[Rezension] Boris Koch - Vier Beutel Asche

captain cow | Freitag, 4. Januar 2013 | / |

Titel: "Vier Beutel Asche"
Autor: Boris Koch
Englischer Titel: -
Reihe: -
Genre: Young Adult, Contemporary
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: November 2012
Verlag: Heyne fliegt
Format: Hardcover
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3-453-26834-0
Wohltäter: Heyne Verlag

Christoph ist erst sechzehn, als er stirbt – er prallt nachts mit seinem Fahrrad auf ein entgegenkommendes Auto. Alles, was von ihm bleibt, ist eine Urne Asche. Doch vier seiner besten Freunde wollen nicht akzeptieren, dass mit der Beisetzung einfach alles zu Ende sein soll. Hatte Christoph sich nicht immer gewünscht, die Welt zu entdecken? Die vier graben seine Urne aus und machen sich damit auf eine lange Reise – eine Reise, auf der sie erkennen, was Freundschaft wirklich bedeutet …






„Vier Beutel Asche“ setzte ich sofort auf meine Wunschliste, als ich von dem Roman zum ersten Mal las. Contemporary YA, die Thematik rund um den Tod und ein Roadtrip durch Deutschland und Frankreich – das klingt doch nach einer rundum gelungenen Kombination, oder nicht?

Gerechnet hatte ich leider nicht mit Jan, dem Protagonisten. Als Leser lernt man ihn in einer äußerst ungewöhnlichen Situation kennen – voller Wut und Rachegedanken lauert er vor dem Haus desjenigen, mit dem Jans bester Freund Christoph in einen Unfall geraten und dann gestorben ist. Weil man als Leser noch gar nicht richtig weiß, was los ist, fällt es schwer, sich in Jan hineinzuversetzen und die Lage nachzuvollziehen. Die immer wieder eingestreuten Rückblicke zu Zeitpunkten vor und nach Christophs Tod helfen einem da schon besser auf die Sprünge.

Ich hatte erst gehofft, Jan im Alltag zu erleben, würde mir helfen, mich an seine Art zu gewöhnen. Doch das war mir dank seines arroganten und kindischen Charakters unmöglich. Er ist so unglaublich selbstbezogen, lehnt jegliche Ratschläge oder Hilfeversuche ab und ist der Meinung, die ganze Welt sei nur gegen ihn. Kein Wunder bei seiner ätzenden Art und Weise. Meine Ablehnung gegen ihn und vor allem mein Unverständnis gegenüber seinen Handlungen ging irgendwann so weit, dass mich sein Fortkommen – und damit die Handlung des Romans – kaum noch interessierte, so aufregend sie auch klang. Wesentlich besser kam ich mit den Bekanntschaften klar, die Jan im Lauf des Buchs schließt, auch wenn mich keine von ihnen besonders begeistern konnte.

Geschrieben ist das ganze in einer äußerst seltsamen Mischung aus Kraftausdrücken und Jugendsprache und hochtrabenden Metaphern und Vergleichen. Die Mischung ging für mich nicht ganz auf, ebenso wenig wie Jans kindisches Verhalten, das sehr oft von (pseudo)philosophischen Gedanken unterbrochen wurde, die sich um Themen und Überlegungen drehen, die in jedem zweiten Jugendroman mit dem Thema Tod auftauchen. Abgesehen davon, fällt es schwer, solche Überlegungen ernst zu nehmen und nachzuvollziehen, wenn sie von einem sich sonst wie ein Riesenidiot verhaltenden Typen geäußert werden.




Leider war „Vier Beutel Asche“ für mich nichts als eine riesige Enttäuschung! Die unsympathischen, uninteressanten Figuren und der seltsame Stil, dessen Beschreibungen durch prollige Jugendsprache zerstört werden, machten für mich die anfangs so interessant klingende Idee zu einem Reinfall. Einen Punkt gibt es für die Idee und einen halben für die Figuren rund um Jan, zu mehr kann ich mich leider aber nicht durchringen.


Kommentare:

  1. Jetzt bin ich wirklich sehr neugierig. Gerade gestern habe ich bei Stefanie Emmy nämlich eine genau gegenteilige Meinung gelesen. Muss ich wohl doch selbst herausfinden :P

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    1. Die Rezension habe ich vorhin auch entdeckt und mich gefragt, ob ich ein anderes Buch gelesen habe. Schon witzig, wie weit sowas auseinander gehen kann :D

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  2. Oh weiha, das klingt ja mal überhaupt nicht gut und nach einem Protagonisten, wie man ihn (Gott sei Dank) selten erlebt. :/ Dies dann auch noch 384 Seiten durchzuhalten grenzt ja schon an eine reife Leistung. :D
    Allen Anschein nach scheint das trotz vielversprechendem Klappentext wohl nichts für mich zu sein. Schade, wirklich schade. :( Danke für die "Warnung". ;-)

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    1. Oh ja :/ Ich weiß auch nicht, ob ich da irgendetwas falsch hineininterpretiert habe (wobei ich mir das fast nicht vorstellen kann) und deshalb mit dem Buch auf keinen grünen Zweig kam :S Dabei wollte ich es wirklich gerne gut finden, zumal, wie du schon sagst, der Klappentext so vielversprechend klang.

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  3. Die Idee klingt so gut, ich mag immer noch nicht glauben, dass es doch kein tolles Buch ist. Allerdings kann ich mich auf deine Meinung meist verlassen... Mal sehen, ob ich das Buch in der Bibliothek mal sichten, dann lese ich es selbst mal an.

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    1. Das kann ich mir gut vorstellen, ich hatte zwischendurch auch meine Zweifel, ob ich nicht einfach engstirnig oder sonst was bin, aber irgendwie hat mir das Buch einfach nicht gefallen. Ja, vielleicht wäre das eine Möglichkeit.

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  4. Eine wunderbare Rezension, ich musste echt lachen. Verrisse sind doch immer am Schönsten. :D
    Dabei klingt das Grundprinzip des Buches wirklich richtig gut. Wie traurig, dass die Umsetzung so mangelhaft ist und zudem der Protagonist noch so extrem unsympathisch auftritt.
    Definitiv nichts für die Wunschliste. :)

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    1. :D Das stimmt, irgendwie sind die immer am amüsantesten zu lesen.
      Ja :/ Ich weiß nicht, dass der Protagonist unsympathisch ist, ist ja wirklich reine Ansichtssache und das geht anderen Lesern sicherlich anders. Für mich hat das das Buch aber einfach zerstört, weil dadurch mangelndes Interesse zustande kam... :/

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