[Rezension] Jennifer E. Smith - The Statistical Probability Of Love At First Sight

grass-harp | Sonntag, 2. September 2012 | / |

Titel: "The Statistical Probability Of Love At First Sight"
Autorin: Jennifer E. Smith
Deutscher Titel: "Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick"
Reihe: -
Genre: Contemporary Young Adult
Seitenzahl: 244
Erscheinungsdatum: Januar 2012
Verlag: Headline UK
Format: Hardcover
Preis: ca. 12,70 €
ISBN: 9780755392179
Wohltäter: Der Kapitän
Who would have guessed that four minutes could change everything?
Imagine if she hadn't forgotten the book. Or if there hadn't been traffic on the expressway. Or if she hadn't fumbled the coins for the toll. What if she'd run just that little bit faster and caught the flight she was supposed to be on. Would it have been something else - the weather over the Atlantic or a fault with the plane?
Hadley isn't sure if she believes in destiny or fate but, on what is potentially the worst day of each of their lives, it's the quirks of timing and chance events that mean Hadley meets Oliver...
Set over a 24-hour-period, Hadley and Oliver's story will make you believe that true love finds you when you're least expecting it.

Quelle: Bild, Text





Für viele von uns ist das Fliegen noch immer eine beunruhigende Sache – auch wenn man es schon mehrmals gemacht hat und auch wenn man gar nicht wirklich Angst hat. Sich in einer Blechkiste 12000 Meter über der Erdoberfläche zu befinden, hat doch etwas Unwirkliches an sich. Deshalb ist man vor dem Flug auch oft etwas nervös, etwas hibbelig und kann es gar nicht erwarten, im Flugzeug zu sitzen, um dieses Gefühl endlich loszuwerden. Das Flugzeug verpassen? Darum muss man sich zu allem Übel auch noch Gedanken machen. Hadley geht das anders – viel mehr dreht sich ihr beim Gedanken an die bevorstehende zweite Hochzeit ihres Vaters der Magen um. Aber dann passiert das Unerwartete – sie verpasst tatsächlich ihren Flieger von New York nach London. Ob das Öl ins Feuer gießt oder für sie eine Gnadenfrist ist, weiß sie nicht so recht. Schließlich muss sie ein paar Stunden auf das nächste Flugzeug warten und dann ihre Klaustrophobie überwinden. Glücklicherweise ist da Oliver, mit dem man die lange Wartezeit gut überbrücken kann...

Zunächst fällt an „The Statistical Probability of Love at First Sight“ die ungewöhnliche Erzählform auf. Der personale Erzähler ist sicher nichts Neues. Und viele Bücher, die im Präsens geschrieben sind, gibt es auch. Aber die Kombination beider kommt dann doch seltener vor. Anfangs mag das noch sehr gewöhnungsbedürftig sein, doch ich konnte mich sehr schnell damit anfreunden. Einerseits wird dadurch das Geschehen nämlich unmittelbarer, andererseits wird durch die Distanz zur Hauptfigur Hadley der Dramatikfaktor etwas gedämmt. Weil man ihre Gefühle und Erlebnisse etwas distanzierter wahrnimmt, scheinen sie nicht überdramatisiert. Die Scheidung ihrer Eltern, die neue Liebe ihres Vaters und das langsame Zerbrechen der Familie setzen Hadley sehr zu. Die Gefahr, diese Lebensumstände überspitzt darzustellen, ist sehr groß, aber glücklicherweise ist es Jennifer E. Smith gelungen, sie ihren Lesern glaubhaft zu machen. Mit vielen Rückblicken in Hadleys Kindheit oder die Tage vor und nach der Trennung ihrer Eltern, kann man sich ein Bild vom Davor machen und von dem, was kaputt gegangen ist. Mir fiel es besonders an diesen Stellen sehr leicht, Hadleys Wut auf ihren Vater, ihre Unsicherheit ob der neuen Situation und ihre Verwirrung, dass Liebe derartig enden kann, nachzuvollziehen.

Insgesamt ist Hadley aber auch eine Figur, mit der man sich schnell identifizieren kann. Sie ist kein besonders außergewöhnliches Mädchen; eine normale Persönlichkeit und doch hat sie ihre Eigenheiten, die sie zu etwas Besonderem machen. Bei Oliver und all den anderen Figuren verhält es sich gleichermaßen – sie sind Menschen, denen man auf der Straße begegnen könnte und die man vielleicht genauso plötzlich wieder vergäße, würde man ihre Geschichte nicht kennen.

Aber auch der Schreibstil spielt dabei eine große Rolle. Mich hat er oft an einen Film erinnert, denn viele Beschreibungen sind so gehalten, wie man sie auf der Kinoleinwand sehen würde. Stück für Stück wird die Kulisse aufgebaut und so entstehen Gedankenbilder, die wie Kopfkino sind. Flüssig und ohne Unregelmäßigkeiten oder Störungen. Besonders die von der Autorin verwendeten Vergleiche und ihre Dialoge haben es mir angetan. Letztere versetzen einen direkt in das Flugzeug und lassen einen die durchwachten nächtlichen Stunden von Hadley und Oliver miterleben. Dabei stehen allerhand Themen auf der Tagesordnung. Die beiden unterhalten sich über ihre Familien, das Erwachsenwerden und die damit verbundene Realisierung, dass auch Eltern nicht immer alles perfekt und richtig machen.

Auch wenn „The Statistical Probability of Love at First Sight“ auf den ersten Blick sehr leicht scheint, waren es für mich vor allem diese Gesprächsthemen und einige Gedanken Hadleys, die dem Buch Tiefe geben und es umso besonderer machen. Es geht nicht nur um ein paar schöne Stunden mit einem süßen Jungen im Flugzeug. Es geht auch nicht nur um pubertäre Zickereien gegenüber der neuen Frau von Hadleys Vater. Und es geht auch nicht nur um den Schmerz nach einer Scheidung. Sondern es geht um Akzeptanz, darum, dass ein scharfer Schnitt oftmals besser sein kann, als das langsame Absägen mit einem stumpfen Messer. Es geht darum, dass Gefühle widersprüchlich sind, und man Dinge nicht einfach so annehmen sollte, sondern darüber zu reden auch ein entscheidender Faktor ist.





Mit authentischen Figuren, einem unverwechselbaren Stil und vielerlei Themen besticht „The Statistical Probability of Love at First Sight“. Das Buch berührt, regt zum Nachdenken an und ist dabei trotzdem eher leichte Kost – wirklich empfehlenswert für ein paar schöne Lesestunden.

Kommentare:

  1. Ich kann dir nur zustimmen. Ich fand es erstaunlich, dass dieses doch sehr kurze Buch so starke Gefühle bei mir ausgelöst hat und ich die Charaktere so schnell annahm.

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    1. Schön dass nicht nur ich das so sehe :) kann ich dir nur zustimmen, besonders wegen der Kürze und auch wegen vieler mittelmäßiger Rezensionen war der Effekt des Buchs sehr überraschend.

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  2. Ich fand das Buch auch SO WUNDERBAR! Und dieser tolle Humor und *seufz* die beiden waren einfach so süß! :) Ich will einen Film dazu - der wäre sicher super!

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    1. Jaaa da stimmte einfach alles :D Und zu verkitscht war es auch nicht, einfa h genau die richtig Mischung. Nen Film dazu fänd ich auch Top! Vielleicht mit den Machern von Juno oder so, das würde passen :D

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  3. ach du bist das, alles klar. ich verfolg dich auch! :)
    danke!

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  4. Ah, wie schön, dass es dir auch so gut gefallen hat! Den Gedanken mit dem Kopfkino hatte ich beim Lesen auch öfter - fänd es sehr spannend, das Buch irgendwann verfilmt zu sehen <3

    Hast du eigentlich meine letzte Mail bekommen? Da ich so lange von dir nichts gehört habe, mache ich mir langsam Sorgen, ob die in den Weiten des www verloren gegangen ist :-/ Oder hast du vielleicht längst geantwortet und bei mir ist bloß nichts angekommen? Wenn du grade keine Zeit hast, ists natürlich auch in Ordnung, weiß ja, dass du noch "on tour" bist, aber da du (im Gegensatz zu mir *lach*) sonst immer so schnell geantwortet hast, dacht ich mir, ich hake mal nach :-)
    Also weiterhin schönen Urlaub und fröhliches Büchershoppen! Liebe Grüße vom Saumensch

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    1. Jaa so geht's mir auch. In den film würd ich sicherlich gehen!

      Und entschuldige, dass ich noch nicht geantwortet habe. Ich bin zwar schon wieder da, aber dann war ich doch noch mal weg. In den nächsten Tagen sieht es aber entspannter aus da kann ich dir dann auch endlich zurückschreiben. Tut mir echt leid, dass das so lange gedauert hat :/

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    2. Hey Captain, überhaupt kein Problem. Wie gesagt, lass dir Zeit und komm erstmal in Ruhe wieder nach Hause :-) Ich hatte nur schon Panik, dass bei mir irgendwas nicht richtig gesendet wurde / ich deine Mail gelöscht habe oder so was :-) Liebe Grüße!

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