[Rezension] Ben Aaronovitch - Schwarzer Mond über Soho

captain cow | Sonntag, 8. Juli 2012 | / |
A C H T U N G !
Zweiter Band einer Reihe - enhält Spoiler!


Titel: "Schwarzer Mond über Soho"
Autor: Ben Aaronovitch
Originaltitel: "Moon Over Soho"
Reihe: Peter Grant #2 (zu Teil 1)
Genre: Krimi, Urban Fantasy
Seitenzahl: 416
Erscheinungsdatum: Juli 2012
Verlag: dtv
Format: Taschenbuch
Preis: 9,95
ISBN: 978-3-423-21380-6
Wohltäter: dtv

Constable Peter Grant ist ein ganz normaler Londoner Bobby. Die Abteilung, in der er arbeitet, ist allerdings alles andere als normal: ihr Spezialgebiet ist - die Magie. Peters Vorgesetzter, Detective Inspector Thomas Nightingale, ist der letzte Magier Englands und Peter seit kurzem bei ihm in der Ausbildung.
Was im Moment vor allem das Auswendiglernen von Lateinvokabeln bedeutet, die uralten Zaubersprüche wollen schließlich korrekt aufgesagt werden. Doch als Peter eines Nachts zu der Leiche eines Jazzmusikers gerufen wird, verliert das Lateinstudium auf einmal seine Dringlichkeit. Peter findet heraus, dass in den Jazzclubs in Soho, im Herzen Londons, plötzlich verdächtig viele Musiker eines unerwarteten Todes sterben. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu ...

Quelle: Bild, Text





Es ist jedem bekannt, dass Jazz keine besonders fröhliche und unbeschwerte Musik ist. Vielmehr melancholisch und traurig ist dieser Musikstil und hat auch schon einige größere Könner in den Tod getrieben. Dennoch erscheint es in „Schwarzer Mond über Soho“ erst einmal sehr überraschend, als ein eher unbekannter Hobbymusiker in einer Jazzkneipe während seines Auftritts stirbt. Diagnose: Herzinfarkt. Eigentlich nichts, was auf einen Mord hindeuten würde – wäre da nicht dieses Musikstück, das auftaucht, sobald der Londoner Polizist Peter Grant in die Nähe der Leiche kommt. Vestigum wird das Ganze in der Welt der Magie, die er vor kurzem entdeckt hat, auch genannt und ist ein beinahe eindeutiger Hinweis dafür, dass irgendeine magische Kreatur ihre Finger im Spiel hat. Wenn das mal nicht ganz nach einem neuen Fall für Peter Grant und seinen Vorgesetzten Thomas Nightingale aussieht...

Schon in seinem Erstling, „Die Flüsse von London“, faszinierte mich der saloppe, stark ironische Stil, den Ben Aaronovitch an den Tag legt. Auch im zweiten Band war ich schon nach wenigen Zeilen voll und ganz eingenommen von der Geschichte, dank dieses Schreibstils, der es einem wirklich schwer macht, Peter Grant nicht zu mögen und das Buch zur Seite zu legen. Umgangssprache kommt darin kaum vor, dafür aber sehr unkonventionelle Beschreibungen und amüsante Bemerkungen, die einem trotz der erschütternden Ereignisse das eine oder andere Schmunzeln abverlangen.

Der Schreibstil gefiel mir so gut, dass er auch über Durststrecken hinweg tröstete. Handlungstechnisch geht „Schwarzer Mond über Soho“ nicht zu überstürzt los, doch anfangs bekommt man genau die richtige Menge an neuen Informationen geliefert und erlebt einige seltsame Ereignisse mit, auf deren Aufklärung man natürlich sehr neugierig wird. Immer mehr Handlungspunkte verursachen Fragezeichen über dem Kopf – es bleibt also eindeutig verwirrend und spannend. Nach dem ersten Drittel des Buchs muss man sich jedoch durch etwas zähere Abschnitte kämpfen. Für etwa 50 Seiten hatte ich das Gefühl, es würde kaum richtig voran gehen und Peter würde immer nur dieses und jenes in den Computer eingeben und sich mit bestimmten Figuren treffen. Diese Treffen führen aber zu nichts, sodass die anfängliche Spannung verloren geht.

Zur Mitte und vor allem zum Ende hin überrascht das Buch aber immer viel mehr und die verschiedenen Fäden kommen allmählich zusammen. An diesen Stellen war ich auch hin und wieder von Ben Aaronovitchs Einfallsreichtum beeindruckt und vor allem von der düsteren Atmosphäre, die er in dem Roman kreiert. Diese führte vor allem dazu, dass mir öfter ein Schauer über den Rücken lief.

Bis auf die Durststrecke gefiel mir die Handlung hier sogar besser als im ersten Teil. Im Gegensatz zum Vorgänger gibt es hier nämlich eindeutig ein paar Figuren, die verdächtig sind und denen man als Leser gerne mal die Schuld in die Schuhe schiebt, nur um dieses Urteil dann wieder zu revidieren.

Viele der Figuren sind bereits im ersten Teil aufgetaucht, jedoch erhält man als Leser über sie mehr Informationen. Auch die Entwicklung bestimmter Figuren wie zum Beispiel Lesley oder Peters Vater hat mir gut gefallen. Der Roman ist nicht figurenorientiert und die Entwicklung wird daher weniger berücksichtigt, dennoch ist das Ensemble, das Ben Aaronovitch auftreten lässt, alles andere als langweilig oder unglaubwürdig. Viele der Figuren sind auf ihre Art und Weise einzigartig, wenn nicht sogar etwas verrückt. Das mag vielleicht auch an Peters Aufmerksamkeitsgrad liegen, denn mit seinen scharfen Beobachtungen informiert er den Leser auch über die kleinsten Ticks und Eigenheiten. Mir gefiel das sehr gut, gerade weil die meisten Beschreibungen so in den Text eingebaut sind, dass man sich die Figuren vor dem inneren Auge eher unbemerkt zusammenbastelt – und sich der detailgetreuen Informationen erst bewusst wird, wenn man mit dieser Konstruktion fertig ist.





„Schwarzer Mond über Soho“ ist ein würdiger zweiter Teil in der Reihe um Peter Grant. Bis auf eine kleine Durststrecke ist die Handlung sehr spannend gehalten und, wie man es aus dem Vorgänger schon gewohnt hat, überrascht mit der einen oder anderen Skurrilität. Die Figuren sind dabei für den eher handlungsorientierten Roman erstaunlich authentisch und gut ausgearbeitet. Mit einem lockeren Schreibstil, der wirklich gut zur Hauptfigur passt, wird das ganze ergänzt. Für Fans des ersten Teils gibt es von mir eindeutig eine Leseempfehlung. Wer aber im ersten Band schon mit längeren Exkursen des Autors und der Kombination aus Fantasy und Krimi nicht klargekommen ist, dem wird auch der zweite Teil kaum Freude bereiten.


Kommentare:

  1. Eine schöne Rezension. Ich habe letztens den ersten Teil rezensiert und fand ihn auch echt toll, ich werde in diesem Monat auf jeden Fall noch Teil 2 lesen.
    Grüße, KQ

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    1. Danke :) Oh ja, wenn dir Band 1 gefallen hat, dann nur zu mit diesem Buch! Schon mal viel Spaß wünsche ich dir! :D

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  2. tolle rezension, dich mich jetzt echt infiziert hat - band. 2. haben. muss! :D ich mochte den humor bei band 1 auch soooooooo gerne!

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    1. Haha, dann wird dir Band 2 bestimmt auch gefallen xDD Da geht es auch echt wieder heiß her.

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