[Rezension] Natasha Solomons - Als die Liebe zu Elise kam

captain cow | Mittwoch, 18. April 2012 | / |







Hardcover | 512 Seiten
Erschienen im März 2012
im Kindler Verlag
Preis: 19,95 € | Leseprobe
ISBN: 978-3-463-40579-7







Du kannst mehr als nur ein Leben leben.
Im Frühling des Jahres 1938 kommt Elise Landau nach Tyneford House, einem Anwesen an der Südküste Englands. Die junge Jüdin aus wohlhabender Familie erwartet hier eine Anstellung als Hausmädchen. Eltern und Schwester musste sie in Wien zurücklassen. Über England weiß Elise nichts – nur, dass es ihr dort nicht gefallen wird. Doch tapfer poliert sie Silber und serviert Drinks, mit der Perlenkette ihrer Mutter unter der Schürze. Einziger Lichtblick: Kit, der Sohn des Hausherrn. Mit ihm erlebt sie ihre erste zarte Liebe – eine Liebe gegen die Konventionen. Dann erreicht der Krieg das beschauliche Dorset und beschwört Ereignisse herauf, die Tyneford House und seine Bewohner für immer verändern. Elise erkennt, dass sie keine andere Wahl hat, als ihr altes Leben komplett hinter sich zu lassen ...



Eine Geschichte, die in der wunderbaren englischen Landschaft spielt? Die von Liebe, Freundschaft, Trauer und der Familie handelt? Und das alles vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs? Das muss ich lesen, war mein erster Gedanke zum Klappentext von „Als die Liebe zu Elise“ kam. Die Kombination klang einfach zu verlockend und Neugierde erweckend und so kam es, dass das Buch in meinem Regal landete.

Elise Landau gibt mit neunzehn Jahren ein Stellengesuch in einer Londoner Zeitung auf. Es ist das Jahr 1938 und auch wenn sie kaum gläubig ist, muss Elise als Jüdin das Land verlassen. Ihre restliche Familie hingegen wird Visa für Amerika bekommen, wo die Mutter Anna an einer Oper eine Stelle bekommen soll. Nur widerwillig verlässt Elise ihre Familie und kommt in ein Land, dessen Sprache sie mehr schlecht als recht spricht. Die Anstellung als Hausmädchen verspricht ihr zwar Sicherheit, jedoch keine Freude – schließlich musste sie bis zu diesem Zeitpunkt nie den Finger rühren und sich von anderen Leuten sagen lassen, was sie zu tun hat. Glücklicherweise gibt es Kit, der Sohn des Hausherrn, mit dem sie ungewöhnlich gut klarkommt...

Zu Beginn der Geschichte findet man sich mit Elise noch in Wien wieder. Gemeinsam mit ihr erlebt man die letzten Tage in ihrer Heimatstadt und lernt ihre Familie kennen, was den Abschied dann umso schwerer macht. Hier ist mir schon Natasha Solomons Schreibstil besonders aufgefallen, denn er ist sehr bildhaft und bietet eine gute Mischung aus Gefühlsbeschreibungen, Charakterisierungen und Schilderung des Umfelds. Es dauerte nur ein paar Seiten bis ich vollkommen eingenommen von der Geschichte und Elise war. Ihr Charakter ist authentisch ausgearbeitet, schließlich ist sie kein perfektes Mädchen, nicht besonders zielstrebig, besitzt aber trotzdem einen starken Charakter.

Genauso wie die anderen Figuren ist sie nicht stereotypisch, sondern sehr lebendig beschrieben, was sie für mich greifbar macht. Aber auch die Entwicklung, die die Charaktere durchlaufen, ist meiner Meinung nach authentisch dargestellt. Ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, eine fiktive Geschichte mit ausgedachten Personen vor den Augen zu haben. Im Gegenteil: Meist musste ich mir sogar in Erinnerung rufen, dass es lediglich ein Roman ist, den ich da las, und keine wahre Geschichte.

Denn auch mit der Atmosphäre in „Als die Liebe zu Elise kam“ konnte mich Natasha Solomons gefangen nehmen. Die Handlung spielt sich zwar während des zweiten Weltkriegs ab, doch der bildet nicht das Zentrum des Buchs. Natürlich bemerkt man als Leser viele Folgen, die der Krieg mit sich bringt, Verbindungen, die er schafft und zerbricht, aber auf der anderen Seite stehen das Dorf Tyneford, das Herrenhaus und natürlich vor allem Elise, ihre Entwicklung und ihre Schritte zu einem neuen Leben. Dabei deckt die Autorin auch eine breite Palette an Emotionen ab. So ist von Glück über Taubheit bis zur Trauer alles zwischen den zwei Buchdeckeln enthalten.

Am meisten hat mich an dem Roman jedoch die Authentizität begeistert, mit der dieser geschrieben ist. Die gesamte Geschichte kam mir so wirklich vor, obgleich sie an einigen Stellen wahrlich grausam ist, und wirkt wie ein Ausschnitt aus dem echten Leben.



„Als die Liebe zu Elise kam“ ist ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat. Mit detailliert ausgearbeiteten Charakteren, einer lebensnahen Handlung und einem bildhaften, sehr wortgewandten Schreibstil kann der Roman überzeugen und verdient deshalb die Höchstwertung. Ich möchte das Buch jedem ans Herz legen, der gern realistische Geschichten liest. „Als die Liebe zu Elise kam“ packt den Leser, reißt ihn mit und lässt ihn nicht mehr los.




Ich bedanke mich herzlich beim Rowohlt Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Oh, das klingt aber interessant das Buch! Habe noch nie etwas davon gehört, aber irgendetwas zieht mich daran an. Es wandert direkt mal auf meinen Wunschzettel. Danke für die schöne Rezi :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Buch ist leider auch sehr unbekannt. Aber es lohnt sich wirklich. Vor allem wenn man gerade Lust auf einen bittersüßen Schmöker hat, der schön geschrieben ist :D

      Löschen
    2. Wenn Bücher schön geschrieben sind, ist das für mich eh immer schon ein Doppelplus :D

      Löschen
  2. Jaaa, schön isses da wirklich gewesen! :)
    Ich muss dich übrigens echt mal für dein Blogdesign loben, das sieht absolut spitzenmäßig aus! Toll übersichtlich und die Farben gefallen mir auch. Hast du das alles selber so hinbekommen? Ich glaub, ich wär da schon längst an meine html-Grenzen gestoßen, hehe :) Liebste Grüße!

    AntwortenLöschen
  3. Tolle Rezension! Ich muss das Buch unbedingt lesen. Ich bin mir fast sicher, dass ich es mögen werde. :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke :D
      Ich bin mir auch fast sicher, dass dir das Buch gefallen würde!

      Löschen
  4. Auf das Buch bin ich das erste Mal durch das wunderschöne Cover aufmerksam geworden - toll, dass der Inhalt hält, was das Cover verspricht! Werde mir gleich mal die Leseprobe zu Gemüte führen :-)
    Lieben Gruß vom Saumensch!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh ja, hinter dem Cover versteckt sich eine genauso tolle Geschichte. Bin mal gespannt was du von der Leseprobe hältst :)

      Liebe Grüße :)

      Löschen
  5. Wow, klingt nach einem echt tollen Buch. Ich mag Romane, die in der Vergangenheit spielen sehr gern (haha, Mann, ich mag echt viel sehr gern ;D), weil man einfach sieht, wie die früher so gelebt haben und wie gut es uns geht. Vor allem immer wieder eine schöne Abwechslung zwischen neben den ganzen Dystopien, die momentan gedruckt werden ;)
    Was meinst du, ob der Rowohlt Verlag mir das wohl auch schickt? :)

    Liebe Grüße

    PS: Das mit den Kommentaren find ich auch voll doof, aber soviel ich mich auch in den letzten Monaten mit HTML beschäftigt habe: hier bin ich mit der Code-Sprache am Ende, denn ich hab nicht die geringste Ahnung, wie ich den Hintergrund der Kommentare weiß mache :/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh ja, das Buch ist seeehr toll. Ich mag solche Bücher auch, aber lieber, wenn sie in der nahen Vergangenheit spielen, weil die ja noch Auswirkungen auf heute macht. Außerdem versteht man so einiges besser :)
      Ich weiß nicht, probier es doch mal :)

      LG

      Löschen
  6. Tolle Rezension.:) Das Buch habe ich bisher eigentlich noch nie gesehen, aber ich finde der Klappentext hört sich schon einmal ziemlich gut an. Ich denke, ich füge es meiner (ziemlich langen) Wünschliste an.

    Ich muss zugeben, nachdem ich festgestellt hatte, dass "vergissdeinnicht" nicht wie "Ich wünschte, ich könnte dich hassen" war, war ich schon ein wenig enttäuscht, aber dann wurde es immer besser und besser und es hat mich überhaupt nicht mehr gestört. :) Ich glaube, dir würde es auch gefallen. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Buch ist leider auch unbekannt - zu unrecht, wie ich finde. Ich kann es nur empfehlen :)

      Das klingt ja gut. Eigentlich ist es ja vielleicht sogar besser, dass es anders aber sehr gut ist. Mehrmals die gleiche Geschichte will man ja auch nicht lesen... :)

      Löschen
  7. Das klingt nach einem sehr schönen Buch. Ich mache mir jetzt mal einen Eindruck von der Leseprobe und dann wandert es bestimmt ganz bald in mein Regal :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hihi, hoffentlich konnte dich die Leseprobe überzeugen. Aber Achtung, ich brauchte ein paar Taschentücher!

      Löschen
  8. Es freut mich gerade richtig, dass dir der Roman so gut gefallen hat, denn wie gesagt, habe ich ihn auch auf meiner Wunschliste stehen und nachdem, was du dazu geschrieben hast, werde ich ihn mir jetzt ohne Bedenken zulegen :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Er ist wirklich toll :D Zwischendurch brauchte ich immer mal wieder Taschentücher und auch nach dem Beenden ging er mir nicht aus dem Kopf. Ich hoffe, er wird dir genauso gut gefallen wie mir! Viel Spaß beim Lesen!

      Löschen
  9. Ein Buch das mir vorher nichts sagte und jetzt geschwind auf meine Wunschliste wandert. Das Cover spricht mich schon sehr an und deine Rezi sagt mir, dass mir dieses Buch wohl auch gefallen könnte, wenngleich es eine etwas ernstere (Liebes)Geschichte erzählt. Ab und zu braucht man sowas einfach. Also rauf damit. :)

    LG Reni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Buch ist ernst, traurig und sehr schön zugleich - man sollte in der Stimmung dazu sein. Wenn das der Fall ist, kann ich es nur empfehlen. Und es hat definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Ich bin auch ganz überrascht, dass es so unbekannt ist...

      LG
      Hannah

      Löschen