[Rezension] Susan Ee - Angelfall

grass-harp | Samstag, 23. Juni 2012 | / |

Titel: "Angelfall"
Autorin: Susan Ee
Deutscher Titel: -
Reihe: Penryn & The End Of Days #1
Genre: Young Adult, Post-Apokalypse, Paranormal, Urban Fantasy
Seitenzahl: 254
Erscheinungsdatum: Mai 2011
Verlag: Feral Dream
Format: Taschenbuch
Preis: ca. 9,90 € €
ISBN: 9780983597018
Wohltäter: Der Kapitän

It’s been six weeks since angels of the apocalypse descended to demolish the modern world. Street gangs rule the day while fear and superstition rule the night. When warrior angels fly away with a helpless little girl, her seventeen-year-old sister Penryn will do anything to get her back.
Anything, including making a deal with an enemy angel.
Raffe is a warrior who lies broken and wingless on the street. After eons of fighting his own battles, he finds himself being rescued from a desperate situation by a half-starved teenage girl.
Traveling through a dark and twisted Northern California, they have only each other to rely on for survival. Together, they journey toward the angels’ stronghold in San Francisco where she’ll risk everything to rescue her sister and he’ll put himself at the mercy of his greatest enemies for the chance to be made whole again.

Quelle: Bild, Text





„Angelfall“ machte vor einiger Zeit noch als Geheimtipp auf den Blogs seine Runden. Mittlerweile verliert es diesen Status langsam, was auch daran liegen mag, dass es im August endlich von einem Verlag gedruckt wird. Nach den gefühlt unendlich vielen positiven Rezensionen entschied ich mich dann auch, das Buch zu lesen – und kann nicht anders, als etwas enttäuscht auf die Lesestunden zurückzublicken. Wie bei Büchern wie „Ashes“, „Daughter of Smoke and Bone“ und „Dustlands“ kann ich verstehen, wo hier die Magie für viele Leser liegt. Gefühlt habe ich diese aber leider nicht. Für mich war „Angelfall“ mehr ein gewöhnliches Buch, das beim Lesen Spaß gemacht hat – und danach sehr bald wieder aus dem Kopf verschwindet.

Zuerst war ich von dem Setting noch sehr begeistert. Eine post-apokalyptische Welt mit bösartigen Engeln? Ungewöhnlich und definitiv interessant. Auch der Einstieg in das Buch fiel nicht schwer, denn mit Penryn wird man sofort in eine heikle Situation geworfen, sodass man gleich auf den ersten Seiten mitgerissen wird. Die Atmosphäre ist düster und brutal, was nicht jedermanns Sache sein mag, hier aber sehr schlüssig umgesetzt wird. In einer Situation wie diesen – mit wenig Wasser und Lebensmitteln und sonstigen wichtigen Ressourcen – ist es zwar schrecklich mitanzusehen, wie die Menschen sich verändern, doch es ist durchaus logisch und ich finde es gut, dass die Autorin hier nicht vor der grausamen potentiellen Wahrheit zurückschreckt.

Durch Susan Ees Stil wird man noch weiter in diese düstere Zukunftsvorstellung einer Welt hineingezogen. Sie vermischt atmosphärische Beschreibungen mit Penryns Gedankengängen sowie natürlich wirkenden Dialogen. In Actionreichenszenen nimmt das Tempo dann aber auch gerne zu, wobei selbst dann Penryns Überlegungen nicht zu kurz kommen. Hin und wieder erfährt man ihre Gedanken zu bestimmten Kampfmanövern oder Plänen, die es mir ermöglichten, ihr Handeln besser nachvollziehen, und ihren Charakter auch glaubhafter machten.

Die Spannung wird konstant aufrechterhalten – ein klarer roter Faden zieht sich durch das Buch. Demnach klebt man tatsächlich an den Seiten und will das Buch selten weglegen. Darüber hinaus wird die Geschichte nicht ständig von Liebesgeständnissen durchbrochen, die einfach nicht zum Rest passen würden. Stattdessen gibt es amüsante Dialoge zwischen den Figuren, bei denen man sich das Lächeln nicht verkneifen kann.

All das sind Dinge, die einem nicht in jedem x-beliebigen Roman begegnen und die den Roman durchaus auszeichnen. Doch es gibt ebenso viele Dinge, die bei mir keinen so positiven Eindruck hinterlassen konnten. So ist Penryns Charakter beispielsweise der typische Kick-Ass-Typ, der einem in vielen anderen Büchern ebenfalls begegnet. Ihr starkes Wesen ist durch ihre Vergangenheit begründet (welche hingegen wieder ein überraschenderer und ungewöhnlicher Punkt ist), dennoch erschien sie mir wenig natürlich.

“I never thought about it before, but I'm proud to be human. We're ever so flawed. We're frail, confused, violent, and we struggle with so many issues. But all in all, I'm proud to be a Daughter of Man.” heißt es an einer Stelle in dem Roman. Gewalttätig? Ja. Wirr? Ja. Aber fehlerhaft? Irgendwie habe ich davon nichts bemerkt.

Das ist nicht nur bei Penryn der Fall, sondern auch bei Raffe. Zwar ist er strenggenommen kein Mensch, trotzdem wirkte er auf mich wie einer dieser typischen übernatürlichen Bad-Boy-Helden. Ich muss zugeben, dass mich sein trockener Humor oft zum Lachen gebracht hat. Er ist mir auch nicht auf die Nerven gegangen. Aber Individualität? Kaum vorhanden. Einige Nebencharaktere waren erfrischend neuartig und gefielen mir dadurch sehr, doch mit den Hauptfiguren konnte ich kaum mitfiebern. Ihre Entwicklung ist minimal, ansonsten wirken sie eher, als würden sie einem streng vorgeschriebenen Schema folgen und nicht wirklich menschlich sein.

Schemahaft ist auch die Handlung. Das Setting und einige kleine Überraschungen polieren die Fassade des Plots auf, aber der Ablauf ist nichtsdestotrotz altbekannt. Bestimmte Komponenten machen das Buch zum Pageturner, doch man weiß trotzdem fast die ganze Zeit über, was als nächstes passieren wird. Bei einem Roman, der eigentlich mit Spannung, Twists und Turns glänzen soll, war mir persönlich davon viel zu wenig vorhanden.

Zwischenzeitlich gab es auch immer mal wieder Punkte, die ich einfach lächerlich oder seltsam fand. Das Schlammcatchen zwischendurch, um die Geschichte aufzulockern und die Veränderung der Gesellschaft zu zeigen, ist zu verschmerzen. Aber das Aerie fand ich persönlich nur enttäuschend. Ob ich den zweiten Teil lesen möchte, ist mir deshalb noch unklar. Neugierde auf einen Fortsetzung bin ich bisher nicht, aber vielleicht ändert sich das ja noch. Schließlich gibt es noch viele Fragen, die beantwortet werden müssen.



„Angelfall“ ist ein kurzweiliger Roman voller Action, Witz und auch einigen traurigen Momenten. Bei mir konnte der Funken aber nicht überspringen, denn auf den zweiten Blick entpuppte sich die Geschichte als altbekannt mit einigen aufhübschenden Elementen.

Fans von postapokalyptischen Romanen wie „Ashes“ und „Dustlands“ werden mit diesem Buch nichts falsch machen. Auch wenn man Lust auf Action, Abenteuer und Unterhaltung hat, ist „Angelfall“ gerade richtig. Wer aber viel Wert auf Charakterzeichnung und –entwicklung legt, sollte sich den Kauf noch mal genauer überlegen. Denn Unterhaltung bietet der Roman allemal, viel Tiefgang aber leider nicht.


Kommentare:

  1. Hört sich trotz deiner Kritik nach einem Buch für mich an ;) Mal schauen ob ich es irgendwann lese :D :/

    LG Plumblossoms <3

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    1. Ende August erscheint das Buch in einer anderen Taschenbuchversion und kostet dann nur knapp 5 € - also empfehle ich dir, bis dahin zu warten und dich dann mal an das Buch zu wagen :)

      LG

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  2. Tolle Rezension :)
    Mich haben genau dieselben Punkte gestört... vor allem Penryn & Raffe. Ich mochte zwar ihre lustigen kleinen Wortgefechte, aber letztendlich sind die zwei dennoch recht flach geraten...
    Und hinsichtlich der Liebesgeschichte wurde am Ende meiner Meinung auch etwas zu dick aufgetragen.

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    1. Jaaa, irgendwie war das am Ende schon fast von 0 auf 180. Ich erwarte ja auch keine ganz extrem ausgearbeiteten Charaktere in so einer Geschichte wie in einem wirklich charakterbezogenen Roman. Aber wenn mir die Figuren zu unwirklich vorkommen, um mich für sie zu interessieren, dann fehlt mir doch etwas :/
      Aber gut, dass wir da einer Meinung sind ^^

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  3. Mir persönlich hat die geringe Charakterentwicklung nichts ausgemacht, bzw. erwarte ich es in postapokalyptischen Szenarien auch nicht in dem Maße. Man ist in dem Buch ja schon froh, wenn Penryn überhaupt überlebt.

    Der Plot war tatsächlich nicht überaus raffiniert, denn dieses "Ich muss XY suchen und retten", habe ich zumindest schon häufiger gelesen, aber die Spannung und die Ideen haben es für mich wieder wettgemacht.

    Sehr gute Rezension. Gefällt mir.

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    1. Joa, dem einen machen solche Figuren mehr andere weniger aus. Ich erwarte bei einem Roman wie "Angelfall" auch keine extrem ausgearbeiteten Figuren (zumindest nicht so wie in einem klar charakterbezogenen Roman), aber wenn mir die Figuren schon fast egal sind und ich nicht mit ihnen fühlen/leiden kann, weil sie mir zu flach sind, dann ist das irgendwie doch ärgerlich :S
      Aber gut, dass dir der Roman trotz des Plots besser gefallen hat als mir :D

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  4. Ich muss gestehen, ich hatte von diesem Buch noch nie etwas gehört, bis es dann, wie du sagtest, als Geheimtipp auf einigen Blogs empfohlen wurde. Ich finde es sehr interessant, zum ersten Mal auch einie eher negative Rezension dazu zu lesen! :-)

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    1. Ja, so fand ich auch meinen Weg zu diesem Buch :D
      Wie ist es denn, interessiert dich das Buch denn? Ich bin mir momentan nämlich nicht gaanz sicher, ob es etwas für dich wäre :S

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  5. liegt bei mir auf dem sub, aber sonderbarerweise habe ich es nicht mehr so eilig wie am anfang es zu lesen :/ ich hab inzwischen auch viele "solcher" rezensionen wie deine gelesen und das ernüchtert irgendwie ;)

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    1. Stimmt, du hattest auch die Paperbackversion gekauft.
      Ich kann verstehen, dass das ernüchternd ist. Hoffentlich hast du doch bald noch Lust auf das Buch und hoffentlich gefällt es dir dann auch besser als mir :) Ich bin auf jeden Fall gespannt auf deine Meinung!

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