[Rezension] Daniela Winterfeld - Der geheime Name

grass-harp | Freitag, 11. Januar 2013 | / / |

Titel: "Der geheime Name"
Autorin: Daniela Winterfeld
Englischer Titel: -
Reihe: -
Genre: Märchen, (Urban) Fantasy, Liebe
Seitenzahl: 528
Erscheinungsdatum: Januar 2013
Verlag: Knaur TB
Format: Taschenbuch
Preis: 12,90 €
ISBN: 978-3-426-51127-5
Wohltäter: Droemer Knaur Verlag

Rumpelstilzchen wollte das Kind der Königin. Er bekam es nicht. Jahrhunderte später schließt ein anderes Wesen seiner Art einen neuen Pakt – und wird ebenfalls betrogen. Seitdem sucht es unablässig nach dem Kind … Seit sie denken kann, ist Fina mit ihrer Mutter auf der Flucht. Doch jetzt, mit 19, will sie endlich ein richtiges Zuhause finden und zieht zu ihrer Großmutter, die am Rand eines düsteren Moores lebt. Das Moor fasziniert Fina vom ersten Moment an – genau wie der geheimnisvolle Junge, der dort lebt. Weder Fina noch der Junge ahnen, dass sie beide nur Figuren in einem Spiel sind, das dem betrogenen Wesen endlich seinen Lohn bringen soll …






Wir alle kennen es: Das typische „Es war einmal“ mit dem die Märchen eingeleitet werden. Das arme Mädchen, das auf Umwegen an den reichen Prinzen gelangt, dabei aber furchtbare Dinge durchstehen muss und den falschen Gestalten traut. Am Ende siegt das Gute aber doch über das Böse und alles endet in einem „und dann lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende“.

Aber was wäre, wenn mitten in dem Märchen doch irgendetwas schief ginge und es nicht zu diesem glücklichen Ende kommt? Was, wenn die Probleme an die nächste Generation weitergetragen werden, wenn sich ein Geflecht aus Lügen entspinnt und die Beziehung einander nahestehender Menschen in Gefahr bringt?

In „Der geheime Name“ von Daniela Winterfeld ist genau das der Fall. Seit sie sich erinnern kann, zieht Fina mit ihrer Mutter von Ort zu Ort. Ein zu Hause kennt sie nicht, feste Freunde und Freundinnen ebenfalls nicht – und auch ihre Großeltern und ihr Vater sind ihr nahezu unbekannt. Letzterer ist außerdem noch der Grund für die ewige Flucht, auf der sich Mutter und Tochter befinden, denn er will Fina etwas antun. Doch kurz bevor es wieder einmal zum Umzug kommt, flüchtet Fina in die Heimat ihrer Mutter und zieht zu ihrer Großmutter. Aber statt sich, wie sie es eigentlich vorhat, auf die Mappenprüfung diverser Fotografieschulen vorzubereiten, zieht es sie in den Wald und das Moor, die unweit der Mühle ihrer Großeltern gelegen sind. Dort trifft sie auf Mora, einen jungen Mann in ihrem Alter. Doch etwas an ihm ist anders, fast, als wäre er aus einer anderen Zeit. Und nicht nur er sorgt für Geheimnisse – auch andere Geschehnisse im Moor stiften Verwirrung und Bedrohung. Ob Fina da wieder heil herauskommt?

Die atmosphärischen Beschreibungen der Provence, in der sich Fina zu Anfang des Buchs aufhält, übten einen ungeheuren Sog auf mich aus, dass ich gar nicht mehr anders konnte, als in der Geschichte zu versinken. Allgemein schafft Daniela Winterfeld es vorzüglich, die verschiedenen im Buch vorkommenden Landstriche zu beschreiben und in der Fantasie des Lesers zum Leben zu erwecken. Ganz gleich, ob weite Lavendelfelder oder Sumpflandschaft – alles baute sich problemlos vor meinem inneren Auge auf.

Ähnlich sind auch die Beschreibungen der Figuren. Geschrieben ist der Roman aus der Sicht des personalen Erzählers, wobei sich die Perspektive hin und wieder ändert. Größtenteils wird die Geschichte jedoch aus Finas Sicht erzählt. Reaktionen, Gesten und Handlungen werden dabei ebenfalls sehr glaubwürdig dargestellt. Einzig Finas Temperament war mir dabei hin und wieder zu spontan und impulsiv. Einige Male konnte ich die auf aufblitzende Gedanken folgenden Entschlüsse kaum nachvollziehen – sie kamen mir zu abrupt und zu schnell. Da hatte ich manchmal tatsächlich das Gefühl, die Handlung würde erzwungenermaßen vorangebracht werden.

Das ist jedoch nicht allzu oft so. Der Plot ist gut aufgebaut, wird selten langweilig und hält einige Überraschungen und Wendepunkte bereit, mit denen man nicht rechnet. Die Autorin hält sich nicht allzu lange mit unwichtigen Einzelheiten auf, sondern treibt die Geschichte stetig voran. Auch das war ein Punkt, der mich immer und immer weiterlesen lassen hat und der definitiv für den Roman spricht. Denn auch wenn man das Märchen, das dem Roman zugrunde liegt, schon bald erkennt, hält die Geschichte doch Neues bereit.

Das liegt nicht zuletzt an der Tiefe, mit der die Autorin vor allem Mora beleuchtet, der eine sehr außergewöhnliche Erziehung genossen hat. Die Abschnitte aus seiner Sicht haben mir immer besonders gut gefallen, denn sie zeigen seine Zwiegespaltenheit und die Konsequenzen der Ereignisse in seiner Jugend und Kindheit sehr gut. In einer Märchenneuerzählung erwarte ich so etwas nicht direkt und war demnach positiv überrascht.




„Der geheime Name“ beinhaltet (weitestgehend) tiefgründige Figuren, atmosphärische Beschreibungen und spannende Wendungen. Geheimnisvoll ist das Buch allemal und eignet sich wundervoll zum nach Drinnen verkriechen und schmökern.


Kommentare:

  1. Okay, jetzt wird das Buch definitiv gekauft! ;-)

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    1. Ich bin gespannt, wie es dir gefallen wird! Viel Spaß beim Lesen :)

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  2. Tolle Rezi!
    Werde mir das Buch auf jeden Fall merken!

    LG, gina ;)

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    1. Das freut mich, danke :) Ich hoffe, es gefällt dir genauso gut wie mir, wenn du es mal liest!

      LG

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  3. Das Buch steht schon auf meiner Wunschliste und deine Rezension passt genau zu meinem Erwartungen vom Buch, ich muss es also bald kaufen. :)

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    1. Das ist ja sehr praktisch :D Dann schon mal viel Spaß beim Lesen!

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  4. Das Buch ist durch die Bloggertour auf meinen Schirm geraten, ich finde es klingt sehr interessant und deine Rezension beschreibt es auch echt nett, aber so wirklich nach einem Must-Have klingt es nicht, aber vielleicht kann ich es mir ja irgendwo ausleihen :D

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    1. Wenn man Märchenadaptionen total gerne mag, dann ist das Buch eher Must-Have, als wenn man allgemein mal hier und da reinlesen will :D Aber ausleihen oder so klingt nach einer guten Alternative.

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