[Rezension] Margherita Oggero - Der Duft von Erde und Zitronen

grass-harp | Donnerstag, 10. Mai 2012 | / |







Hardcover | 320 Seiten
Erschienen im Mai 2012
bei der Deutschen Verlagsanstalt
Preis: 19,99 € | Leseprobe
ISBN: 978-3-421-04553-9








Wie eine Gefangene lebt Imma in der Wohnung einer Tante hoch im Norden Italiens, weit weg von ihrem Heimatdorf bei Neapel. Die Dreizehnjährige ist in großer Gefahr, denn als der Sohn des Clanchefs sie zu vergewaltigen versuchte, schlug sie mit einem Stein zu. Jetzt soll sie dafür bezahlen. In der Einsamkeit der endlos scheinenden Tage wird Immas Wunsch nach Freiheit immer größer, bis sie sich schließlich stundenweise hinausschleichen kann und den jungen Buchhändler Paolo kennenlernt. Seine Bücher eröffnen ihr eine neue Welt und geben ihr den Mut, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.





Bücher aus dem schönen Land Italien halten in letzter Zeit vermehrt Einzug in mein Bücherregal. Die Mischung aus sommerlichem Klima, wirbelwindartigem Temperament und den bösen Machenschaften der Mafia ist sehr reizvoll. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass „Der Duft von Erde und Zitronen“ mich derart neugierig machte.

Anders als der Klappentext vermuten lässt, geht es in dem Buch nicht nur um Imma, die im Norden Italiens in einer Wohnung eingesperrt ist, um sich zu verstecken, und schließlich auf einer heimlichen Erkundungstour einen jungen Buchhändler kennenlernt, dessen Bücher sie neuen Mut fassen lassen. Natürlich ist das auch Teil der Geschichte. Doch gleichermaßen wird Immas Familiengeschichte aufgerollt und die Lebensgeschichte anderer für das Buch wichtiger Figuren. All das ist verpackt in kurze, knappe Kapitel, in denen nicht nur der Schauort und die Zeit, sondern auch die Erzählperspektive geändert werden. So liest man sich nach und nach in jeden für die Geschichte wichtigen Kopf hinein und springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her.

Das führt einerseits dazu, dass man die Figuren ziemlich gut kennenlernt. Ihre Gedanken und Motivationen eröffnen sich dem Leser, sodass man für vieles Verständnis aufbringen und sich in wenigen Situationen ohne zu zögern auf eine Seite schlagen kann. Denn Konflikte – sowohl innere als auch zwischenmenschliche – beherrschen dieses Buch, was es nicht immer ganz einfach, wohl aber sehr interessant macht.

Der Nachteil der vielen Perspektiven besteht darin, dass man sich anfangs schwer zurechtfindet. Zu undurchsichtig ist die Konstellation und durch die kurzen Kapitel kommt man gar nicht richtig in den Situationen an, ehe man schon wieder herausgerissen wird. Wenn man sich an diese Erzählweise gewöhnen kann –was in meinem Fall glücklicherweise recht schnell ging – eröffnen sich in „Der Duft von Erde und Zitronen“ jedoch wunderbare Buchwelten. Denn Margherita Oggero schreibt trotz ihrer knappen Kapitel in einer Form, die das Geschehen direkt vor mein inneres Auge transportierte und mich deshalb begierig die Seiten umblättern ließ.

Entweder durch beschriebene Geschehnisse oder auch Gedanken ihrer Charaktere spricht sie interessante Themen an, die noch länger im Kopf hängen bleiben. Besonders beeindruckt haben mich aber die Dialoge. Diese wirken nicht nur absolut natürlich, sondern transportieren auch ein paar Charaktereigenschaften mit sich. So fiel es mir nicht schwer in Unterhaltungen, bei denen die Sprecher der einzelnen Sätze nicht genannt wurden, den Urheber der jeweiligen Worte zuzuordnen. Gerade dieser Umstand haucht den authentisch gezeichneten Figuren in „Der Duft von Erde und Zitronen“ noch mehr Leben ein.

So interessant ich die vielen Geschichten auch fand, merke ich, dass ich mich vom Klappentext etwas fehlleiten lassen habe. Denn Immas Geschichte in der Gegenwart nimmt lediglich ein Viertel des gesamten Romans ein. Den Klappentext finde ich daher nicht besonders gelungen. Enttäuscht wurden meine Erwartungen nicht, denn die restliche Geschichte ist wirklich gut, doch sie wurden geschickt umschifft, weil sich in dem Buch zu Großteilen etwas ganz anderes als angepriesen verbirgt.



„Der Duft von Erde und Zitronen“ ist eine Familiengeschichte, die durch viele Perspektiven und authentische Charaktere nie langweilig wird. Auch wenn der Roman größtenteils im sommerlichen Süditalien spielt, behandelt er traurige und harte Themen. Als Sommerlektüre mit Tiefgang daher sehr gut für junge und alte Belletristikleser zu empfehlen.





Ich bedanke mich herzlich bei vorablesen und der DVA für das Rezensionsexemplar!


Kommentare:

  1. Hach - ich habe es soooo gerne gelesen aber auch ich war manchmal mit den ganzen Perspektiven etwas überfordert. Habe mich aber dann zurecht gefunden und dann war ich voll drin und mit dabei. Ich war überrascht von diesem Buch - normalerweise ist es nicht meins aber es hat mir gefallen und ich werde mich mal auf die Suche nach ähnlichen Büchern machen.

    Deine Rezi zu "Als die Liebe zu Elise kam" hat gewirkt, ich habe es jetzt auch und ich werde es gaaaaaanz bald lesen. Danke ;)

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Ja, vor allem anfangs war das richtig komisch, weil man die Zusammenhänge einfach nicht gesehen hat oO
      Aww das freut mich :D Bin mal gespannt, wie du das Buch finden wirst - und natürlich viel Spaß!

      LG

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    2. Meine Rezi ist schon online.
      http://booksaweek.blogspot.de/2012/05/der-duft-von-erde-und-zitronen.html

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  2. Uff, ist ja schon wieder ein Jahr her, als ich es gelesen habe, aber ich meine mich zu erinnern, dass ich es gut fand :D Also als Fan der ersten drei Bücher musst du es unbedingt lesen! :) (Wobei ich mich jetzt nicht unbedingt auf meine Meinung verlassen würde, schließlich war ich beispielsweise bei Dark Canopy begeistert und du wiederum nicht :'D Mach dir am besten selbst ein Bild davon! :D)
    Hehe, morgen trudelt dann City of Lost Souls bei mir ein, ich freu mich schon :D

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  3. Schöne Rezension! Ich hatte auch überlegt, mich bei vorablesen für das Buch zu bewerben, hab es dann aber doch verbummelt :-) Allerdings hatte ich auch gehofft, dass es ein paar mehr dieser "Buch im Buch"-Momente geben würde, wenn Imma den Buchhändler kennenlernt. Aber wenn die Geschichte hauptsächlich in der Vergangenheit spielt, wird das wohl nicht so viel Raum einnehmen, oder? Die authentischen Dialoge sprechen mich ja schon an, aber sonst ist es glaub ich kein Buch, was ich unbedingt gelesen haben muss :-)

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    1. Danke :)
      Nun ja, es gibt schon ein paar sehr schöne Buch im Buch Momente, aber die die Anzahl ist lange nicht mit der "Bücherdiebin" oder so zu vergleichen. Ist eben nur ein Teil und viele andere Dinge spielen auch eine Rolle.
      Man muss es nicht unbedingt gelesen haben. Aber wenn man nach einem Familienroman Ausschau hält, dann gehört dieser hier ganz sicherlich zu den besseren :)

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  4. Ich hatte das Buch damals bei Vorablesen gesehen und fand, dass es sehr, sehr gut klang. Schön, dass es dir gefallen hat :-)
    Wobei der Umstand, dass die gegenwärtige Handlung (die gerade für mich so spannend klingt!) viel weniger Platz einnimmt als gedacht, mich jetzt etwas enttäuscht.

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    1. Ja, das ist wirklich sehr seltsam. Andererseits ist der Rest auch sehr gut, sodass es mich nicht wirklich geärgert hat, dass der Teil nur ein kleiner Teil der Gesamthandlung ist.

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  5. Huch, deine Kritik ist ja auch schon online. Da haben wir uns ja fast abgesprochen :D
    Ich hatte mich vom Klappentext (oder woher auch immer) auch etwas irritieren lassen. Ich hatte ehr eine Art Krimi erwartet, da die Autorin meistens in diesem Genre schreibt.
    Wieso versteh ich jetzt selber nicht mehr. Ich hätte mir auch gewünscht etwas länger bei Imma zu sein, da ihre Story eigentlich die war, die mich interessiert hat. Auf der anderen Seite wurde die ja erzählt und für mich fehlte da nichts. Die Autorin hätte sie sonst wohl nur unnötig in die Länge gezogen. Vll. hätte sie lediglich ein paar der Familienmitlgieder weglassen können. Der Onkel in Belgien zum Beispiel ^.^

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    1. Ja :D
      Dass die Autorin eher in einem anderen Genre unterwegs ist, hatte ich auch gelesen. Aber irgendwie war ich sehr positiv überrascht, mir hat die Geschichte auch so sehr gut gefallen.
      Dass es sich in die Länge gezogen hätte, kann schon gut sein... Und ja, den hätte sie echt weglassen können. Ich hab schon immer darauf gewartet, dass der auch eine entscheidende Rolle kriegt, aber irgendwie war das ja nicht so :S

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