[Rezension] Alexandra Monir - Timeless

captain cow | Dienstag, 19. Juni 2012 | / |

Titel: "Timeless"
Autorin: Alexandra Monir
Originaltitel: "Timeless"
Reihe: Timeless #1
Genre: Young Adult, Liebe, Urban Fantasy
Seitenzahl: 352
Erscheinungsdatum: 18. Juni 2012
Verlag: Heyne fliegt
Format: Hardcover
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-26758-9
Wohltäter: Heyne Verlag
Leseprobe

Nacht für Nacht hat die 17-jährige Michele denselben Traum: In einem Spiegelsaal steht sie einem jungen Mann mit saphirblauen Augen, rabenschwarzen Haaren und einem geheimnisvollen Lächeln gegenüber. Kurz bevor sie erwacht, sagt der Fremde stets: »Ich warte auf dich.« Aber als ein furchtbares Unglück Micheles Leben für immer verändert, begegnet sie dem Mann ihrer Träume plötzlich in der Wirklichkeit ...

Quelle: Bild, Text





Michele Windsor führt ein glückliches Leben in Californien. Gemeinsam mit ihrer Mutter lebt sie dort, geht wie jede andere Jugendliche in ihrem Alter zur Schule und hat zwei beste Freundinnen. Ihren Vater kennt sie nicht, doch da die Beziehung zu ihrer Mutter so gut ist, macht ihr das auch nicht viel aus. Einzig seltsam in ihrem Leben ist der stets wiederkehrende Traum, den sie bereits seit Jahren träumt. Doch als ihre Mutter stirbt und Michele nach New York zu ihren Großeltern ziehen muss, die sie kaum kennt, verändert sich vieles. Ihre reichen Großeltern sind ständig unterwegs, sodass Michele Erkundungstouren durch die riesige Villa macht. Dabei stößt sie auf einen äußerst absonderlichen Gegenstand: Ein Schlüssel, der lebendig zu sein scheint, und der ihr ein Tor ins New York der Jahrhundertwende öffnet.

Gut fand ich an dem Buch, dass man die letzte Zeit von Michele und ihrer Mutter miterlebt. Oftmals setzen Bücher ja erst später ein, aber hier erhascht man noch einen Blick auf die Mutter als lebende Person und so ist der Unfall, bei dem sie zu Tode kommt, noch schmerzlicher. Andererseits hält sich Alexandra Monir mit diesem Teil der Geschichte auch nicht allzu lange auf – kurz gesagt: Eine wirklich gute Einführung, bei der man Michele, die Beziehung zu ihrer Mutter und ihr Leben vor dem Unfall sehr gut kennen lernt, ohne sich zu langweilen.

Nach dem Unfall geht es aber leider nicht so gut weiter. Zum einen ist da der Umstand, dass ich mit Michele kaum mitfühlen konnte. Die Geschichte ist aus der Perspektive des personalen Erzählers geschrieben, was nicht unbedingt ein Hindernis sein muss. Doch ich hatte immer das Gefühl, zwischen Michele und dem Leser würde sich eine Fensterscheibe befinden, sodass man ihr viel mehr zusieht, als dass man die Dinge mit ihr erlebt. Da Emotionen in „Timeless“ eine große Rolle spielen, wäre es sicherlich sinnvoller gewesen, wenn man hier eine andere Erzählperspektive gewählt hätte, zumal Michele die einzige Figur bleibt, aus deren Sicht man liest.

Dass ich kaum mit ihr fühlen konnte, mag allerdings auch daran liegen, dass Alexandra Monir viele Beschreibungen einbaut. Vor allem als Michele zum ersten Mal in das Haus ihrer Großeltern kommt, folgen seitenlange Beschreibungen der einzelnen Räume. Mitgenommen habe ich daraus leider nicht viel – denn die Beschreibungen sind alles andere als lebendig und irgendwann hatte ich das Gefühl, die Formulierungen würden sich wiederholen. Auch bei Beschreibungen von Äußerlichkeiten der Figuren nimmt sich die Autorin viel Zeit. Für die erste Begegnung und besondere Ereignisse ist das schön und gut, aber irgendwann will man einfach nicht mehr wissen, wie dieses und jenes aussieht – man möchte Handlungen. Die Geschichte kommt dann zwar auch ins Rollen, aber die Beschreibungen werden nicht viel weniger.

Während Micheles erster Tage in New York erinnerte mich die Geschichte zunehmend an eine etwas magischere und weniger dramatische Version von „Gossip Girl“. Die Kombination empfand ich als sehr unterhaltsam und neuartig, doch leider hält sich auch das nicht über lange Strecken. Denn spätestens auf der Hälfte des Buchs wird klar, dass man hier nicht mit Biestern – ganz gleich, ob sie aus der New Yorker Oberschicht kommen oder nicht – in Kontakt treten wird. Es gibt die eine oder andere weniger freundliche Figur, ansonsten begegnet man aber weitestgehend netten Figuren. Nett – und blass. Alexandra Monir hätte sich ruhig noch etwas konzentrierter mit der Charakterzeichnung aufhalten können, um ihren Figur etwas mehr Eigenheiten, Authenzitität und Lebendigkeit zu geben.

Und auch die Handlung hätte gewiss mehr davon gebrauchen können. So gibt es bis auf ein paar kleine Ausnahmen, wie zum Beispiel der von den Großeltern angedrohte Hausarrest, kaum Schwierigkeiten, die zu bewältigen sind. Es gibt keinen richtigen Spannungsbogen, der dann auf den letzten Seiten zum Finale kommt – eher ausnahmsweise mal ein bisschen mehr Dramatik und ein Cliffhanger. Figuren, denen Michele in der Vergangenheit begegnet, stutzen über ihr seltsames Dasein nur kurz und akzeptieren sie sofort. Kaum etwas wird hinterfragt und fast alle sind gutmütig und im Geiste ihrer Zeit voraus. Man könnte das mit dem Umstand entschuldigen, dass es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt, allerdings gibt es genügend Bücher in dieser Sparte, die komplexer und trotzdem altersgemäß sind.

Darüber helfen auch die in meinen Augen sehr gut gelungene Übersetzung und die Tatsache, dass die Reisen in die Vergangenheit ganz interessant beschrieben sind, nicht hinweg.



Ich erhoffte mir bei „Timeless“ einen unterhaltsamen Jugendroman, wurde aber leider enttäuscht. Die Figuren blieben mir durchweg zu flach und auch die Geschichte kann kaum überraschende Wendungen bieten. Vor allem die minutiösen Beschreibungen der Autoren haben mich nach einer Weile nur noch genervt und trugen nicht mehr dazu bei, dass ich mir die Kulisse besser vorstellen konnte.

Für Fans von paranormalen Liebesgeschichten, die auf komplexe Figuren verzichten können, sowie für junge Leser ist „Timeless“ vielleicht eine gute Wahl. Mich konnte das Buch aber leider nicht begeistern, sodass ich trotz des Cliffhangers am Ende bezweifle, dass ich den zweiten Teil dieser Reihe lesen werde.

Kommentare:

  1. ich war schon sehr neugierig auf timeless und fand die beschreibung zum buch sehr interessant.
    das jetzt so eine rezension kommt, hätte ich nicht gedacht. ich hatte hohe erwartungen an das buch...
    mhh nun werde ich mir doch nochmal überlegen, ob ich es mir kaufe oder nicht.

    lg summer

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    1. So ging es mir auch - und ich war ebenfalls überrascht, wie wenig mich das Buch begeistern konnte. Sehr schade. Aber vielleicht gefällt es dir ja doch besser als mir (:

      LG

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  2. Kllingt nicht nach einem Buch, das mir gefallen könnte. Schon der Klapptext klingt irgendwie abschreckend...
    Aber wieder einmal eine sehr schöne Rezension! :)

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    1. Ich war wegen des Zeitreisenaspekts soo neugierig, aber irgendwie war das Buch trotzdem nichts für mich. Ich weiß nicht so recht, aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass es dir nicht so sehr zusagen würde :)
      Danke! :)

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  3. Das klingt ja nicht ganz so positiv, wie ich mir das erhofft hatte. Seeeehr schade, denn ich hatte mir wirklich viel von diesem ansprechenden Cover und Klappentext versprochen. (Wo sind denn bitte nun die guten Zeitreiseromane? Bisher ist mir noch kaum einer in die Hände gefallen)

    Seitenlange Beschreibungen von Räumlichkeiten ect. lassen mich auch stutzen. Soetwas kann ich in der Regal überhaupt nicht leiden (da ich ja ohnehin sehr schnell die Geduld/das Interesse verliere. :D) Ebenso flache, nicht sehr detailgetreu ausgearbeitete Charaktere. Es ist daher wohl ratsam, tatsächlich von diesem Buch die Finger zu lassen. :/ Danke für die aufschlussreiche Besprechung! :)

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    1. Jaa, soo so schade. Ich hatte mir davon auch echt viel versprochen, vor allem von dem Zeitreisenaspekt, aber irgendwie war das echt nichts für mich. Mir geht's mit den Zeitreiseromanen aber auch so - und das ist verdammt schade, weil ich die Thematik eigentlich total genial finde :S

      Ich finde seitenlange Beschreibungen gar nicht soo schlecht, wenn sie irgendwie die Geschichte voranbringen, atmosphärisch und lebendig sind. Aber leider war das hier nicht der Fall und ich hatte das Gefühl, die Autorin würde stets die gleichen Formulierungen und Wörter benutzen.
      Wirklich schade :/ Meinungen unterscheiden sich zwar immer wieder, aber vor allem wegen der Figuren kann ich mir nur schwer vorstellen, dass dieses Buch dir wirklich gut gefallen würde.

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  4. Das klingt ja nicht so super.. Hab das Buch auf dem SuB

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    1. Vielleicht gefällt es dir ja viel besser als mir (:

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  5. Echt schade, dass das Buch nicht für dich halten konnte, was sein schönes Cover verspricht! :-( Ich war auch neugierig darauf, habe jetzt aber nach einigen negativen Rezensionen und der Leseprobe, bei der mir der Stil nicht so recht zusagte, Abstand von einem Kauf genommen.
    Ich habe es leider noch nicht selbst gelesen, aber vielleicht wäre "Everlasting" ja ein Zeitreiseroman für dich? Ich finde die Grundidee sehr interessant und die Kritiken waren bisher größtenteils sehr gut :-)

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    1. Da du ja auch sehr viel Wert auf komplexe Figuren und einen angenehmen Stil legst, kann ich mir kaum vorstellen, dass "Timeless" dir gefallen würde.
      Über "Everlasting" habe ich auch schon viel Gutes gehört und bisher auch noch nichts Schlechtes gelesen. Vielleicht probiere ich es ja damit mal aus :] Danke für den Tipp!

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  6. Meine Rezi ist zwar ein wenig besser ausgefallen, da es mich schon noch unterhalten hat, aber ich kann deine Kritik bseonders wegen den langen Beschreibungen voll und ganz verstehen^^ :)
    Verschenktes Potenzial -.-'

    LG PLumblossoms <3

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    1. Ja, das ist wirklich schade, dass hier so viel Potenzial verschenkt wurde, weil die Grundidee wirklich toll ist :/

      Liebe Grüße!

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