[Rezension] Sarah Dessen - Stop saying Goodbye

grass-harp | Montag, 11. Juni 2012 | / |


Titel: "Stop saying Goodbye"
Autorin: Sarah Dessen
Originaltitel: "What Happened To Goodbye"
Reihe: -
Genre: Young Adult, Contemporary
Seitenzahl: 512
Erscheinungsdatum: Juni 2012
Verlag: Deutscher Taschenbuchverlag
Format: Taschenbuch
Preis: 8,95 €
ISBN: 978-3-423-78261-6
Wohltäter: dtv

Seit der erbitterten Scheidung ihrer Eltern lebt Mclean mit ihrem Vater ein Nomadenleben, immer auf der Flucht vor der unschönen Vergangenheit - und auf der Flucht vor sich selbst. Denn mit den vielen Umzügen hat sie sich ein Repertoire an Rollen zugelegt, die sie wechselt wie ihre Unterwäsche: hier zickige Prinzessin, woanders Everybody's Darling. Denn wer nichts von sich preisgibt, kann nicht verletzt werden, so ihre Devise. Doch dann landet sie mit ihrem Vater in Lakeview und findet dort Freunde, fühlt sich wohl. Und es gibt dort auch noch Dave... Zum ersten Mal kann Mclean sich vorstellen, Wurzeln zu schlagen.

Quelle: Bild, Text





Wer die Bücher von Sarah Dessen kennt, wird mir zustimmen können, dass all ihren Romanen ein sehr ähnliches Konzept zugrunde liegt. Meistens jedoch unterscheiden sich die Geschichten dann darin, was für Probleme die Hauptfiguren haben und auch charaktertechnisch gibt es einige Unterschiede. Zudem schafft es die Autorin fast immer, ihre Bücher so zu schreiben, dass sie einem ein ganz besonderes Gefühl geben. Es sind luftig leichte Sommerbücher, die gerade genug Ernsthaftigkeit besitzen, aber auch nicht zu viel davon. Es sind Bücher, in denen man versinkt, mit der Heldin mitfiebert, sich mit ihr vielleicht auch ein klitzekleines Bisschen in den männlichen Protagonisten verliebt.

Dem Erfolg von „Stop saying Goodbye“ stand also nichts im Weg. Sarah Dessens Mischung könnte ich noch weitere hundert Male mitmachen – dachte ich. Denn dieser Roman bleibt leider weit hinter meinen Favoriten der Autorin zurück.

Das Grundrezept ist wieder sehr ähnlich, doch das hat mich überhaupt nicht gestört. Mclean ist Expertin in Sachen Umziehen, da sie seit der Scheidung ihrer Eltern mit ihrem Vater durch Amerika zieht. Die häufigen Ortswechsel nimmt sie als Anlass, ihre Identität zu wechseln – so ist sie an einem Ort die perfekte Cheerleaderin, woanders die eifrige Schülerin und wiederum woanders gehört sie zu den Künstlern. Ihre neueste Station ist Lakeview, wo seltsamerweise alles anders kommt. Denn diesmal sucht sie sich nicht selbst einen neuen Namen aus. Und auch ihre Freunde kann sie sich nicht aussuchen – es passiert andersherum.

Mit Rückblicken und Zusammenfassungen der letzten Jahre in Mcleans Nomadenleben beginnt der Roman. Einerseits weiß man dadurch natürlich sofort, woran man mit „Stop saying Goodbye“ ist und wird nicht lange hingehalten. Auch wenn einige Ereignisse in der Vergangenheit dem Leser noch verborgen bleiben, wird hier, meiner Meinung nach, dem Roman schon etwas die Spannung genommen. Man hat Mclean als handelnde Figur noch gar nicht richtig erlebt, da erfährt man schon dieses und jenes.

Zum Glück wird es danach etwas besser, denn es wird sich tatsächlich mehr auf die Handlung konzentriert. Doch wer denkt, dass die Geschichte jetzt richtig losgeht, hat falsch gedacht – nach 250 Seiten hatte ich nämlich noch immer nicht das Gefühl, Mclean würde sich an einem anderen Punkt befinden als am Anfang. Mir ist klar, dass solche Geschichten selten mit Action glänzen können, doch das habe ich auch gar nicht erwartet. Eine klare Entwicklung, Verständnis für die Hauptfigur und interessante Nebenfiguren sind bei Sarah Dessens Büchern meist jedoch die Grundlage für das Lesevergnügen – und die sind hier weitestgehend nicht vorhanden. Deb, eine graue Maus mit versteckten Talenten, war so ziemlich die einzige Figur, bei der ich das Gefühl hatte, sie sei nicht so austauschbar wie alle anderen.

Mclean ist nicht unbedingt die klassische Hauptfigur, denn sie hat eindeutig ihre Schwächen und Fehler, doch die Handlung schreitet so unglaublich l-a-n-g-s-a-m voran und wiederholt sich sehr häufig– was teils auch an Mclean liegt –, dass ich kaum den Drang hatte, weiterzulesen.

Erst auf den letzten hundert Seiten wurde das Buch für mich dann wieder unterhaltsamer und gewann etwas mehr von diesem typischen Sarah-Dessen-Charakter, der viele ihrer anderen Bücher für mich zu Pageturnern gemacht hat. Ihr Schreibstil ist natürlich altbekannt – sehr jugendlich, mir manchmal schon fast zu umgangssprachlich, andererseits auch mit schönen Konstruktionen und Gedanken. Allerdings hat mich hier die Übersetzung auch manchmal gestört. Warum man „girl“ nicht einfach mit „Mädchen“ übersetzen kann, ist mir schleierhaft – aber gut, wahrscheinlich sollte diese Eigenheit dem Stil einen noch jugendlicheren Charakter geben.

Fairerweise muss ich aber sagen, dass auch auf der Durststrecke in der Mitte des Buchs nicht alles schlecht war. Dass die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund steht, sondern es vielmehr um das Verkraften einer Scheidung und um Identitätsfindung geht, hat mir sehr gut gefallen. Meiner Meinung nach waren diese Aspekte auch glaubwürdig dargestellt – nur hätte man die Ereignisse vielleicht etwas kürzen und dem Buch somit etwas mehr Spannung verleihen können.



„Stop saying Goodbye“ bleibt für mich leider weit hinter anderen Büchern der Autorin zurück. Das Konzept ist interessant, aber zieht sich viel zu sehr in die Länge. Viele Wiederholungen und größtenteils austauschbare Figuren verhinderten, dass ich in dem Roman wirklich versinken konnte. Einige Handlungspunkte gefielen mir dann aber doch ganz gut und insgesamt blieb der Lesespaß nicht vollkommen auf der Strecke, sodass der Roman auch nicht ultimativ schlecht ist.

Empfehlen kann ich das Buch eigentlich nur Fans der Autorin. Meinen Geschmack hat es einfach nicht getroffen, aber wer weiß, vielleicht ist das bei anderen Lesern ja anders. Wer noch nie ein Buch von Sarah Dessen gelesen hat, sollte seinen ersten Versuch aber lieber mit einem anderen Roman der Autorin, wie „Zwischen jetzt und immer“ oder „Zu cool für dich“ wagen.

Kommentare:

  1. ich habe bisher 2 dessen romane gelesen und mir haben sie auch sehr gut gefallen ^^ ich kann genau verstehen, was du mit "selbes konzept, aber doch anders" meinst...das es hier so schief gelaufen ist, ist nicht gerade toll :/ ich denke, wenn ich nochmal ein buch lese, dann lieber einen anderen roman von ihr, gibt schließlich noch genug auswahl (: kennst du denn "along the ride" und würdest es empfehlen? das interessiert mich am meisten ^^

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    1. Welche beiden hast du denn bisher schon gelesen?
      "Along for the ride" habe ich leider noch nicht gelesen. Hab aber schon mehrmals gehört, dass der Roman ziemlich gut sein soll :] Mich interessiert das Buch von ihr momentan auch am meisten... ist aber bisher, glaube ich, auch das einzige von ihr, das ich noch nicht gelesen habe x)

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  2. Hallo ich bin auch mal wieder eine laute Leserin. Auch wenn ich nicht alle posts kommentiere lese ich sie doch alle. Danke für diese rezi. Ich war bisher immer etwas unentschlossen doch jetzt weiß ich das es noch etwas warten muss ;)
    LG und bis bald mal wieder
    jessi

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    1. Hey Jessi (:
      Aw, schön, dass du vorbeischaust, bzw. dich meldest. Gegen leise Leserinnen habe ich aber auch nichts :D
      Ja, warte mit diesem Buch lieber. Es gibt auf jeden Fall bessere Bücher von Sarah Dessen!

      LG

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  3. Oh, das ist aber schade. Habe das Buch ja auch schon im Regal stehen und bin super gespannt drauf, aber das dämpft meine Freude gerade etwas :D Na ja, super Rezi auf jeden Fall!

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    1. Danke (:
      Ich hoffe, dass dir das Buch besser gefallen wird. Bin gespannt auf deine Meinung dazu - viel Spaß beim Lesen (:

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  4. Schöne Rezension. :) "Stop saying goodbye" stand bisher ganz oben auf meiner Wunschliste, weil mir irgendwie sofort die Kurzbeschreibung ins Auge gefallen ist und ich mir auch gleich sicher war, dass ich dieses Buch lesen werden müsste. Schade allerdings, dass es dir nicht besonders gefallen hat. :/ Ich denke, ich werde es mir trotzdem irgendwann kaufen, allerdings blicke ich nun mit einem skeptischeren Blick darauf und werde wahrscheinlich noch weitere Rezis abwarten. :)

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    1. Danke (:
      So ging es mir auch, also dass der Inhalt auf Anhieb ansprechend war. Aber irgendwie war mir die Umsetzung einfach zu lang und ohne wirkliche Veränderungen.
      Wenn du das Buch noch lesen solltest, wünsche ich schon mal viel Spaß - und hoffe, dass es dir besser gefallen wird als mir.

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  5. Oh ja ... leider, leider. "Stop Saying Goodbye" war mein erste Dessen Buch. Ich fand es jetzt gar nicht mal schlecht, aber richtig glücklich war ich auch nicht. Das mit dem l-a-n-g-s-a-m kann ich nur unterschreiben und der Mutter-Tochter-Konflikt war für mich persönlich eine manchmal nervige Achterbahn der Gefühle. Am liebsten mochte ich ja das Miniatur-Projekt. Da gab es schon ganz witzige Momente. Ansonsten wird dies trotzdem nicht mein letztes Dessen Buch gewesen sein. Dreie stehen noch ungelesen in meinem Regal, u. a. "Zu cool für dich". :)

    LG, Reni

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    1. Vielleicht fand ich es auch nur so besonders enttäuschend weil ich von der Autorin viel Besseres gewohnt bin. Bei dem Projekt gab es wirklich ganz süße Szenen und auch die Erinnerungen von Mclean an ihre Zeit früher mit der Mutter (da draußen am Strand) fand ich wirklich schön. Aber dieses typische Dessen-Gefühl blieb leider komplett aus.
      "Zu cool für dich" fand ich richtig toll. Bis auf "Along for the Ride"/"Because of you" habe ich ja alle ihre Bücher gelesen und "Zu cool für dich" und (ganz besonders) "Zwischen jetzt und immer" sind meine Lieblinge von ihr. Viel Spaß beim Dessen-entdecken!

      LG

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  6. Super Rezension! Jabe gerade auf meinem Blog über This Lullaby geschrieben und hab mehr Rezensionen gesucht, weil ich davon schlichtweg begeistert war! Schade dass es dich nicht so überzeugen konnte - ich seh mir mal noch ein paar andere bücher an und entscheide dann ;) Generell finde ich die Autorin super :-)
    Liebe Grüße, Marie - writecreatetell.wordpress.com

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