[Rezension] Nataly Savina - Herbstattacke

grass-harp | Dienstag, 21. August 2012 | / |

Titel: "Herbstattacke"
Autorin: Nataly Savina
Originaltitel: "Herbstattacke"
Reihe: -
Genre: Jugendbuch
Seitenzahl: 144
Erscheinungsdatum: August 2012
Verlag: Chicken House
Format: Klappenbroschur
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-551-52043-2
Wohltäter: Chicken House Verlag
Leseprobe
Es passiert beinah gleichzeitig. Er wird zur Zielscheibe von Malik und seiner Gang und er verliebt sich in Farsaneh. Keine gute Startposition für Leo, der neu in der Stadt ist. Denn Farsaneh wird mit Argusaugen bewacht -, vor allem von ihrem Bruder Malik. Um ihr nah sein zu können, bleibt Leo nur eins: Er muss das Vertrauen von Malik und seiner Gang gewinnen. Auch wenn er dabei Dinge tun muss, die er noch nie zuvor gemacht hat. Sein Plan geht auf. Während er sich heimlich mit Farsaneh trifft, werden Malik und die anderen zu Freunden. Doch als Leo und Farsaneh erwischt werden, eskaliert die Situation ...

Quelle: Bild, Text





Nach der Scheidung seiner Eltern zieht Leo mit seiner Mutter um. Er kommt auf eine neue Schule, in eine neue Nachbarschaft und muss sich neue Freunde suchen. So leicht ist das aber gar nicht, wenn er sich um seine Mutter kümmern muss, die die Scheidung kaum verkraften kann. Zu allem Übel gerät er immer wieder in die Schussbahn der örtlichen Jugendgang und muss allerlei Hässlichkeiten über sich ergehen lassen. Und dann ist da auch noch Farsaneh, die Schwester des Ganganführers, die Leo irgendwie nicht mehr aus dem Kopf geht...

Wie man sieht, kommen in „Herbstattacke“ ganz schön viele Dinge zusammen. Wie all das auf knappen 144 Seiten erzählt werden soll, fragte ich mich bereits, als ich die Inhaltsangabe las. Doch die Neugierde siegte. Leider wurde meine Skepsis nicht widerlegt, denn auf den wenigen Seiten des Buchs stapeln sich die schwierigen Themen ganz schön. Die Scheidung der Eltern; der Umzug; die neuen Freunde, die Leo auf die falsche Schiene bringen; ein Mädchen, das aus einer persischen Familie stammt und dessen Vater viel Wert auf traditionelle Werte legt; … All das sind für sich genommen oder vielleicht auch in Kombination interessante Themen, doch in dieser Fülle und mit so wenig Platz kommen sie einfach nicht richtig an. Beim Lesen hat man das Gefühl, die Autorin hetze nur so von einem Problem zum anderen und kann so das Buch gar nicht richtig ernst nehmen. 

Ich möchte weder behaupten dass „Herbstattacke“ lächerlich ist, noch dass diese vielen Probleme unrealistisch sind. Aber die Autorin nimmt sich einfach keine Zeit damit. Durch die Kürze entstehen oberflächliche Szenen und klischeehafte Wortwechsel, die das Buch in der Masse versinken lassen. Die oben aufgezählten Themen bleiben bei einer bloßen Beschreibung; man erfährt als Leser wenig Neues, erlebt wenig Entwicklungen mit und so lässt einen das Buch unzufrieden zurück.

Dabei haben einige Szenen durchaus Potential. Farsaneh kümmert sich um ihren kleineren Bruder, doch der steht auch unter dem Einfluss des großen Bruders und ist somit sehr hin- und hergerissen. Diese Szenen haben mir immer wieder recht gut gefallen; waren aber – wie der Rest des Buchs – zu kurz und demnach zu oberflächlich. Daraus hätte man noch viel mehr machen können.

Ebenso abgehetzt wie der Rest ist die Erzählweise. Eigentlich liest man aus Leos Sicht, doch häufig werden auch Abschnitte über Farsaneh und ihren Bruder erzählt, was an sich sehr interessant sein könnte, wenn da nicht die seltsamen und unverständlichen Perspektivwechsel wären. Darüber hinaus ist der Erzählstil der Autorin wirklich anstrengend zu lesen. Auf dem Buchrücken wird das ganze als „neuer Sound“ bezeichnet – eine sehr optimistische Beschreibung. Hauptsatz reiht sich an Hauptsatz und bis auf ein paar einigermaßen gelungene Beschreibungen sind die Stilmittel eher rar oder erzielen kaum die richtige Wirkung.





„Herbstattacke“ hat mich nicht mit neuen Sichtweisen oder Gedanken attackiert. Stattdessen ist es vollgestopft mit Themen, die sich auf der wenigen Spielfläche einfach nicht entfalten können. Dadurch bleibt das Buch oberflächlich und kurzweilig.

Kommentare:

  1. Von dem Buch habe ich auch schon gehört. Thematisch fand ich es interessant, aber ich habe mich ebenfalls gefragt, wie man so viel auf so wenigen Seiten erzählen kann. Nun werde ich es mir aber wohl nicht kaufen, denn die von dir genannten Kritikpunkte würden mir auch nicht gefallen. Also danke für dei Rezi :-)

    LG
    Jai

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    1. So ging es mir auch, nur dass ich der Neugierde dann nachgegeben habe. Aber ich kann gut verstehen, dass du es nicht ausprobieren willst. Man muss es auch nicht gelesen haben, weil die Themen einfach viel zu wenig Platz haben. Wirklich schade :/
      Nichts zu danken :)

      LG

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  2. Ich kann dir in jedem Punkt, den du kritisiert, absolut zustimmen! Jedes einzelne Thema in diesem Buch für sich genommen hätte meiner Meinung nach genug Stoff für ein eigenständiges Werk geboten. Aber durch die schnellen Abhandlungen verlieren die einzelnen Handlungsstränge sehr an Intensivität. Sehr schade...
    LG
    Lena

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    1. Ja, es wirkt irgendwie so gehetzt und ich fand auch, dass das Buch keine neuen bahnbrechenden Ansichten geboten hat oder so. Da hatte ich wirklich mehr erwartet :/ Ich bin aber erleichtert, dass du das auch so gesehen hast :)

      LG

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  3. So ging es mir mit diesem Buch auch. Schade...

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    1. Scheint irgendwie vielen so zu gehen... Wirklich schade, man hätte mehr daraus machen können :/

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  4. Ich muss dir leider zustimmen. Genauso habe ich es auch gesehen. Unter der Kritik von Miss Bookiverse hatte ich schon mal vermutet, dass das Buch vor allem auf Schulklassen abzielen will und daher als "Pflichtlektüre" möglchst kurz gehalten werden sollte.
    Aber das bringt natürlich auch nichts, wenn wie hier die Qualität der Story darunter leidet :-/

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    1. Aw, das kann natürlich sein. Darüber hatte ich so noch gar nicht nachgedacht, aber wenn ich mir mal überlege, was wir vor allem in der 7. und 8. Klasse gelesen habe, passt das schon irgendwie. Das waren oft auch eher oberflächliche Bücher, die als Diskussionsgrundlage ganz gut waren. Aber wie du sagst, irgendwie bringt das auch nicht viel :/ Das Buch sollte ja auch für Einzelleser interessant sein.

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  5. Das kann ich leider nur voll und ganz unterschreiben. Hast du sehr gut in Worte gefasst wie es auch mir beim Lesen ging.

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    1. Ich bin echt beruhigt, dass es auch noch anderen so geht. Aber irgendwie ist es auch echt schade :/

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  6. Schöne Rezension :)
    Eigentlich hätte es mich auch interessiert, aber da es dir nicht so besonders gefallen hat, werde ich es auf jeden Fall lieber bleiben lassen. :) Vielen Dank für die Warnung. :)

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