[Rezension] Jane Christo - Blanche 01. Der Erzdämon

grass-harp | Freitag, 4. Mai 2012 | / |







Taschenbuch | 200 Seiten
Erschienen im April 2012
im Sieben-Verlag
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-864430-48-0







Es ist nicht einfach, bei einem Profikiller aufzuwachsen, der seine Seele an den Teufel verkauft hat. Doch als Blanches väterlicher Mentor stirbt, muss sie beweisen was in ihr steckt. Sie wird vom Erzdämon Beliar aufgesucht, der von ihr verlangt, dass sie die Schulden ihres Mentors bezahlt, denn dieser ist nach seinem Ableben nicht wie verabredet in der Hölle erschienen. Beliar übt eine starke erotische Anziehungskraft auf sie aus, und als sich der Dämon in sie verliebt, wird es kompliziert. Um Blanches Vertrauen zu gewinnen, wendet sich Beliar gegen Saetan und nimmt den Kampf mit dessen Höllenfürsten auf, während Blanche ihre eigene Schlacht schlagen muss. Die Welt, die sie kannte, existiert nicht länger, und sie muss sich entscheiden, ob sie leben, oder untergehen will. Ob sie aufgibt, oder sich ihren Gefühlen für den Dämon stellt.





„Blanche – Der Erzdämon“ ist ein Buch, von dem ich nichts gehört hatte, bis ich eine ziemlich gute Rezension dazu las. Dennoch war ich etwas skeptisch, weil die Art von Geschichte mir bisher selten zugesagt hat. Glücklicherweise konnte ich mir das Buch leihen und so einmal ausprobieren, ob ich bisher nur auf die falschen Bücher gestoßen war oder ob die Kategorie tatsächlich nichts für mich ist.

Blanche lernt man als Leser an einem ziemlich tiefen Punkt ihres Lebens kennen. Sie steht am Grab ihres Mentors, der nach einer furchtbar schweren Kindheit die einzige wichtige Person war, die sie in ihrem Leben noch hatte. Dementsprechend startet das Buch also sehr düster. Blanche will Rache an dem Mörder ausüben und macht sich so auf die Suche nach der Todesursache ihres Mentors.

Blanches harte, kühle Art war mir zunächst etwas suspekt. Solchen Charakteren begegnet man in Büchern öfter und dann gibt es meist kaum einen Grund für ihr Verhalten. Bei Blanche ist das aber anders. Im Laufe des Buchs wird auch ihre Vergangenheit richtig aufgerollt und als Leser versteht man ihre Art von da an ziemlich gut. Ich kann zwar nicht behaupten, dass ich sie als Figur mochte, doch immerhin ist sie in sich schlüssig. Was mich jedoch etwas störte, ist, dass ihr sowie anderen Charakteren des Buchs die Facetten fehlten. Ich fühlte mich an keiner Stelle überrascht von den Figuren. Eher schien es mir, dass die Autorin ihnen lediglich 2 bis 3 bestimmte Eigenschaften zugeordnet hat und mehr nicht. Da war keine Lebendigkeit sondern vielmehr hatte ich das Gefühl von blassen Spielfiguren zu lesen.

Dementsprechend fiel es mir auch sehr schwer, mich für die Geschichte zu interessieren. Ohne Frage – die Handlung ist spannend aufgebaut. Eine rasante Jagd durch Paris, blutige Straßenkämpfe und einige ungeahnte Wendungen im Plot bewirken, dass die Geschichte nicht langweilig wird. Zwischendurch nimmt sich die Autorin Zeit, um einige Fragen zu klären oder sie von ihren Charakteren beantworten zu lassen, sodass man als Leser nicht das Gefühl hat auf dem Schlauch zu stehen. Nichtsdestotrotz konnte ich nur wenig mitfiebern, denn mein Interesse an den Charakteren und ihren Schicksalen hielt sich wirklich in Grenzen, weil sie für mich zu flach waren.

Insbesondere die Entwicklung der Beziehung zwischen Blanche und dem Dämonen Belial, der ihr hilft, hat mich mit den Augen rollen lassen. In welche Richtung diese Entwicklung gehen würde, ist schon von vornherein klar. Jedoch hatte ich mir erhofft, dass die Autorin mit den einzelnen Schritten etwas individueller umgehen würde. Falsch gedacht – was ich zu lesen bekam, war eine Geschichte, die ich schon in gefühlt hunderten anderen Paranormal Romance Romanen gelesen hatte. Das artete sogar so weit aus, dass ich am Ende ziemlich lachen musste, weil ich es nicht mehr ernst nehmen konnte.

Was man dem Buch zugute halten kann, ist, dass es nichts beschönigt. Blanche bewegt sich in einer ziemlich brutalen Umgebung und dementsprechend wird man als Leser vor knallharte Tatsachen gestellt. Ob man das nun mag oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Aber die Autorin bleibt ihrem Erzählton treu, um den Leser die Härte ihrer Geschichte spüren zu lassen. Ihr Stil passt zur Hauptfigur und ist nicht zu kopmliziert, sodass er der spannungsgeladenen Handlung nicht im Weg steht. Blanches Gedanken werden klar und eingängig formuliert – und dennoch konnte ich mit dem Stil nur wenig anfangen. Manche Sachverhalte wurden mehrmals betont. So durfte man beispielsweise dreimal davon lesen, was Blanche passiert war, in ungefähr den gleichen Worten. Oder wen sie alles verloren hatte und was das bedeutete. Sicherlich kreisen nach derartigen Verlusten die Gedanken um die Vorfälle und verlorenen Personen, doch ich hätte mir hier etwas mehr Tiefgang gewünscht. Man bekommt stattdessen stets das gleiche zu lesen.



„Blanche – Der Erzdämon“ konnte mich nicht gefangennehmen oder begeistern. In meinen Augen waren die Charaktere zu flach und ihre Entwicklung zu stereotypisch. Außerdem hätten ein paar Kürzungen oder etwas mehr Tiefgang an einigen Stellen dem Buch sicherlich nicht schlecht getan.

Dennoch will ich nicht jedem von diesem Buch abraten. Diese Art von Geschichte ist einfach nichts für mich, aber wer auf rasante, paranormale Geschichten mit einem Schuss Herzklopfen und Erotik abfährt, der macht mit „Blanche – Der Erzdämon“ nichts falsch. Wegen der schonungslosen Gewaltschilderungen sollten sich jüngere – und dieser Brutalität abgeneigte – Leser allerdings lieber von dem Buch fernhalten.


Kommentare:

  1. Sehr faire Rezi von dir! Ich kann deine Meinung nachvollziehen, auch wenn ich das Buch völlig anders empfunden habe. Blanche mochte ich von Beginn an, ihre Art zu denken, die witzigen Dialoge und wie sie sich im Laufe des Buches entwickelt. Der Schwachpunkt des Buches ist die Entwicklung der Liebesgeschichte zu Beliar, doch die Autorin hat versprochen da in der Fortsetzung noch nachzulegen (bei LB in der Leserunde). Die Wiederholungen sind mir gar nicht so deutlich aufgefallen, ich finde es schon verständlich, dass man an besonders dramatische Ereignisse öfters denkt. Doch ich gebe dir Recht, man hätte es dann stellenweise kürzer fassen können.
    Doch eben durch die Rückblicke, kamen mir die Charaktere keineswegs flach vor. Es sind ja "nur" 200 Seiten und ich finde dafür war schon an einigen Stellen Raum für die Charakterentwicklung. Aber ich habs allgemein auch lieber, wenn der Schwerpunkt auf der Handlung liegt und eher weniger die Charaktere im Detail zerkaut werden (Elfenmagie!).

    Ich denke der restliche Stil, die schnell fortschreitende Handlung, die Gewalt etc. ist dann schon auch vom Geschmack abhängig und wie man sich auf das Buch einlassen kann. Besteht schon eine Distanz zu den Charakteren ist es schwierig und ich kann auch verstehen wie du zu der Wertung kommst. Schade, wirklich. Aber mehr als Zeit hast du ja zum Glück nicht verloren^^

    Wie bist du denn mit dem Format klargekommen? Ich hatte das Buch vorhin in der Hand und muss sagen da ist ja fast das Ebook angenehmer zu lesen ;)

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    1. Das Buch ist wirklich so eins, bei dem man entweder begeistert ist oder eben nicht, denke ich. Für mich ist dieses Genre wohl einfach nichts, ich kann aber auch nachvollziehen, was man daran mögen kann :) Den zweiten Teil werde ich wohl nicht lesen, aber ich nehme mal an, dass du das tun wirst und dann bin ich gespannt, ob die Liebesgeschichte da etwas besser dargestellt ist.
      Ja, mir sind Charaktere halt sehr wichtig - es muss gar nicht mal so viel über sie geredet werden, sie müssen einfach glaubwürdig und lebendig auf mich wirken und das war hier leider nicht der Fall.
      Ich fand es auch gut, dass Jane Christo ihrem Stil treu geblieben ist und Blanche beispielsweise nicht plötzlich total weich wird - das hätte nicht gepasst und insofern hat die Autorin das echt gut gemacht.

      Ich fand das Format eigentlich ganz okay. Ungewöhnlich zwar und mir ist das klassische Buchformat auch lieber, weil das schon fast wie eine kleine Zeitschrift war, aber es gibt auch unangenehmere Buchformate :]

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  2. Eine sehr schöne und ausführliche Rezension! :)
    Leider bin ich jetzt total verunsichert, ob dieses Buch nun was für mich wäre oder nicht... Einige deiner Kritikpunkte würden mich wahrscheinlich auch stören, aber andererseits bin ich echt neugierig... Naja, es bleibt jedenfalls mal vorgemerkt und vielleicht werde ich es bei Gelegenheit irgendwann mal kaufen.

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    1. Hast du denn einen eReader? Denn das Buch in eBook-Format kostet ja weitaus weniger und so viel kann man dann nicht falsch machen.
      Ich würde dir raten, mal in die Leseprobe bei Amazon beispielsweise reinzuschauen. Da kriegt man schon einiges vom Stil und auch von der Atmosphäre her mit - wenn die dich anspricht, dann wäre das Buch vielleicht auch etwas für dich :] Wenn nicht, dann nicht. Solltest du blutige Beschreibungen und sehr viel Action, die die Charaktere etwas zurückdrängt, nicht so sehr mögen, dann wäre das Buch vielleicht doch nichts für dich. Hast du denn die Black Dagger Reihe, zB, oder die von Lara Adrian gelesen? Wenn dir die gefallen haben, könnte dir dieses Buch auch gefallen :]

      Tut mir Leid, dich so verunsichert zu haben.

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    2. Das ist keine schlechte Idee. Ich habe zwar keinen eReader, möchte mir aber vielleicht zum nächten Geburtstag einen wünschen. Dauert zwar noch etwas, aber es gibt für die Zwischenzeit ja noch genug andere Bücher ;)Aber zuerst werde ich wohl wirklich mal ein bisschen in der Leseprobe schmökern.
      Von der Black Dagger Reihe und Lara Adrian habe ich einige HBs gehört und fand diese ganz ok... es kommt bei mir auch immer auf die Stimmung an, in der ich gerade bin. Manchmal mag ich solche Bücher und dann hängen sie mir wieder zum Hals raus xD

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  3. Oh, wups, jetzt hatte ich total vergessen, dass du noch was gefragt hattest! Sorry! :) Wir sind in Thailand hauptsächlich mit dem Bus gefahren, das war einfach und halbwegs komfortabel. Zug sind wir auch mal gefahren, aber der ist elends langsam und fährt nicht so oft...und niiiiemals trampen! Das trau ich mich ja noch nicht mal hier in Deutschland! :D

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  4. Ooh, hatte eigentlich vor, es zu lesen. Aber nach deiner schönen Rezension werde ich das wohl nochmal überdenken. Bei Büchern, deren Charaktere bzw. Handlungen oft stereotypisch wirken, verlässt mich meist oft schnell die Lust am Lesen.

    Auf "Because of you" und "Solange die Nachtigall singt" bin ich auch schon sehr gespannt. Schade nur, dass es noch so lange geht, bis sie erscheinen werden. "Märchenerzähler" hat mir eigentlich gut gefallen. Was hat dich daran gestört?

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    1. Vielleicht probierst du es mal mit der Leseprobe auf Amazon? Zu dem Buch gab es ja doch mehr gute Meinungen bisher - mein Fall ist die Geschichte einfach nicht, aber ich mag Paranormales sowieso nicht mehr so gerne :]

      Ja, das ist wirklich schade. "Der Märchenerzähler" fand ich als Buch auch gut, nur fand ich zum Ende hin vor allem einige Handlungen von Anna alles andere als nachvollziehbar und konnte mich diesbezüglich mit der Zeichnung der Charaktere nicht ganz anfreunden. Die Thematik und sonstige Umsetzung, sowie der Stil, haben mir dennoch gut gefallen.

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  5. Es ist immer wieder interessant wie unterschiedlich ein Buch wahrgenommen wird - kommt ja eigentlich bei jedem Buch irgendwie vor. Ich habe "Blanche" bisher nicht gelesen, halt nur begeisterte Rezi´s gesehen. Deine Rezi ernüchtert nun ein wenig, ich werde es aber trotzdem mal im Auge behalten und wenn dann wohl ertauschen. Das die Story schon gefühlte 100 Mal erzählt wurde, kommt derzeit leider oft vor. Manchmal stört es mich, manchaml nicht. Kommt ganz auf die Charaktere + Umsetzung an. Also mal schauen. Schöne Rezi!

    LG Reni

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    1. Das stimmt, mich verwundert das auch sehr oft. Mich stört es manchmal auch nicht, wenn ich die Geschichte schon mehrmals gelesen habe - sofern die Art von Geschichte gut ist. Aber hier gab es eben auch andere Störfaktoren und ich mag das Genre auch nicht so, sodass mir das Buch nicht gefallen hat. Ich bin allerdings gespannt, ob es deinen Nerv vielleicht treffen wird :]

      LG

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