[Rezension] Patti Smith - Just Kids

grass-harp | Mittwoch, 25. April 2012 | / |






Paperback | 288 Seiten
2010 erschienen
bei Bloomsbury UK
Preis: 9,95 €
ISBN: 9780747568766
Auf Deutsch







It was the summer Coltrane died, the summer of love and riots, and the summer when a chance encounter in Brooklyn led two young people on a path of art, devotion, and initiation.
Just Kids begins as a love story and ends as an elegy. It serves as a salute to New York City during the late sixties and seventies and to its rich and poor, its hustlers and hellions. A true fable, it is a portrait of two young artists' ascent, a prelude to fame.



Von Patti Smith kannte ich bloß wenige Lieder, bevor ich „Just Kids“ kaufte. Den Kauf haben für mich aber eher das Cover und der Klappentext entschieden, wobei auch ein wenig Spontaneität und der Gedanke „Na dann lasse ich mich einfach mal überraschen“ eine Rolle spielten.

„Just Kids“ ist eines der Bücher, über die es ganz viel aber auch ziemlich wenig zu sagen gibt. Es hat keinen ausgedachten Plot und keinen klassischen Spannungsbogen, weil es autobiographisch ist. Die Charaktere sind dementsprechend auch nicht vom Autor kreiert. Ob so etwas lesenswert ist?, habe ich mich zunächst gefragt. Biographien lese ich nur wenige, aus welchem Grund auch immer. „Just Kids“ hat in mir das Bedürfnis erweckt, das Genre nicht mehr so stark zu ignorieren.

Mit Patti Smith erlebt der Leser in einem kurzen Abschnitt ihre Kindheit. Viel wichtiger ist dann ihre Jugendzeit in New York. Dort kommt sie mit einem kleinen Koffer mit einer Garnitur Wechselkleidung, einem Buch und keinem Geld an. Es sind die sechziger Jahre und sie hat keine richtige Vorstellung von ihren Zukunftsabsichten. Diesen Zustand empfand ich im Buch als sehr gut beschrieben. Man weiß als Leser zwar, dass sie es irgendwie schaffen wird, doch diese Unsicherheit und der gleichzeitige Wunsch, unabhängig zu sein und seinen Träumen nachzugehen, beschwören eine Atmosphäre herauf, die mich immer weiter hat umblättern lassen. „Just Kids“ ist nicht im klassischen Sinne spannend oder unterhaltend, aber zu sehen, wie ein junger Mensch seinen Weg durchs Leben bestreitet und dabei allerhand Leute kennenlernt und Sachen entdeckt, gibt dem Buch eine besondere Note. Nebenher schnuppert man noch ziemlich viel sechziger und später auch siebziger Jahre Atmosphäre. Berühmte oder interessante Musiker, Dichter und Künstler lernt man kennen. Oftmals habe ich die Lektüre unterbrochen, nur um mich über sie etwas weiterzubilden. Das Buch liest sich sicherlich anders, wenn man diese Berühmtheiten bereits kennt, doch auch als Einführung in die Zeit und deren Kunst eignet sich das Buch meiner Meinung nach gut. Es hat definitiv mein Interesse geweckt und hatte nebenher auch eine inspirierende Wirkung, schließlich liest man fast 300 Seiten lang aus der Perspektive einer Musikerin, Dichterin und bildenden Künstlerin.

Das Buch fasst mehr als zehn Jahre zusammen, weshalb oftmals Ereignisse nur indirekt wiedergegeben oder nacherzählt werden. Dialoge spielen selten eine Rolle. Dadurch fühlte sich das Geschehen weniger unmittelbar an und war stellenweise auch zäher zu lesen, doch Dialoge hätten die Erzählung wohl auch verlangsamt. An die Erzählform gewöhnt man sich nach einigen Seiten, zumal Patti Smiths Schreibstil sehr schön zu lesen ist. Ganz leicht ist er nicht gestaltet, weshalb sich das Buch nicht sehr schnell lesen lässt. Dennoch bringt er dem Leser das Geschehen näher und transportiert vor allem die Gedanken der Autorin. Nach dem Zuklappen des Buchs entstand in mir eine große Leere, denn es war nach den vielen Seiten nicht leicht, den Kopf dieser hochintelligenten und interessanten Frau zu verlassen. Biographien implizieren zwar Echtheit, doch „Just Kids“ ist besonders authentisch. Die Autorin macht es einem leicht, mit ihr in ihre Erinnerungen abzutauchen. Dabei hatte ich jedoch nie das Gefühl, dass sie dem Leser zeigen will, wie toll sie selbst doch ist oder was sie für tolle Dinge erlebt hat. „Just Kids“ haftet eine entspannende Natürlichkeit an.

Da Patti Smith sowie ihr langjähriger Gefährte Robert Mapplethorpe, um den es in dem Buch auch hauptsächlich geht, Künstler sind, finden sich auf einigen Seiten Fotografien aus ihrer gemeinsamen Zeit, sowie Gedichte oder Gemälde wieder.



„Just Kids“ erzählt eine sehr authentische Geschichte auf liebevolle Art und Weise. Sollte man einen Unterhaltungsroman lesen wollen, ist es nicht die erste Wahl. Doch wer sich über die Zeit, die Autorin oder auch den Fotografen Robert Mapplethorpe weiter informieren möchte, macht mit dem Buch nichts falsch. Mir hat es inspirierende und informative Stunden beschert und sich in meinem Lesegedächtnis eingenistet. Denn kurzweilig ist „Just Kids“ auf keinen Fall!


Kommentare:

  1. Schöne Rezension, auch wenn das Buch eher nichts für mich ist. Autobiografisches kann mich leider selten reizen und auch hier klingt es nicht nach einem Buch für mich.

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    1. Kann ich verstehen, geht mir ja eigentlich auch so. Ich war hierbei nur besonders an der Person interessiert.
      Trotzdem danke fürs Durchlesen & Kommentieren :)

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  2. Dieses Buch lächelt mich immer wieder bei meinem Musikdealer an, der auch Musikbiografien führt. Patti Smith ist eine faszinierende Frau, unglaubliche Musikerin, und Robert Mappelthorpe war ein außergewöhnlicher Fotograf (konnte letztes Jahr eine sehr 'freizügige' Ausstellung seiner Arbeiten besuchen) der mit seinen Fotos für große Unruhe sorge. Da bin ich mir sicher, dass dieses Buch mehr als interessant ist.
    Vielleicht werde ich es doch mal lesen...

    Schön, dass du sowas auch liest und rezensierst. :)

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    1. Ich habe das Buch ja mit sehr grobem Wissen über beide Künstler angefangen, deshalb kann ich es aus deiner Sicht nicht ganz beurteilen, aber ich kann mir trotzdem vorstellen, dass dir das Buch zusagen würde. Sollte dein Englisch nicht soo gut sein, empfehle ich dir aber, es auf Deutsch zu lesen, denn das Sprachniveau ist bei "Just Kids" nicht gerade niedrig.

      Abwechslung und Buchüberraschungen finde ich immer gut, deshalb findet sich hier so etwas wohl öfter mal wieder :)

      Liebe Grüße

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