[Rezension] Alex Adams - White Horse

captain cow | Samstag, 22. September 2012 | / |

Titel: "White Horse"
Autorin: Alex Adams
Originaltitel: "White Horse"
Reihe: White Horse #1
Genre: Post-Apokalypse, Mystery, Thriller
Seitenzahl: 448
Erscheinungsdatum: September 2012
Verlag: Piper
Format: Klappenbroschur
Preis: 16,99 €
ISBN: 9783492702522
Wohltäter: Piper Verlag
Leseprobe
Die junge Zoe entdeckt in ihrer Wohnung ein merkwürdiges Glasgefäß, dessen Herkunft sie sich nicht erklären kann. Es enthält ein furchtbares Geheimnis. Denn als Zoe den Behälter öffnet, breitet sich eine geheimnisvolle Seuche aus, »White Horse«. Unzählige Menschen sterben, das Ende aller Zeiten scheint gekommen. Zoe verliert nicht nur ihre Familie, sondern auch ihren geliebten Nick, der verschwunden ist. Und sie stellt fest, dass sie von ihm schwanger ist. Auf sich allein gestellt, zählen für Zoe bald nur noch zwei Dinge – wird sie Nick wiederfinden, um das Geheimnis von »White Horse« zu lüften? Und wie kann sie ihr ungeborenes Kind in einer Welt beschützen, die dem Tod geweiht ist?

Quelle: Bild, Text





Wer hätte es gedacht?! Es gibt sie tatsächlich noch, die Geschichten, die in nicht allzu ferner Zukunft spielen und durch eine gewisse Andersartigkeit begeistern können. Wovon ich spreche? Von „White Horse“, natürlich. Alex Adams' Debütroman spielt in einer post-apokalyptischen Welt, die durch Krieg und vor allem Krankheit zerstört ist. Die Protagonistin Zoe – zur Abwechslung mal eine Erwachsene – kämpft in dieser Welt ums Überleben, um ihre Menschlichkeit und um die Wahrheit.

Als ich den Klappentext von „White Horse“ zum ersten Mal las, hatte ich die leise Hoffnung, dass es genau die richtige Art Zukunftsroman für mich sein könnte. Die große Pampe aus vorhersehbaren Romanen, in denen Held und Heldin für eine bessere Gesellschaft kämpfen oder irgendein Familienmitglied finden müssen und sich dabei ganz zufällig ineinander verlieben, hatte ich langsam satt. Eine erwachsene Hauptfigur, die in dieser verkorksten Welt auch noch ihr ungeborenes Kind schützen muss, klingt da schon nach etwas ganz anderem.

Natürlich hat Alex Adams das Rad nicht komplett neu erfunden. Einige Abläufe tauchen in post-apokalyptischen Romanen immer wieder auf, aber das ist ja gar nicht verwerflich. Auch Zoe hat die Hoffnung, einen jemanden wiederzufinden und nimmt dafür eine harte Reise auf sich. Aber die läuft nicht nach dem üblichen Schema ab, was vor allem daran liegt, dass der Roman auf zwei Zeitebenen spielt: Dem „Damals“ und dem „Jetzt“.

Alex Adams verleiht dem Plot damit eine unglaubliche Spannung. Die Passagen sind recht kurz gehalten und lassen den Leser oftmals mit den Zähnen knirschen, weil ihre Enden ziemlich schroffe Cliffhanger sind. In den Abschnitten aus dem „Jetzt“ erfährt man bruchstückhaft Dinge über die Vergangenheit, kann sie aber erst richtig zusammensetzten, wenn man alle Teile über „Damals“ gelesen hat. Man sitzt also fast die ganze Zeit auf heißen Kohlen, will wissen, was damals geschehen ist und wie es dazu kommen konnte, dass die Welt so ist, wie sie jetzt ist. Und natürlich will man wissen, wie Zoe auf ihrer Reise vorankommt. Denn die wird nicht nur durch fehlende Technologie und Nahrung erschwert. „White Horse“ hat Massen von Menschen abgeschlachtet und droht alle weiteren zu infizieren. Menschlichkeit ist ein seltenes Gut geworden.

Aber Zoe möchte sich diese ihr und ihrem Kind zuliebe bewahren. Schon allein das hat mich Bewunderung für diese junge Frau empfinden lassen, die ansonsten gar keine typische Sympathieträgerin ist. Zoe kann ziemlich schroff und uneinsichtig sein, aber ihre Gedankengänge und Handlungen haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Sie ist unkonventionell, aber authentisch. Das gilt auch für viele andere Figuren, obwohl ich mit dem Großteil erhebliche Sympathieprobleme hatte. Diese sind aber ganz klar beabsichtigt, schließlich wäre es unlogisch wenn in einer zerstörten Welt alle höflich und gut sein würden. Trotzdem wurde mir beim Lesen mancher ihrer Taten übel.

Wenn „White Horse“ eins nicht ist, dann ist es ein Buch für schwache Nerven. Alex Adams beschreibt nicht jeden Blutspritzer detailliert, aber sie beschönigt die kalte Brutalität auch nicht. Manchmal fand ich es fast heftiger die Brutalität nur knapp beschrieben zu lesen, weil meine Vorstellung dadurch um so verrückter spielen konnte. Manches wollte ich auf den ersten Blick einfach nicht nachvollziehen, aber gerade diese Grausamkeit hat das Buch noch realistischer gemacht.

Alex Adams‘ prägnanter Schreibstil trägt zur Intensität und Spannung des Buchs bei. Stellenweise waren mir die Sätze etwas zu abgehackt – das kann aber auch daran liegen, dass solche Sätze im Englischen einfach natürlicher klingen. Dennoch transportieren diese knappen Sätze Zoes Gefühle fast immer sehr gut und beschwören im Kopfkino Momentaufnahmen und Gedankensplitter herauf. Besonders gut gefallen haben mir dabei Alex Adams‘ Vergleiche und Metaphern, die meine Vorstellungskraft zu Höchstleistungen angetrieben haben.





„White Horse“ ist eine post-apokalyptische Geschichte, die mich durchgehend überzeugen konnte. Mit realistischen Figuren, einer spannenden und glaubwürdigen Handlung, sowie einem intensiven Schreibstil gehört dieser Roman zu den für mich besten seines Genres. Ich kann nach diesem gelungenen Roman nur begierig auf den zweiten Teil warten und euch diesen Trilogieauftakt ans Herz legen. Aber Achtung – zartbesaitete Leser sollten lieber die Finger davon lassen!


Kommentare:

  1. Eine sehr schöne informative Rezension mal wieder! :-)
    Ich wollte das Buch zuerst unbedingt haben, weil es so innovativ klingt und ich sehr gerne über eine erwachsene Protagonistin lesen wollte. Nur der Brutalitäts-Aspekt lässt mich noch zögern ... Ich mag Horror/Thriller überhaupt nicht.

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    1. Mh, es ist schon sehr brutal. Vielleicht blätterst du mal durch und liest rein? Eine der ersten Szenen im "Jetzt" ist fast eine der brutalsten des Buchs. Ich fand sie auch schrecklich, aber noch zu verschmerzen. Wenn du damit einigermaßen klarkommst, sollte auch der Rest des Buchs kein allzu großes Problem haben, was Brutalität anbelangt. :)

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  2. schöne Rezi, jetzt möchte ich das Buch sogar noch mehr lesen :)

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    1. Nur zu! :D Ich wünsch dir ganz viel Spaß dabei :)

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  3. Oh, das klingt wirklich gut. Ich gerate in Versuchung - wenn mir das Buch über den Weg läuft, greife ich zu.
    Sind für dich persönlich nicht zu viele Fragen offen geblieben? Das wurde ja häufig von anderen kritisiert ...

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  4. Habe den Ersten verschlungen !!! Nun muss ich auf den zweiten Teil warten :-( Weiss schon jemand, wann der in etwa erscheinen soll?
    Viele Grüße

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