

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    1. Haha, stets zu Diensten ;)
      Jupp, das finde ich auch. Parker zum Beispiel ist ja auch kein Engel, aber irgendwie wird da mit dem Thema so ganz, ganz anders umgegangen. Nicht so unreif und kindisch und verherrlichend :/

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    2. Das ist echt so traurig, dass Verlage da mitmachen... bloß weil es sich verkauft... wobei es natürlich auch erschreckend ist wieviele positive Lesermeinungen es dazu gibt.

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    3. Oh ja :/ Wahrscheinlich hat es gerade so einen Reiz weil es so dramatisch ist und man so schön drüber fliegen kann :/

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  3. Gott sei Dank noch jemand, der das so sieht! Ich fand dieses Buch auch einfach nur grottig. Am Anfang wars noch ganz nett und es liest sich ganz schnell. Aber dann...
    Nicht nur die strohdoofe Abby und der cholerische Travis mit seimem Mutterkomplex, deren Art du ja schon sehr treffend beschreibst, sondern auch die Story an sich. Ab dem Punkt, wo Abbys Vater ins Spiel kommt, konnte ich das Buch einfach nicht mehr ernst nehmen.

    Das allerbeste ist das zweite Buch der Reihe. Das scheint ja genau die gleiche Story noch einmal zu sein, nur aus seiner Sicht.
    Als ob man von Travis Art hier nicht schon genug ertragen musste D:

    Mir kommt es so vor, als ob das New Adult Genre schon so einen kleinen Klatsch weg hat. In einigen Buchhandlungen scheinen die Leute es nämlich ausschließlich mit Erotik und Groschenromanen für junge Menschen zu verwechseln :/

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    1. Aaah du auch? Da bin ich erleichtert :D

      Ja, das mit dem Vater war echt schlimm.

      SPOILER
      Und auch dass seine Brüder alle plötzlich doch so nett sind (ist er nicht angeblich unter harten Umständen aufgewachsen?!) und Abby natürlich auch sofort mögen... Und dann dieses ganze Hin und Her mit den Schulden und Travis gewinnt natürlich diesen einen harten Kampf blablabla. DAs war echt lächerlich.
      SPOILER ENDE

      Stimmt, das zweite ist dann so eine Art Midnight Sun. Superidee, das ganze noch einmal zu erzählen .___. Wahrscheinlich wird sich das aber trotzdem grandios verkaufen.

      Oh jaa. Das ist echt traurig. So tolle Sachen wie "If I Stay/Where She Went", "Just One Day" etc. sind da echt eine Seltenheit. Irgendwie schade, weil das Genre so viel mehr hergeben könnte.

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    2. SPOILER
      Das mit den Brüdern fand ich auch total bescheuert. Ich dachte jetzt kommen da Typen an, die öfters im Knast sind als zuhause, aber dann wird da quasi die Brady Family beschrieben xD

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    3. SPOILER
      Jaa! Ich frag mich auch, warum da vorher so ein Trara drum gemacht wurde.
      Am härtesten fand ich aber immer noch das Ende mit dem "Mrs. Maddox" .___.

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  4. Boar, danke!!! Ohne Witz...ich habe nur die 60 Seiten XXL Leseprobe gelesen und bin so dermaßen ausgerastet! Travis ist einfach ein verdammt schlechter Mensch und niemand - NIEMAND - sollte einen so gewaltsamen Typen mögen! Ich finde es so dermaßen krass, wie er sich da aufgeführt hat, das ich mich frage, ob mit den Mädchen, die voll auf ihn abfahren (also die weiblichen Fans des Buches) etwas nicht stimmt xD Die Wette...da dachte ich mir auch nur so: was??? Noch geiler ist aber eh, das Abby und America nur wegen der Dusche zu Travis "ziehen" und dort bleiben...Jesus O.o Ich hatte mir das Buch auch noch letztens ertauscht...wetten das wird auf meinem SuB verschimmeln? *würg* xD

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    1. Ich weiß nicht, ich glaube das ist einfach diese typische Bad Boy Sache, die ihn so anziehend macht. Verstehe ich auch nicht wirklich, aber na jaa.
      Die Wette ist wirklich total unglaubwürdig und diese komische Sache mit der Dusche. Aach. Total konstruiert. Ich fand es auch ätzend, dass America und Abby das ganze Buch über nur aufeinander rumhocken D:
      Haha, bin mal gespannt. Sonst vertausch es doch einfach wieder ungelesen, damit es keinen Schimmel ansetzt xD

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    2. Ich habe auch schon Geschichten mit Bad Boys gelesen und bin dahin geschmolzen :P aber so etwas ist doch...nein, nein, nein xD Ich verstehe es einfach nicht! Im Prinzip sagt die Autorin: Mädels, sucht euch einen gewalttätigen, besitzergreifenden Freund, der euch schlecht behandelt, aber hey, das ist OK, denn er sieht gut aus und kann, wenn er will auch mal nett sein! Und ja, die machen ja nichts anderes, als rumzuhocken! Stubenhocker Kinder sind die alle samt! xD Ich glaube, ich werde es vielleicht aus Trotz lesen, um dann meine Wut runter schreiben zu können! ;)

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    3. Ja, es gibt schon attraktive Bad Boys in Büchern, aber irgendwie sind die auch noch mal anders...
      Nee lieber nicht aus Trotz lesen, das frisst nur wertvolle Lesezeit!

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  5. oh man eigentlich hab ich das diesen Monat noch auf meiner Leseliste, das noch zu schaffen wäre eh utopisch, aber jetzt hab ich so gar keine Lust mehr drauf :/ Vielleicht entferne ich das mal ganz vom Sub. Bin aber sehr froh über deine Meinung, denn fast überall hört man ja nur Gutes...

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    1. Wer weiß, vielleicht würde dir das Buch ja total gut gefallen? Ich wäre auf jeden Fall sehr neugierig, was du davon hältst.
      Stimmt, es gibt unglaublich viele positive Stimmen - das kann ich jetzt gar nicht mehr so richtig nachvollziehen. Aber scheinbar hat das Buch doch irgendwie seinen Reiz D:

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    2. vielleicht nehm ich's mir ja doch nochmal für nächsten Monat vor. Oder ich warte noch ein bisschen, bis der Trend abflaut, vielleicht gehe ich dann auch wieder unvoreingenommen da ran :)

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    3. Das wäre auch ne Möglichkeit. Allerdings kann das vielleicht noch etwas dauern, wenn bald der zweite Teil erscheint... :/

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  6. Ich hab jetzt nur dein Fazit gelesen, weil ich das Buch auch noch lesen wollte. Aber irgendwie ist mir jetzt die Lust darauf gewaltig vergangen. :D

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    1. Das tut mir irgendwie gar nicht Leid xD

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  7. Schöne Rezi, und deine Punkte kann ich allesamt nachempfinden, obwohl das Buch bei mir eigentlich ganz gut weggekommen ist. Nicht als Bildungsroman oder sonstiges, sondern einfach zum zwischendrin weglesen - dafür fand ich es nämlich ideal! Das Ende und ab dem Punkt, wo Abbys Vater ins Spiel kommt, kann man absolut vergessen. Allein die Tatsache, dass *SPOILER* die am Ende heiraten ist total abgedreht amerikanisch und ätzend. *SPOILER*. Aber wie gesagt, unterhalten hat es mich doch irgendwie, auch wenn ich viel zu oft die Augen verdreht habe und ich Travis am Ende nicht mehr allzu viel abgewinnen konnte.

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    1. Jaa, es liest sich ja auch echt gut weg, dafür ist das bestimmt ganz gut. Aber mich hat irgendwie viel zu viel daran gestört, um es zum einfach Zwischendrinlesen genießen zu können :/
      SPOILER Ja, das ist so klischeemäßig, am schlimmsten fand ich aber dann echt dieses "Mrs Maddox"-Tattoo. Das ist ja mal totale Selbst-Herabstellung, uaah. Ich musste am Ende einfach nur noch lachen, weil ich es so unglaubwürdig fand SPOILER ENDE
      Hast du denn vor den zweiten Teil zu lesen? Das ist doch das gleiche nochmal, nur aus Travis' Sicht oder? :/

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    2. HAHAHA, ja, das fand ich auch SOWAS von bekloppt. Na ja, wie gesagt, den Anfang fand ich gut und ab der Mitte wurde es grausam. :D

      Gute Frage, interessieren würde es mich schon irgendwie! Für den Zug bestimmt eine ideale Lektüre :D

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  8. Mensch, das bist du ja wirklich die Erste, die nicht absolut von dem Buch schwärmt. Ich habe es mir vor einer Weile auf Englisch gekauft, reingeblättert und fand es eigentlich gut.
    Deine Kritikpunkte sind mir allerdings auch aufgefallen, z.B. diese krankhafte Besessenheit, die Travis hier zeigt. Das liest sich vielleicht romantisch, im wahren Leben würde man wohl aber eher Angst bekommen.

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    1. Jaa, ich fand es ja selbst beim Lesen alles andere als romantisch sondern eher verstörend. Hab mittlerweile auch schon mehrere Rezensionen gelesen, bei denen das genauso skeptisch gesehen wurde, aber die Mehrheit mag das Buch ja doch sehr :]

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