[Rezension] Sarra Manning - Adorkable

grass-harp | Mittwoch, 12. September 2012 | / |

Titel: "Adorkable"
Autorin: Sarra Manning
Deutscher Titel: -
Reihe: -
Genre: YA Contemporary
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: Mai 2012
Verlag: atom
Format: Taschenbuch
Preis: ca. 8,30 €
ISBN: 9781907411007
Wohltäter: Mama & Papa
Jeane Smith is seventeen and has turned her self-styled dorkiness into an art form, a lifestyle choice and a profitable website and consultancy business. She writes a style column for a Japanese teen magazine and came number seven in The Guardian's 30 People Under 30 Who Are Changing The World. And yet, in spite of the accolades, hundreds of Internet friendships and a cool boyfriend, she feels inexplicably lonely, a situation made infinitely worse when Michael Lee, the most mass-market, popular and predictably all-rounded boy at school tells Jeane of his suspicion that Jeane's boyfriend is secretly seeing his girlfriend. Michael and Jeane have NOTHING in common - she is cool and individual; he is the golden boy in an Abercrombie & Fitch T-shirt. So why can't she stop talking to him?

Quelle: Bild, Text





Wer kennt sie nicht, die Geschichten über ein Paar, das überhaupt nicht zusammen passen sollte? Über Menschen, die (auf den ersten Blick zumindest) gegensätzlicher nicht sein könnten und die doch nicht die Finger voneinander lassen können? Und wer findet es nicht immer wieder amüsant, worüber man alles streiten kann, wenn der Tag lang ist – und ist dabei insgeheim beeindruckt, wie viele Dinge schief laufen können, ohne dass so eine Beziehung in die Brüche geht...

„Adorkable“ von Sarra Manning ist in dem Sinn nichts Neues. Eigentlich das typische Outsider-Mädchen-trifft-auf-beliebtesten-Jungen-der-Schule-Thema. Michael und Jeane sind zwar schon eine Weile auf der gleichen Schule, aber das erste Mal reden sie miteinander, als Michael den Verdacht hegt, seine Freundin und Jeanes Freund würden etwas miteinander haben. Auch wenn er Jeane immer für unfreundlich gehalten hat, spricht er mit ihr darüber, worauf sie – Überraschung! – ziemlich unhöflich reagiert. Aber die Zweifel sind gesät und Jeane kann nicht anders, als ihren Freund darauf anzusprechen und immer weiter nach Zeichen zu gucken. Und dann passiert das Unglaubliche: Ihr Freund, der eigentlich der totale Waschlappen ist und der nur ihretwegen coole Dinge wie Rollerderby kennengelernt hat, macht mit ihr Schluss. Aber irgendwie will sie doch, dass er glücklich ist und ermutigt Michaels Freundin zum Schlussmachen. Das findet Michael aber ganz und gar nicht toll und stellt Jeane zur Rede... Aber das endet ganz anders als geplant.


Die Unterschiede zwischen Jeane und Michael liegen auf der Hand. Während Michael stets freundlich ist und sich irgendwie mit allen gut zu verstehen scheint, macht Jeane keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber fast jedem ihrer Mitschüler. In ihren Augen denken sie zu wenig nach, sind nicht individuell, sondern nur eine große, nervige, mitläuferische Masse. Und zu der gehört Jeane natürlich nicht dazu, nicht mit ihrem Blog „Adorkable“ auf dem sie sich über das Anderssein auslässt und der ihr zu Ansehen in der Medienwelt verholfen hat.

Jeanes überhebliche Art ist die meiste Zeit über ziemlich anstrengend. Sie guckt auf alle hinab, beschwert sich über Vieles, ist trotz ihrer Kritik über andere ziemlich vorurteilsbelastet und behandelt Menschen wie Dreck. Doch die Autorin schaffte es, mich trotzdem von Jeane zu überzeugen. Hinter ihrer harten Fassade liegt ein ganz schön weicher und einsamer Kern, den man immer häufiger erahnen kann, wenn man gut aufpasst. Ihre guten Seiten zeigt sie zwar nicht so häufig, aber bestimmte Charaktereigenschaften machen sie doch zu einem guten und wirklich interessanten Menschen. Ihr Bloggerinnendasein war für mich auch sehr interessant zu lesen – sie stellt zwar einen Einzelfall dar, dennoch finde ich, dass die Autorin es ziemlich gut umgesetzt hat.

Michael hingegen geht einem, wenn überhaupt, nur auf die Nerven, weil er andauernd alles richtig machen muss. Doch der perfekte beliebte Junge, wie man ihn aus vielen Büchern kennt, ist er auch nicht. Seine Fehler kann er – früher oder später – einsehen, er kümmert sich um die Menschen, die ihm wichtig sind, ist höflich und geht meistens ohne Vorurteile an die Dinge heran.

Beide Hauptfiguren, sowie viele Nebenfiguren, sind nicht ganz einfache Charaktere. Sie haben wirklich ihre nervigen Seiten, über die man gerne mal ein ernstes Wörtchen mit den Figuren wechseln würde. Aber das macht sie umso authentischer – und dafür gibt es eben auch die tollen Seiten, die sie haben und wegen der man sie augenblicklich ins Herz schließt. Deshalb ist „Adorkable“ aber auch kein einfaches Buch zum Versinken. Klar, es ist kein großes Problembuch, aber die Figuren verzaubern einen durch ihre Schwierigkeit nicht auf Anhieb und man muss dranbleiben und sie akzeptieren lernen.

In „Adorkable“ wechselt kapitelweise die Perspektive. So erfährt man immer wieder Jeanes und Michaels Sicht der Dinge. Aus diesem Grund kann man viele ihrer Taten nachvollziehen und es ist fast unmöglich, zu entscheiden, wessen Ansicht man besser verstehen kann. Sehr schön ist dabei auch Sarra Mannings Schreibstil – er drängt sich nicht auf, ist sehr natürlich und passt jeweils zu den Hauptfiguren. Je nach Gefühl ist er mal voller Ausdrücke, dann wieder eher ruhig-nachdenklich, ohne zu erwachsen zu wirken.

Der Handlungsablauf hat mir hier auch gut gefallen, obwohl er natürlich stellenweise vorhersehbar ist. Dennoch hat Sarra Manning Dinge in die Geschichte eingebaut, die ich nicht erwartet hatte, und mich durch ihre Figuren oder deren Gedanken oftmals zum Nachdenken gebracht – aber auch zum Lachen und Mitleiden.





„Adorkable“ ist ein Buch, das mir wunderbar gefallen hat, wegen seiner ungewöhnlichen und authentischen Figuren, dem absolut passenden Stil und der mal unterhaltsamen, dann wieder furchtbar traurigen Handlung. Trotzdem bin ich überzeugt, dass nicht jeder das Buch mögen wird. Man sollte YA Contemporary mögen und darauf eingestellt sein, dass das Verhalten der Hauptfiguren selten ein Zuckerschlecken ist. Wer Protagonisten mit nur wenigen Ecken und Kanten lieber hat, sollte sich noch mal genauer überlegen, ob „Adorkable“ wirklich die richtige Lektüre ist.

Kommentare:

  1. Uh nach deiner tollen Rezi habe ich ein großes Bedürfnis, dass Buch zu lesen :D

    Ich mag irgendwie solche Gegensätze-Geschichten, auch wenn es nichts neues ist.

    Lg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hihi das freut mich :) Ich wäre ja mal sehr gespannt, ob dir das Buch genauso gut gefällt wie mir :)
      Geht mir genauso. Aber irgendwie muss auch immer ein bisschen was Neues dabei sein, damit es mich unterhält. Das war bei "Adorkable" glücklicherweise der Fall.

      LG

      Löschen
  2. Ich finde solche Bücher toll :) Und jetzt hab ich noch viel mehr Lust das Buch zu lesen als vorher!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Geht mir sehr ähnlich. Und das freut mich! Viel Spaß mit dem Buch :D

      Löschen