[Rezension] Daniela Ohms - Harpyienblut

grass-harp | Montag, 21. Mai 2012 | / |


Titel: "Harpyienblut"
Autorin: Daniela Ohms
Originaltitel: "Harpyienblut"
Reihe: -
Genre: Urban Fantasy, Junge Erwachsene
Seitenzahl: 448
Erscheinungsdatum: 1. März 2012
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Format: Hardcover
Preis: 16,95 €
ISBN: 978-3-86265-137-5

Anders als normale Teenager verbirgt Lucie ihren Körper nicht aus Scham, sondern weil sie Angst hat, dass es sie ihr Leben kostet, wenn jemand von ihrem Geheimnis erfährt: Die 18-Jährige besitzt Flügel, die aussehen wie die eines Raubvogels und deren Flughunger sie kaum stillen kann.
Was für ein Wesen Lucie ist, hat sie selbst bisher nicht herausfinden können. Aber der finstere Sergej weiß mehr. Und auch der unheimliche Junge mit den Schmetterlingsflügeln, der sie nachts beobachtet, kennt Lucies wahre Bestimmung: Sie soll die Seelen toter Kinder abholen und durchs Jenseits begleiten.
Als Lucie schließlich gezwungen ist, sich ihrer grausigen Aufgabe zu stellen, muss sie befürchten, ihre menschliche Seite zu verlieren ...

Quelle: Bild, Text





Urban-Fantasy-Bücher haben in den letzten Jahren Buchläden und Bücherregale überflutet. Inmitten der vielen und schon oft benutzten Themen, Wesen und Handlungsverläufe ist es mittlerweile ziemlich schwierig, etwas Neues zu finden. Zu oft geht es um das Mauerblümchen, das von einem starken Helden gerettet wird und schlussendlich steht die Liebesgeschichte mehr im Mittelpunkt als alles andere. Kein Wunder also, dass ich trotz meiner Neugierde auch etwas skeptisch gegenüber „Harpyienblut“ war. Die ungewöhnlich klingende Geschichte, sowie die noch nicht so oft verwendeten fantastischen Kreaturen erweckten meine Aufmerksamkeit und schließlich siegte dann doch die Neugierde.

In „Harpyienblut“ geht es um die 18-jährige Lucie. Sie besitzt neben Flügeln und der Kraft, Gedankenbilder zu sehen, weitere übernatürliche und seltsame Fähigkeiten. Was genau sie ist, weiß sie jedoch selbst nicht. Und auch niemand sonst weiß von ihrer Eigenart. Doch sie verändert sich und irgendwann kann sie ihre Fähigkeiten vor bestimmten Menschen nicht mehr verbergen. Mit den Veränderungen taucht auch immer häufiger ein Junge mit Schmetterlingsflügeln in ihren Träumen und ihrer Umgebung auf.

Lucies Persönlichkeit hat mir dabei sehr gut gefallen. Sie ist kein einfacher Mensch, aber das wäre auch unlogisch, bei der Masse an Problemen, die sie zu bewältigen hat. Sie ist hin und wieder zickig, um andere Leute nicht zu nah an sich heranzulassen, doch ihre Verhaltensweise ist sehr gut nachvollziehbar. Insgesamt hat sie viele Eigenheiten, die sie zu einer authentischen Hauptfigur machen.

Auch die anderen Figuren sind sehr glaubwürdig charakterisiert. Niemand ist ein hilfloser Statist, der nur geschaffen wurde, um die Hauptfigur stärker glänzen zu lassen – aber es gibt auch keine durch und durch perfekten Persönlichkeiten in diesem Buch. Jeder hat mit irgendetwas zu kämpfen, verhält sich mal daneben und das haucht dem Roman Lebendigkeit ein. Außerdem werden hier auch ganz normale Probleme wie die des Erwachsenwerdens und der Identitätsfindung aufgegriffen. Die Figuren erscheinen dadurch nicht realitätsfern – im Gegenteil: Es ist sehr einfach, sich mit ihnen zu identifizieren.

Davon abgesehen liest man aus vielen verschiedenen Perspektiven. Obgleich Lucie weitestgehend im Mittelpunkt steht, schaut man auch mal durch die Augen Lucies bester Freundin, denen des Schmetterlingsjungen oder anderer Figuren auf das Geschehen. Die Perspektivwechsel empfand ich dabei selten als störend oder verwirrend, zumal die Autorin durchweg aus der personalen Perspektive schreibt. Für mich wurden dadurch Handlungen nachvollziehbarer und die Geschichte komplexer. Auch Daniela Ohms Schreibstil hat mir sehr gut gefallen – er ist sehr angenehm zu lesen, nicht jugendlich und war mir persönlich selten zu knapp oder zu ausführlich.

Abgesehen von diesen schon ziemlich guten Komponenten faszinierte mich aber besonders das Konzept der Harpyien. Bisher habe ich noch keinen Roman gelesen, in dem sie so im Zentrum stehen, und hier gefiel mir die Umsetzung wirklich gut. „Harpyienblut“ ist nicht lediglich ein spannender Fantasyroman, sondern er behandelt auch schwierige und ernste Themen, allen voran den Tod. Wie im Klappentext bereits erwähnt, ist es Lucies Bestimmung, die Seelen toter Kinder abzuholen. Dementsprechend lässen sich tiefgängige und traurige Gedanken zu dem Thema natürlich nicht vermeiden.

Es gibt zwar auch einige sehr lustige Abschnitte, doch insgesamt besitzt der Roman eine melancholische Grundstimmung. Ich empfinde es nachwievor als sehr positiv, dass „Harpyienblut“ nicht derart oberflächlich ist sondern tatsächlich in die Tiefe geht. Dadurch bleibt er in Gedanken länger bestehen und hebt sich von vielen kopflosen Urban-Fantasy-Romanen ab, wirkt gleichzeitig aber auch viel realistischer.

Ein klitzekleiner Kritikpunkt sind meiner Meinung nach die Dialoge, die mir auf Grund der Wortwahl nicht immer ganz authentisch erschienen. Doch das hat mein Lesevergnügen fast gar nicht beeinträchtigt, denn nur selten fielen mir seltsame Formulierungen auf. Stellenweise tauchten es auch sehr plötzlich extreme Gefühlsregungen auf. Die konnte ich dann nur wenig nachvollziehen, aber auch das war glücklicherweise sehr rar.

Insgesamt ist „Harpyienblut“ ein sehr empfehlenswerter Roman. Da „Harpyienblut“ ein Einzelband ist, erfährt man in dem Buch schon gleich viel über die fantastischen Aspekte der Welt. Ich habe mich von den Informationen nie überflutet gefühlt und empfand die Welt, die die Autorin aufgebaut hat, als sehr logisch.



„Harpyienblut“ hat für fast jeden Leser etwas zu bieten. Mit den authentischen Charakteren, dem angenehmen Schreibstil und der originellen Idee ist es ein Urban-Fantasy-Roman, der einem nicht alle Tage begegnet. Wegen ernster Thematiken und bestimmten Handlungspunkten würde ich das Buch aber nicht jungen Lesern empfehlen. Wer aber gerne Bücher für junge Erwachsene liest, ist hiermit sehr gut bedient. An alle Skeptiker und Unentschlossenen unter euch – das Buch ist ein Einzelband. Also muss man keine misslungenen Fortsetzungen oder fiesen Cliffhanger erwarten. Bitte, bitte, schnappt euch dieses Buch und verkrümelt euch für ein paar Lesestunden, um es in seiner ganzen Fülle genießen zu können!




Ich bedanke mich vielmals beim Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag für das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Das Buch habe ich mir gerade erst letzte Woche gekauft und bin schon ganz gespannt es zu lesen. Deine Rezension macht mir Hoffnung, dass ich es auch gut finden werde.

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    1. Ich hoffe, dass dir das Buch auch so gut gefallen wird. Viel Spaß schon mal beim Lesen!

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  2. Als ich begonnen habe, den Inhalt zu lesen, hat's mich erst etwas an Firelight erinnert. Doch das mit den Seelen ist ja dann doch komplett was anderes. Ich glaube, das Buch wär was für mich :D Oh man, meine Liste wird immer größer xD

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    1. "Firelight" hab ich nicht gelesen, ich war aber vom Anfang der Inhaltsangabe auch nicht soo angetan. Aber die Sache mit den Seelen ist echt toll und insgesamt ist das Buch auch echt mal was anderes. Ich kann es nur empfehlen (:
      Wenn du es lesen solltest, schon mal viel Spaß und ich bin gespannt auf deine Meinung! :D

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  3. Hach, habe ich mich gefreut, als ich gerade gesehen habe, dass du die Rezension reingestellt hast :) Zusammen gesehen mit der von Tina bin ich mir jetzt ganz sicher, dass ich das Buch unbedingt haben möchte. Melancholische Grundstimmungen liebe ich nämlich. Nächsten Monat kann ich es dann hoffentlich auch eendlich lesen!

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    1. Hihi :) Ich konnte nicht mehr warten ^^
      Hoffentlich wird's nächsten Monat was. Ich wünsch dir ganz viel Spaß und bin sehr neugierig auf deine Meinung zu dem Buch (:

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  4. Schon die Inhaltsangabe klingt total spannend!
    Dann noch deine Rezension, da bekommt man direkt Lust auf die Geschichte.

    Wieder einmal habe ich bei dir bin Buch gefunden, das anders nie auf meinem Radar gelandet wäre.
    Kommt direkt auf die Wunschliste.

    Ganz liebe Grüße!
    Jenny

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    1. Das Buch ist auch wirklich toll. Nicht so megatypisch :)
      Es freut mich, dass dich das Buch und die Rezension ansprechen (:
      Viel Spaß, falls du es lesen solltest!

      Liebe Grüße
      Hannah

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  5. Freut mich wirklich, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat! Hattest du danach auch so ein starkes Bedürfnis etwas besonders lustiges oder fröhliches zu lesen? ;) Auf der Facebook-Page der Autorin steht: "Im Herbst folgt mein zweiter Fantasyroman in der Knaur-Fantasy und im Frühling 2013 beginne ich mit einer Fantasytrilogie bei Planet Girl/Thieneman" Ich freu mich darauf!

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    1. Hehe, nein, irgendwie nicht oO Jetzt lese ich gerade ein zwar stellenweise lustiges, insgesamt aber sehr ernstes und trauriges Buch :] Irgendwie bin ich gerade so in der Stimmung...
      Jaa, das hab ich auch gesehen. Die Inhaltsangabe zu dem Fantasyroman klingt auch ganz gut, nur schreibst sie irgendwie unter einem Pseudonym :] Ich freu mich schon richtig :D :D Bin mal gespannt, was die Autorin sich noch alles einfallen lässt...

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    2. Unter welchem Pseudonym denn? Das hab ich noch gar nicht entdeckt ;

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    3. Daniela Winterfeld. Schau mal hier: http://www.goodreads.com/book/show/13643675-der-geheime-name

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  6. ich finde das klingt wirklich mal anders ^^ aber irgendwie reizt es mich trotzdem nicht...dennoch bei der guten bewertung werd ich mal schaun, ob ich es mir irgendwo ausleihen kann :)

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    1. Hmmm... Ausleihen wäre dann wohl eine gute Möglichkeit. Wenn dich der Inhalt nicht so reizt, dann probier es lieber auf anderem Weg :]

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  7. Du hast schon recht - "Dark Shadows" war nicht der absolute Oberhammer. Aber es hätte auf jeden Fall schlimmer sein können!
    "Harpyenblut" klingt wirklich interessant! Scheint so, als wäre das mal ein Urban-Fantasy Roman der nicht völlig langweilig und vorhersehbar ist. :)
    Liebste Grüße!

    killthesilencce.blogspot.com

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