[Rezension] Lev Rosen - Die Erfindung der Violet Adams

captain cow | Dienstag, 14. August 2012 | / |

Titel: "Die Erfindung der Violet Adams"
Autor: Lev Rosen
Originaltitel: "All Men of Genius"
Reihe: -
Genre: Urban Fantasy, Romance, Historische Fiktion, Jugendbuch
Seitenzahl: 560
Erscheinungsdatum: März 2012
Verlag: Egmont INK
Format: Hardcover
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-86396-031-5
Wohltäter: Egmont INK
Leseprobe
London, 1883: Im Zeitalter des Fortschritts halten Erfindungen wie Luftschiffe und Roboter die Welt in Atem. Violet ist selbst ein Ingenieursgenie. Schon immer war es ihr Traum, am berühmten Illyria-Institut zu studieren. Aber das ist den Männern vorbehalten, da von jungen Damen in erster Linie erwartet wird, ihr hübsches Aussehen zur Schau zu stellen anstatt sich den Kopf über mathematische Formeln zu zerbrechen. Kurzerhand schlüpft Violet in die Rolle ihres Zwillingsbruders und wird an der Eliteschule angenommen. Ihr falsches Spiel bringt bald schon seine Tücken mit sich, vor allem, als sie den charmanten Grafen Ernest kennenlernt. Dazu gesellen sich noch größere Gefahren für Violet: In Illyrias geheimen Laboren treiben vom Ehrgeiz zerfressende Wissenschaftler ihr Unwesen. Die Gier nach Macht lässt sie vor nichts zurückschrecken …

Quelle: Bild, Text





Seltsame blecherne Erfindungen, die durch Dampfmaschinen zum Leben erwachen? Ein Mädchen, das auf seine Art und Weise gegen die von Männern regierte Welt protestiert? Und all das im viktorianischen Zeitalter in London? Klingt nach einer verdammt guten Kombination, die man sich nicht entgehen lassen sollte. „Die Erfindung der Violet Adams“ enthält all das und sorgte somit bei mir für besonders große Neugierde. Den starken 500 Seiten blickte ich voller Vorfreude entgegen, schließlich deutet der Klappentext auf eine abenteuerliche, lustige und vielleicht auch etwas skurrile Geschichte hin.

Wie es aber bei solchen Wälzern öfter der Fall ist, verläuft sich der Autor und so geht die Geschichte eher schleppend los. Um die Figuren kennenzulernen reichen allemal weniger Seiten und auch für eine Einführung in die Handlung hätte Lev Rosen sich kürzer fassen können. So erfährt der Leser nämlich nicht nur Violets Plan, auf die Wissenschaftsakademie zu kommen, und erlebt ihr Bewerbungsgespräch mit. Nein, all das wird ausgeweitet und noch mit Informationen über etliche Nebenfiguren erweitert, sodass man anfangs wirklich dranbleiben muss, um nicht gänzlich die Lust auf den Roman zu verlieren. Dabei ist die Idee des Autors, zwei große Klassiker zu kombinieren und ihnen eine eigene Würze zu verleihen, gar nicht so schlecht. Besonders ab der Mitte, wenn es dann richtig los geht und die Geschichte eine eigene Wendung bekommt. Dann wird „Die Erfindung der Violet Adams“ nämlich richtig packend, was wohl daran liegt, dass mehr und mehr Ereignisse aufeinander folgen, die Figuren durch ihre Gefühle etwas menschlicher werden und man endlich zu den mysteriösen Geschehnissen kommt, die auf dem Buchrücken angekündigt werden.

Auch wenn die Handlung manchmal etwas zäh ist – Lev Rosens Stil ist das nicht. Manchmal mag er etwas einfach sein, mit aneinandergereihten Hauptsätzen, doch insgesamt ist er angenehm zu lesen und mit allerlei ironischen und sarkastischen Bemerkungen sehr amüsant. An die vielen Perspektivwechsel muss man sich dennoch gewöhnen. Der Roman ist im personalen Erzählstil geschrieben und berichtet hauptsächlich über Violets Sicht der Dinge, doch oftmals gibt es auch Exkurse in die Köpfe anderer Figuren. Bei den Hauptfiguren ist das interessant, weil man verschiedene Motivationen nachvollziehen kann, doch unwichtige Nebencharaktere kommen auch hin und wieder zu Wort, was etwas störend wirkt.

Nichtsdestotrotz ist es größtenteils interessant, aus den verschiedenen Perspektiven zu lesen, zumal die Figuren nicht allzu typisch sind. Violet ist eine eher unkoventionelle Protagonistin mit ihrer Faszination für Mechanik und Erfindungen und ihr Selbstbewusstsein bringt den Leser hin und wieder zum Schmunzeln. Ihr Bruder Ashton und ihr Freund Jack sind derart unbeschwert, dass man ihnen im Buch gerne begegnet, während Ernests Selbstzweifel Mitleid erregen. Manchmal sind die Figuren jedoch etwas zu einfach gestrickt; etwas zu gutmütig oder zu leicht zu berechnen. Ein wenig mehr Komplexität hätte ihnen und der Geschichte sicherlich nicht geschadet, denn so hätte der Autor dem Roman noch mehr Pfiff geben können.





„Die Erfindung der Violet Adams“ ist lustig, unterhaltsam aber manchmal auch sehr zäh. Der gut zu lesende Schreibstil macht die sich ziehende Handlung aber ertragbar und auch die Figuren können weitestgehend überzeugen. Restlos begeistert bin ich von Lev Rosens Roman trotzdem nicht, denn der Klappentext lässt einen mehr erwarten. Man sollte auf jeden Fall etwas Geduld mitbringen, wenn man mit Violet Adams ins London des 19. Jahrhunderts reist!


Kommentare:

  1. Ach ja, irgendwann werde ich wohl mal einen Blick in dieses Buch werfen, dafür interessiert es mich zu sehr. 3 Sterne sind ja auch nicht schlecht und die positiven Argumente sprechen mich stark an - den eingangs/mitunter zähen Handlungsverlauf muss ich dann wohl in Kauf nehmen, sollte ich es genauso empfinden. Was ich doch nicht hoffe. Aber bis es so weit ist dauert es bestimmt noch. Schöne Rezi!

    Liebe Grüße
    Doreen

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    1. Wenn es dich interessiert, dann solltest du es wirklich mal probieren. Hoffentlich gefällt es dir dann besser als mir, ich bin gespannt, wie du es finden wirst :)

      LG

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  2. Hm, kommt mir so vor, als ob die Rezension recht schwierig zu schreiben war, weil das Buch nichts so viel hergibt.^^

    Ich habe es noch auf meinen SuB, aber Bücher sind ja geduldige Freunde.^^

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    1. Chrm, dass dir das auffällt ^^ War es aber irgendwie auch. Es gibt Bücher, über die man viel zu sagen hat, aber leider ist dieses hier keins von denen.
      Ja, genau. Vielleicht und hoffentlich gefällt es dir besser als mir.

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  3. also von zähen büchern hab ich erst mal genug ^^ es scheint mir so, als habe sich hier wieder die bücher-die-alle-lieben-außer-mir-krankheit eingeschlichen ;P wirklich schade, das es dir nicht besser gefallen hat, aber an sich sind drei schmetterlinge ja keine schlechte wertung ^^

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    1. Jaa, irgendwie habe ich auch den Eindruck :/ Na ja, kann man nichts gegen machen. Ich fand das Buch ja auch nicht schlecht, aber eher durchschnittlich und war ein bisschen enttäuscht, weil ich nach einigen Rezensionen wirklich besseres erwartet hatte.

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  4. Von "Die Erfindung der Violet Adams" habe ich bisher ehrlich gesagt noch nichts gehört, aber nachdem ich jetzt den Klappentext gelesen habe, bin ich wirklich auch neugierig geworden. :) Ich glaube, ich werde das Buch trotzdem nicht lesen, weil deine Kritikpunkte eigentlich genau auf das zutreffen, was ich an Büchern ebenfalls nicht besonders mag. Irgendwie hatte ich schon immer ein Problem mit häufigen Sichtwechseln und bei seitenlangen Einführungen verliere ich ziemlich schnell die Lust am Lesen und lasse es dann auch bald einfach gleich bleiben. :D
    Aber vielen Dank für deine schön geschriebene Rezension. :)

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    1. Ich glaube, das Buch ist neben den ganzen tollen INK-Neuerscheinungen anfang des Jahres etwas untergegangen.
      Wenn dir solche Dinge nicht unbedingt gefallen, dann lass es lieber mit dem Buch :] Man muss es wirklich nicht gelesen haben.
      LG

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  5. Das Buch steht schon eine ganze Weile auf meiner Wunschliste und jetzt bin ich nur noch neugieriger darauf, zumal deine Kritikpunkte mich persönlich gar nicht so sehr stören^^

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