[Rezension] Britta Strauß - Sturmherz

captain cow | Montag, 19. November 2012 | / |

Titel: "Sturmherz"
Autorin: Britta Strauß
Englischer Titel: -
Reihe: -
Genre: (Urban) Fantasy, Young Adult, Mystery, Romance
Seitenzahl: 352
Erscheinungsdatum: Oktober 2012
Verlag: Drachenmond
Format: Softcover
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-931989-77-4
Wohltäter: Drachenmond Verlag

Maris Sehnsucht nach dem Meer wächst von Tag zu Tag. Immer wieder träumt sie sich in eine Welt voller Wunder und Freiheit, bis sie in einer eisigen Winternacht erkennt, welche Geheimnisse der Ozean tatsächlich verbirgt.
Man sagt, es gäbe Seehunde, die ihre Tiergestalt ablegen und zu Menschen werden. Man sagt, sie seien ebenso kaltherzig wie verführerisch. Nur ein Märchen für kalte Winterabende?
Während Mari die Wahrheit hinter einer uralten Legende aufdeckt, entspinnt sich eine Liebesgeschichte, wie sie magischer nicht sein könnte.
Doch die Gier eines gnadenlosen Feindes droht alles zu zerstören.

Quelle: Bild, Text





Tosende Wellen, sturmgraues Wasser, Muschelbänke, Legenden von Wesen, die zwischen Menschen- und Tiergestalt wechseln können? Mit Geschichten über das Meer, seine Weite, Legenden und Launen kann man mich immer locken. Kein Wunder also, dass „Sturmherz“ sofort von mir verschlungen werden musste. Schon der Klappentext lässt auf eine bittersüße Geschichte schließen, dennoch konnte ich mir nie ganz die Befürchtung aus dem Kopf schlagen, Britta Strauß hätte hier eine dieser typischen paranormalen Liebesgeschichten für Jugendliche produziert.

Das hat sie aber nicht. Keinesfalls. Die Hauptfigur ist zwar im Teenageralter und allgemein macht das Buch auch den Anschein, als würde es sich vornehmlich an junge Erwachsene richten. Doch eine zweite Erzählung von Bella und Edward (oder irgendein anderes dieser unzähligen Paare in derartigen Büchern) kriegt man nicht zu lesen. Welch ein Glück!


Mari lebt gemeinsam mit ihrem Vater auf den Orkney Inseln. Sie hat ein eher ruhiges, nachdenkliches und auch öfter mal melancholisches Gemüt. Ihre träumerische, trotzdem aber auch immer auf dem Boden gebliebene Art hat mir auf Anhieb gut gefallen, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Autorin Maris Gedanken wunderbar transportieren kann. Schon gleich zu Beginn der Geschichte tauchte ich in ihren Kopf ein und konnte das Chaos, das im Lauf der Handlung auf sie zukommt, wunderbar mitfühlen.

Aber auch Louans Gedanken blieben mir nicht verschlossen. Er stellt im Roman den Verbindungspunkt zum Meer dar, und die Mischung aus menschlichem und tierischem Wesen habe ich ihm sehr gut abgenommen. Etwas gestört hat mich allerdings, dass er so gut in allem ist. In dem Roman wird auch oft der Neid der Menschen auf die ihnen eigentlich überlegenen Selkies angesprochen und bei Eigenschaften wie Louan sie hat, kann man sich das auch gut vorstellen. In dieser Hinsicht war es also vielleicht gar nicht so schlecht. Dennoch hätte ich es interessanter gefunden, wenn er weniger perfekt gewesen wäre.

Allgemein sind die Figuren meiner Meinung nach aber sehr gut ausgearbeitet. Bis auf Louan und Mari gibt es auch noch andere, aus deren Sicht man liest, und auch diese hatten ihre guten und weniger guten Seiten, Ticks und Eigenheiten. Besonders den Fischer MacMuffin habe ich schnell ins Herz geschlossen, wegen seiner knurrigen und doch liebevollen Art, dem Seemansgesang, den er hin und wieder anstimmt, und der kindlichen Naivität, die immer mal wieder hervorbricht.

Ein ganz großer Pluspunkt an „Sturmherz“ ist allerdings auch der Stil der Autorin. Oftmals wollte ich gerade deshalb weiterlesen – denn Britta Strauß schreibt atmosphärisch und bildhaft, aber nicht zu übertrieben. Die Sätze klingen schön, trichtern dem Leser aber auch Gedankenbilder ein, weil sie noch immer natürlich und nicht zu komplex klingen. Dennoch: Hätte ich jeden ihrer schönen Sätze markiert, würden die Seiten meines Exemplars von „Sturmherz“ wahrscheinlich in allen Farben eines Korallenriffs leuchten. Zum Anstreichen bin ich aber leider viel zu selten gekommen, denn mich packte auch der Rest des Buchs so sehr, dass ich mich so selten wie möglich unterbrechen wollte.

Das Buch ist spannend aufgebaut, denn es erwartet einen viel mehr als „nur“ eine traurig-schöne Liebesgeschichte. Der Mensch als wissbegieriges Wesen möchte natürlich alles bis zum letzten Detail erklären können, was den Konflikt in der Geschichte antreibt. Aber auch der Konflikt von Technik und Natur wird von der Autorin miteingeflochten, von der zerstörerischen Ader des Menschen nicht zu schweigen. Dass diese Themen angesprochen werden, finde ich toll, zumal an ihnen auch viel Wahres dran ist. Mir persönlich war das manchmal zwar etwas zu viel Schwarzmalerei, doch wenn man der Gejagte ist, sieht man das wahrscheinlich ganz anders. Auf jeden Fall haben mich diese Punkte zum Nachdenken angeregt – was will man mehr?!

Der Hauptgrund, weshalb ich auf das Buch aufmerksam wurde, ist aber natürlich das Meer. Und das ist gut dargestellt. Aber wie! Die vielen Launen der See, die besonderen Landstriche, die es umgeben – all das ist wunderschön beschrieben. Beim Lesen strandete ich irgendwo zwischen Faszination und Sehnsucht, die Bilder immer genau vor Augen.





„Sturmherz“ ist eine traurige, schöne, mitreißende und nachdenkliche Geschichte über das Schicksal zweier Liebender, die verschwindende Magie in einer von Wissenschaft, Geld und Technologie getriebenen Welt und die kleinen Ausnahmen und Lichtpunkte, die einen trotz dieser Schlechtigkeit noch hoffen lassen. In meinen Augen hat das Buch zwar auch ein paar kleine Schwächen, die aber von der atmosphärischen Beschreibung der See, den liebenswerten Figuren und der packenden Handlung wieder wett gemacht werden. Wer noch eine träumerische Geschichte für kalte Winterabende sucht, sollte bei „Sturmherz“ unbedingt zugreifen und sich verzaubern lassen!


1 Kommentar:

  1. Hach das liegt noch hier, so unberührt und ungelesen, ich freue mich schon richtig darauf und bin echt gespannt wie es mir gefallen wird.
    Aber Britta Strauß hat mich noch nie enttäuscht und ich denke auch das dieses Buch mir wieder viel mitgeben wird beim Lesen. Allein deine Rezi hat mir jetzt schon richtig viel Lust darauf gemacht und am Liebsten würde ich jetzt sofort anfangen zu lesen.

    LG Jessi

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