[Rezension] Holly Goldberg Sloan - I'll Be There

captain cow | Mittwoch, 28. November 2012 | / |

Titel: "I'll Be There"
Autorin: Holly Goldberg Sloan
Deutscher Titel: "Sam und Emily: Kleine Geschichte vom Glück des Zufalls"
Reihe: -
Genre: Contemporary Young Adult
Seitenzahl: 392
Erscheinungsdatum: Mai 2011
Verlag: Little Brown
Format: Hardcover
Preis: ca. 13,80 € (Taschenbuch ab 6,99 €)
ISBN: 9780316122795
Wohltäter: Tanja (Buchtausch)

Emily Bell believes in destiny. To her, being forced to sing a solo in the church choir--despite her average voice--is fate: because it's while she's singing that she first sees Sam. At first sight, they are connected.
Sam Border wishes he could escape, but there's nowhere for him to run. He and his little brother, Riddle, have spent their entire lives constantly uprooted by their unstable father. That is, until Sam sees Emily. That's when everything changes.
As Sam and Riddle are welcomed into the Bells' lives, they witness the warmth and protection of a family for the first time. But when tragedy strikes, they're left fighting for survival in the desolate wilderness, and wondering if they'll ever find a place where they can belong. Beautifully written and emotionally profound, I'll Be There is a gripping story that explores the complexities of teenage passions, friendships, and loyalties.

Quelle: Bild, Text





„I’ll Be There“ klang für mich von Anfang an nach einer ruhigen, süßen Geschichte, in der die Figuren es nicht immer einfach haben. Der Klappentext, in dem die drei Hauptfiguren kurz und knapp beschrieben werden, faszinierte mich sehr, sodass ich sehr froh war, als ich mir das Buch ertauschen konnte.

Sam und Riddle Border sind seit ihrer Kindheit ständig auf Achse. Ihr Vater Clarence ist kriminell, betrügerisch und vor allem verantwortungslos – sobald die Dinge schwierig werden, macht er sich aus dem Staub und nimmt seine beiden Söhne mit. Sams größte Faszination ist die Musik und so kommt es, dass er sich eines Sonntagmorgens in die Kirche schleicht. Ebendie Kirche, in der Emily Bells Vater den Chor leitet und sie – trotz ihrer eher gering ausgeprägten musikalischen Begabung – ein Solo singen muss. Dabei entdeckt sie den ihr unbekannten jungen Mann ganz hinten in der Kirche. Plötzlich ist es, als würde sie nur für ihn singen. Auch Sam merkt, dass an dieser Situation etwas ganz besonderes ist. So nehmen die Dinge ihren Lauf – aber Sam ist es nicht gewohnt, anderen Leuten als seinem Bruder nahezukommen. Außerdem steht der nächste Ortswechsel schon wieder kurz bevor und Clarence sieht es nicht gerne, wenn seine Söhne allzu auffällig sind...

Zunächst fällt an „I’ll be there“ Holly Goldberg Sloans besondere Art zu erzählen auf. Sie beschreibt Situationen sehr bildhaft, in kurzen Passagen, aber mit treffenden Worten. Neue Figuren werden erst einmal auf ein paar Eigenschaften reduziert und so vorgestellt. Erst im Laufe des Buchs bestätigen sich diese Eigenschaften und man gewinnt neue Eindrücke. Die Emotionen werden dafür eher weniger beschrieben; vielmehr muss man in verschiedenen Situationen über die Taten der Figuren herausfinden, was sie gerade denken. Hinzu kommen viele Perspektivwechsel, durch die man einen Einblick in das Innenleben der meisten Hauptfiguren bekommt.

An diese Art und Weise, die an Filme erinnert, muss man sich erst einmal gewöhnen. Ich empfand sie als interessant, eben gerade weil man vom Verhalten aufs Innenleben der Figuren schließen muss. Allerdings gab es auch Stellen, an denen mich diese Erzählweise störte – die Entwicklung der Beziehung zwischen Sam und Emily beispielsweise lief mir da etwas zu geräuschlos ab. Überkandidelte Instant-Love ist mir zwar zu viel, aber dieses ganz stille, ruhige Zusammenkommen der beiden war mir zu wenig und auch fast unverständlich.

Positiv hingegen fand ich jedoch, wie die Autorin mit Sam und Riddles seltsamer Vergangenheit umgeht. Dass die beiden kein richtiges Zuhause kennen und viel durch die Gegend gezogen sind, nimmt man ihnen ab, ohne sie zu sehr zu bemitleiden. Holly Goldberg Sloan hat an dieser Stelle die knappe Gratwanderung zwischen klischeehafter Darstellung, die zu Mitleid führt, und authentischer Beschreibung sehr gut gemeistert. Auch die restlichen Figuren sind allesamt sehr detailliert geformt, sodass es mit ihnen nie langweilig wird.

Insgesamt hat sich für mich der Roman jedoch mehr wie ein schöner, minimalistischer Film angefühlt und weniger wie ein Buch. Auf irgendeine Art ist das ziemlich faszinierend, allerdings auch etwas enttäuschend, wenn man in dem Buch versinken will und das durch die vielen filmcharakteristischen Beschreibungen nicht kann. Vor allem Mitfühlen konnte ich kaum, weil zwischen den Figuren und mir eine zu große Distanz war.





„I’ll Be There“ erzählt eine schöne und traurige Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven. Besonders die Erzählweise macht den Roman andersartig, denn sie erinnert eher an einen Film als an ein Buch. Wer so etwas mag oder gerne mal ausprobieren möchte, sollte sich „I’ll Be There“ mal genauer anschauen. Leser, die lieber richtig in die Gedanken der Hauptfiguren abtauchen und mit ihnen mitfühlen wollen, dürften bei diesem Roman weniger zufriedengestellt werden.


Kommentare:

  1. Tanja hat das Buch glaub ich auch schon vor einer Weile rezensiert und es auf meine Wunschliste wandern lassen. Klingt ja auch wirklich mal nach etwas anderem. Ich kann gar nicht sagen, ob mir der Stil dann gefallen wird oder nicht. Muss ich das Buch wohl selber lesen. Sehr schöne Rezension!

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    1. Genau, mit ihr habe ich das Buch dann auch getauscht :) Ich bin aber auch mal gespannt, ob das Buch deinem Geschmack entsprechen wird/würde. Viel Spaß, falls du es mal lesen solltest :)

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  2. Hallo Hannah!

    Hm, schon als ich gelesen habe, wie die erste Begegnung der beiden aussieht, dachte ich mir, dass es nichts für mich ist. Das wirkt einigermaßen ... flach auf mich, wenn eine Liebesgeschichte so ihren Anfang nimmt.

    Ich weiß nicht, ich denke nicht, dass es etwas für mich ist, auch wenn mich dieses "filmähnliche" durchaus interessiert. Aber irgendwie überwiegen die negativen Punkte. :/

    Viele Grüße!

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    1. Heyho :)
      Hmm, ich finde das eigentlich relativ gut gemacht, vor allem weil es dann gar nicht mal soo kitschig wird. Aber wenn du jetzt schon weniger Interesse hast, dann ist es wohl nichts für dich :)

      Liebe Grüße

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  3. Ich finde auch, dass deine Rezension sehr passend ist! ^^ Ich sehe das eigentlich Haargenau so wie du und ich finde, das Buch wird irgendwie immer zwischen 3-4 Sternen festhängen. Das Ende war aber auch echt traurig und ungewollt lustig...*seufz* bei solchen Geschichten werde ich immer total emotionale, besonders, wenn Kinder involviert sind :)

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    1. Jaa, so ging es mir auch, gerade am Ende. Freut mich aber, dass du dem zustimmen kannst. Bin aber mal gespannt, was die Autorin sonst noch so produziert :)

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  4. Ich denke nicht, dass mich ein ruhiger Roman, der auf Beschreibungen setzt anstatt unaufhörlich die Gedanken der Charaktere herunter zu beten besonders stören würde. Aber wenn es zu minimalistisch wird, frage ich mich warum die Geschichte dann als Buch veröffentlicht wurde, wenn die Autorin auch gut ein Drehbuch hätte schreiben können.
    Diesen Roman werde ich wohl nicht lesen, dazu scheint er mir zu eindimensional. Ich glaube nicht, dass er mich, so wie du ihn beschreibst, emotional mitreißen könnte und auf diese Enttäuschung verzichte ich lieber.

    LG, Katarina :)

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    1. Im Grunde genommen stört mich das auch nicht - so gefühlsduselige Romane arten viel zu schnell ins Pathetische aus. Warum es nicht als Film veröffentlicht wurde, habe ich mich auch gefragt, schließlich ist die Autorin ja auch Drehbuchautorin...
      Ich kann es gut verstehen, dass du auf den Roman lieber verzichten willst :)

      LG
      Hannah

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