[Rezension] Jodi Picoult & Samantha van Leer - "Between the Lines"

grass-harp | Dienstag, 10. Juli 2012 | / |

Titel: "Between the Lines"
Autorinnen: Jodi Picoult, Samantha van Leer
Deutscher Titel: -
Reihe: -
Genre: Märchen, Contemporary, Young Adult, Romantik, Urban Fantasy
Seitenzahl: 358
Erscheinungsdatum: Juni 2012
Verlag: Simon Pulse
Format: Taschenbuch
Preis: ca. 9,90
ISBN: 9781442457393
Wohltäter: Der Kapitän

What happens when happily ever after…isn’t?
Delilah is a bit of a loner who prefers spending her time in the school library with her head in a book—one book in particular. Between the Lines may be a fairy tale, but it feels real. Prince Oliver is brave, adventurous, and loving. He really speaks to Delilah.
And then one day Oliver actually speaks to her. Turns out, Oliver is more than a one-dimensional storybook prince. He’s a restless teen who feels trapped by his literary existence and hates that his entire life is predetermined. He’s sure there’s more for him out there in the real world, and Delilah might just be his key to freedom.

Quelle: Bild, Text





Bestimmt haben sich viele von euch als Kinder gefragt, was die Figuren in einem Buch machen, wenn man es zuklappt. Leben sie weiter und ziehen ihr eigenes Ding durch, ehe sie dann, wenn man das Buch wieder aufschlägt, die Geschichte weiterspielen? Manch einer hat sich vielleicht auch gefragt, ob die Kuscheltiere, wenn man gerade nicht hinschaut, unterwegs ist oder schläft, eine kleine Party veranstalten und, ähnlich wie beim Stopptanz, innehalten, wenn man selbst hinschaut.

Von diesen Fragen gehen Jodi Picoult und ihre Tochter Samantha van Leer in „Between The Lines“ aus. Ein Märchenbuch mit gleichnamigem Titel ist Angel- und Wendepunkt der Geschichte. Als ein besonderes und einzigartiges Projekt einer ehemals berühmten Krimiautoren, verstaubt das selbstgebundene und selbstgestaltete Märchenbuch nun in einer Schulbibliothek – bis Delilah es irgendwann findet. Delilah, die auf ihrer Schule den Status einer Unberührbaren innehat und die in den Zeilen und Zeichnungen des Märchens stundenlang versinken kann. Immer wieder liest sie das Buch, bis sie es schließlich fast auswendig kann – und bis sie bemerkt, dass sich darin etwas geändert hat. Von da an ist ihr klar, dass dieses Buch nicht wie jedes andere ist. Denn seine Figuren scheinen lebendig zu sein – auch der Held des Märchens, Prinz Oliver, der sie irgendwann anfleht, ihm zu helfen, um die Seiten des Buchs für immer zu verlassen.

Die Geschichte wird auf drei verschiedenen Ebenen erzählt. Einerseits verfolgt man bruchstückhaft das Märchen und kann einen Blick auf die Zeichnungen werfen. Andererseits liest man kapitelweise aus der Ich-Perspektive von Oliver und Delilah. Diesbezüglich fällt als allererstes die Gestaltung auf. Bis auf die Ausschnitte aus dem Märchen, ist die Schrift in verschiedenen Farben gehalten, sodass man die Erzählperspektiven ganz einfach auseinanderhalten kann. Auf den Seiten findet man aber auch immer wieder kleine Gestaltungselemente, die zur Erzählung passen – zum Beispiel eine Skizze von Delilah, ihrer Freundin oder Prinz Oliver. Diese Gliederung ist auch deshalb sehr schön, weil man so die Magie des Märchens miterleben kann, aber auch das Leben innerhalb und außerhalb des Buchs.

Delilah und Oliver sind Hauptfiguren, aus deren Sicht ich sehr gerne gelesen habe. Sie sind sympathische Figuren, allerdings bemerkt man bei ihrer Charakterisierung trotzdem, dass es sich bei diesem Buch um eine Art modernes Märchen handelt. Oliver ist zwar nicht der ganz typische Märchenprinz, doch er hat von dieser Rolle viele Charaktereigenschaften übernommen. Delilah hingegen weist Parallelen zu Aschenputtel auf – doch bei beiden Figuren wirkt das nicht kopiert und einfallslos. Die Magie von „Between the Lines“ besteht eben darin, dass klassische Märchenelemente mit eigenen Ideen vermischt worden sind, um daraus eine Hommage an die Märchenwelt zu machen, sie aber auch zu hinterfragen.

Auch die Handlung ist nach diesem Schema gehalten. Oliver als Prinz, der in seinem Märchen zwar der Held ist und dort auch ein Happy End bekommt, aber in Wirklichkeit alles andere als glücklich ist und sich nach anderen Abläufen sehnt, als denen, den er jedes Mal aufs Neue folgen muss, wenn sich das Buch öffnet. Sein bester Freund, der ein Auge auf die Märchenschönheit geworfen hat, aber sein Leben lang im Körper eines Hundes gefangen ist. Das sind nur ein paar Beispiele der verqueren Verhältnisse in Jodi Picoults und Samantha van Leers Märchenwelt. Mir hat diese bunte Mischung wirklich gut gefallen, weil sie einerseits sehr fantasievoll ist, andererseits aber auch einige Elemente in Frage stellt. Auch das Lesen an sich ist hier ein Aspekt, der behandelt wird, und welchem Bücherwurm gefällt das nicht?!

Dass das Buch für eine Zielgruppe von jüngeren Lesern gedacht ist, fällt jedoch sehr oft auf. Ich kam mit der etwas vereinfachten Liebesgeschichte gut klar, denn viele andere Inhalte des Buchs sind komplexer gehalten. Was mich jedoch gestört hat, war die Inkonsequenz, die die Autorinnen bei Olivers Perspektive an den Tag legten. Da er aus einem Märchen stammt, in dem die Technik und Gesellschaft noch nicht so weit entwickelt sind, wie heutzutage, sind ihm viele Begriffe und Gegenstände nicht bekannt. Das führt manchmal zu sehr lustigen Dialogen oder Gedanken, allerdings macht es hin und wieder plötzlich den Anschein, als würde er andere Technologien kennen. Auch in der Märchenwelt tauchen Gegenstände auf, die zu dieser Zeit noch nicht existiert haben – dass deren Existenz einfach so hingenommen wird und andere Dinge gänzlich unbekannt sind, hat mich etwas gestört.

Auch Delilahs Begegnung mit der Autorin des Märchenbuchs ließ mich unzufrieden zurück. Märchenelemente, die man immer hingenommen hat, werden zwar von den Autorinnen hinterfragt, aber innerhalb des Buchs waren mir die Figuren insgesamt zu gutgläubig. Ich hätte sehr gerne noch viele weitere Hintergründe erfahren – zum Beispiel warum es in dem Märchen teilweise so moderne Gegenstände gibt – aber das ist leider nicht der Fall.

Trotz des guten Starts und der insgesamt schönen Lesestunden, die ich mit dem Buch verbrachte, ist „Between the Lines“ auf Grund einiger vereinfachter Elemente und unaufgeklärter Fragen schlussendlich doch eher ein schönes aber kurzweiliges Buch.





„Between the Lines“ verzaubert mit seiner Mischung aus Altem und Neuem. Vereinfachte Thematiken machen das Buch eher für jüngere Teenager attraktiv. Wenn man ein großer Fan von Märchen und Büchern rund ums Lesen ist, ist „Between the Lines“ sicherlich auch keine falsche Wahl. Es sollte einem aber durchaus bewusst sein, dass einige Aspekte flacher gehalten und kaum hinterfragt werden – so wie es in den meisten Märchen der Fall ist.

Kommentare:

  1. Da ich Märchen und Bücher rund um das Lesen liebe, war ich mir schon fast sicher, dass ich das Buch haben muss, als ich es bei dir auf Goodreads gesehen habe ... Deine positiven Eindrücke und die Rezension haben das dann noch verstärkt ;-)

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    1. Hihi, ja, das hatte ich ja mitbekommen :D Ich wünsche dir dann schon mal sehr viel Spaß bei der Lektüre dieses Buchs! Und bin natürlich sehr gespannt, was du davon halten wirst...

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  2. Dein Blog und deinen Rezensionen sind super :) Ich bin gleich Leserin geworden und hab dich in meinen Blog Roll aufgenommen :)

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    1. Aw, das freut mich riesig, vielen Dank! Schön, dass es dir hier gefällt :]

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  3. Das klingt ganz und gar nicht nach einem typischen Picoult-Buch, indem ja eigentlich die Themen immer komplex ausgestaltet sind. Ich bin ja mal sehr gespannt, wie ich diese Geschichte aufnehmen werde. Dass sie doch so starke Märchenelemente beinhaltet, war mir bisher gar nicht wirklich bewusst.

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    1. Ja... Also bis zu einem gewissen Grad ist es schon nicht oberflächlich, aber stellenweise hätte ich mir dann doch mehr Vielschichtigkeit gewünscht. Ich bin auch schon sehr gespannt, wie du dieses Buch wahrnehmen wirst... :]

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  4. Hui, das hört sich ganz nach einem schönen Buch-im-Buch für die Bücherdiebin an :-) Ich wusste gar nicht, dass Jodi Picoult auch für Jugendliche schreibt?! Unaufgeklärte Fragen am Ende sind natürlich immer ärgerlich, deine restlichen Kritikpunkte stören mich für ein Zwischendurch-Buch eher wenig... Ich werds mir mal merken! (und wahrscheinlich auf die Übersetzung warten, hehe)

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    1. Ein schönes Buch-im-Buch ist es sicherlich! Es ist, soweit ich weiß, auch ihr erstes Jugendbuch und sie hat es ja auch mit ihrer Tochter zusammen geschrieben. Ich fand die kleinen Kritikpunkte ja auch nicht soo schlimm, wollte sie aber nur mal ansprechen, weil sich manch einer daran ja doch stören konnte. Als Leseerlebnis fand ich das Buch schlussendlich ja doch ganz gut :D
      Übrigens - mein Buch befindet sich gerade auf Wanderung. Wenn du möchtest, kann ich dich auch auf die Liste setzen und dann wandert die englische Fassung auch bei dir vorbei.

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    2. Uiuiuiuiui... das hört sich nach einem verlockenden Angebot an... Danke! Allerdings habe ich mir ja auch meine persönliche SuB-Challenge auferlegt und es sind noch zwei Bücher unterwegs zu mir *grr* Ich überlegs mir mal, ob ich es doch auf Englisch lesen möchte. Einen deutschen Erscheinungstermin gibt es ja noch nicht, oder? *grübel*

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  5. Ich habe das Buch schon auf meiner Wunschliste und deine Rezension macht Lust auf mehr. Auch wenn es dir teilweise ein wenig zu oberflächlich war, hört es sich trotzdem nach einer schönen Geschichte an und manchmal mag ich Bücher, die nicht so tiefgründig sind. :)

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