[Rezension] Simona Ahrnstedt - Ein ungezähmtes Mädchen

grass-harp | Freitag, 20. Juli 2012 | / |

Titel: "Ein ungezähmtes Mädchen"
Autorin: Simona Ahrnstedt
Originaltitel: "Överenskommelser"
Reihe: -
Genre: Historische Fiktion, Liebe, Drama, Belletristik
Seitenzahl: 528
Erscheinungsdatum: 20. Juli 2012
Verlag: Wunderlich
Format: Hardcover
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-8052-5028-3
Wohltäter: Rowohlt Verlag
Leseprobe

Im Dezember 1880 begegnen sie sich zum ersten Mal: Beatrice Löwenström, die nach dem Tod ihrer Eltern das biedere Heim des Onkels kaum verlassen hat, und der so wohlhabende wie charismatische Seth Hammerstaal werden einander in der Stockholmer Oper vorgestellt – zwischen ihnen knistert es auf Anhieb. Danach kreuzen sich ihre Wege immer wieder: auf Bällen, Jagdaus ügen und Landpartien. Bald erkennt Beatrice, dass sie und Seth mehr verbindet als bloße Leidenschaft.
Dabei ahnt sie nicht, dass ihr Onkel sie längst dem hartherzigen Grafen Rosenschöld versprochen hat und dass dem jedes Mittel recht ist, seine Ansprüche an sie geltend zu machen und den rothaarigen Wirbelwind zu zähmen …

Quelle: Bild, Text





Meistens mache ich um historische Romane ja eher einen Bogen, zumindest wenn der Handlungszeitpunkt weit in der Vergangenheit liegt. Warum? Weil mich so weit Zurückliegendes nur selten faszinieren kann und ich das Gefühl habe, oft über gleiche Handlungsabläufe und Figurenkonstellationen zu stolpern, was das Lesevergnügen ganz eindeutig einschränkt. Dass „Ein ungezähmtes Mädchen“ seinen Weg trotz seines Genres zu mir gefunden hat, liegt eindeutig daran, dass das Buch von einer schwedischen Autorin geschrieben worden ist und auch in diesem Land spielt. Solche Bücher sind mir nämlich bisher noch kaum untergekommen und meine Sehnsucht nach Schweden hoffte ich mit diesem Buch etwas stillen zu können.


Anfangs machte sich zunächst Ernüchterung breit. Erneut bietet sich die altbekannte Situation – unerfahrenes, intellektuelles Mädchen trifft auf den weltgewandten Mann, der schon so viel erlebt hat und nun fasziniert von dieser Mischung aus Klugheit und Unschuld ist. Natürlich finden die beiden etwas aneinander. Und natürlich wehren sie sich irgendwie gegen ihre Gefühle. Und natürlich kommt auch immer sehr viel dazwischen, sodass sich langsam eine hochdramatische Geschichte voller Missverständnisse entspinnt. Wie man sieht, ist das keine besonders neuartige Grundlage für solch eine Geschichte.

Ebenfalls gestört haben mich zunächst die verwirrenden Perspektivwechsel. Glaubt man anfangs noch, der Roman sei im personalen Erzähler aus Beas Sicht geschrieben, irrt man sich gewaltig. Schnell wird klar, dass die Autorin hier den auktorialen Erzähler verwendet hat, der aufgrund fehlender Absätze zwischen den Abschnitten wahrlich für Verwirrung sorgen kann. Doch gewöhnt man sich erst einmal daran, macht diese Erzählweise den Roman erst richtig interessant, weil man viele verschiedene Perspektiven auf das Geschehen kommt und so die zahlreichen Missverständnisse noch ärgerlicher aber auch verständlicher werden. Simona Ahrnstedts Stil kann man dabei nicht kritisieren – bildhaft und mit zumeist wirklich schönen Formulierungen beschreibt sie das winterliche Stockholm, die prunkvollen Bälle, aber auch die Gefühle der Figuren. Insofern fiel es mir alles andere als schwer, in der Geschichte zu versinken, auch wenn ich mit einigen Komponenten meine Schwierigkeiten hatte.

An die eher typische Konstellation der Hauptfiguren kann man sich schnell gewöhnen, weil ihre Emotionen glaubwürdig beschrieben sind und sie überzeugende Beweggründe für ihr Handeln haben. Ihre Zuneigung ist nachvollziehbar und, ohne dass man es bemerkt, fängt man an für die beiden zu hoffen und vor allem mit ihnen zu leiden. Denn die Autorin macht es ihren Figuren wahrlich nicht leicht – schreckliche Situationen müssen sie durchstehen, schmerzliche Enthüllungen erleiden und so kann man nicht anders, als mit ihnen zu fiebern. Zumal beide Figuren ihre Fehlerchen haben und dadurch menschlich wirken. Allerdings sind die Nebencharaktere meiner Meinung nach nicht so gut gestaltet. Bei manchen von ihnen fiel es mir tatsächlich schwer, sie mir vorzustellen, weil die Autorin unglaubliche schwarz-weiß-Malerei betreibt. Manche der Figuren sind abgrundtief böse, während andere ausschließlich gute Absichten haben. An dieser Stelle hätte ich es weitaus interessanter gefunden, wenn sich die Autorin um mehr Vielschichtigkeit bemüht hätte, um in ihren Figuren und Lesern einen Konflikt wachzurufen. So einfach lassen sich Menschen nicht kategorisieren.





Der Stil, die Hauptfiguren, die überzeugenden Emotionen und das viele Drama sind die Ursachen für mein Verschlingen dieses Buchs. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und einiger Makel ist „Ein ungezähmtes Mädchen“ wirklich mitreißend und entführt den Leser auf gelungene Art und Weise ins Stockholm des 19. Jahrhunderts. Fans von historischen Romanen und allen, die eine dramatische und herzzerreißende Geschichte lesen wollen, kann ich das Buch durchaus empfehlen. Man sollte allerdings wissen, worauf man sich einlässt: Eine mitreißende Geschichte mit ungewöhnlichen Schauorten, dafür aber keiner besonders herausragenden Grundidee.


Kommentare:

  1. Hey :)
    Eine schöne Rezension. Mir geht es mit Historischen Romanen ähnlich - auch ich mache meist einen großen Bogen rum, wobei es auch immer gelungene Romane dieses Genres gibt.
    Aber das mit dem schwarz-weiß von Nebencharakteren sehe ich auch so. Ich habe gestern Insurgent von Veronica Roth gelesen und da war ausnahmsweise wirklich mal alles und jeder grau - fand ich super!
    Übrigens sieht die Frau auf dem Cover aus wie Rose McGowan...^^
    Grüße, KQ

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Salut :)
      Stimmt, Rose McGowan... Ich habe mich schon immer wieder gefragt, an wen sie mich erinnert, bin aber nicht drauf gekommen. Jetzt wo du es sagst...
      In Veronica Roths Büchern sind wirklich alle grau, das finde ich auch echt toll! Wäre schön, wenn es das häufiger in Büchern gäbe... :]

      LG

      Löschen
  2. Ich mag dieses Klischee. :D
    Aber auktoriale Perspektive verschreckt mich immer. Ich denke da an Sätze, wie: Aber sie wussten noch nicht, dass sie zum letzten Male friedlich beisammen sein würden! *Blitz* *Donner* *Spannungskiller*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich mag es manchmal. Aber wenn du es magst, wäre das Buch vielleicht was für dich :P
      Ah nein, so ist es dann auch wieder nicht. Es ist mehr so: Er dachte... Er fühlte...
      Und dann im nächsten Absatz geht es um sie. (okay, das ist jetzt die extrem vereinfachte Darstellung.) Aber nicht so, wie du es beschrieben hast :D

      Löschen
    2. Hm, das wären ja dann nur verwirrende Perspektivwechsel...
      Auktorial, das ist doch diese allwissende Perspektive, d.h. der Autor erzählt mehr, als die Protagonisten wissen können.

      Löschen
    3. Hmm stimmt auch wieder. Aber so ist es irgendwie auch, weil auch viele Nebenfiguren zu Wort kommen. Die Gefühle/Gedanken mehrerer Figuren werden nur nie im gleichen Satz offenbart, immer schön in Absätze unterteilt :S Ich weiss auch nicht, wie man das nennt.

      Löschen
  3. Hach das habe ich auch noch hier stehen aber irgendwie kann es mich nicht packen. Hmmmm muss es also noch etwas warten.
    Aber wie immer eine tolle Rezi - ich habe alle deine Posts bis jetzt gelesen aber immer nur auf dem Handy, ich sag dir was - das nervt. Ich bin so froh wenn ich wieder Internet habe und dir wieder regelmäßig einen Kommentar zukommen lassen kann ;)

    Bis bald
    LG Jessi

    AntwortenLöschen
  4. Also ich fühle mich angesprochen! Wenn die Umsetzung im Grunde genommen überzeugen kann/die Story gut ausgearbeitet ist, dann darf es gerne mal eine weniger innovative Grundstory sein. Das Buch läuft mir in letzter Zeit eh schon häufiger über den Weg und langsam ist mein Interesse richtig geweckt. Besonders was die skandinavische Kullisse betrifft, wobei mein Herz noch mehr für Norwegen schlägt. Das mit dem auktorialen Erzählstil finde ich manchmal auch komisch bzw. dass man das erst später mitbekommt. Mal finde ich diesen Stil gelungen, mal verwirrt es einfach nur. Ich bin gespannt! Auf die WuLi wanderts schon mal und ich denke das wird dann mal wieder ein Fall für Tausch Ticket werden ... mit etwas Geduld. Danke für die tolle wie ausführliche Rezi!

    Liebe Grüße
    Reni

    AntwortenLöschen