[Rezension] Manuela Salvi - Tod oder Liebe

grass-harp | Samstag, 7. April 2012 | / |







Klappenbroschur | 336 Seiten
Erschienen im April 2012
im Fischer Jugendbuchverlag
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-8414-2143-2







Wen soll er verraten: seine Familie oder das Mädchen, das er liebt?
Mafia und Liebe, Verbrechen und Leidenschaft: Vor dem Hintergrund einer höchst spannenden Handlung entwickelt sich eine große, eine unmögliche Liebe. Denn Bianca ist die Tochter eines Anti-Mafia-Richters und Manuel der Sohn eines Mafiabosses. Dennoch fühlen sich die beiden unwiderstehlich zueinander hingezogen. Aber Manuel kann nicht einfach aussteigen. Und sein Bruder wittert eine Chance, den verhassten Rivalen loszuwerden ... Elekrisierend und prickelnd.



Wer liest sie nicht gerne, die Geschichten über eine verbotene Liebe, über gangsterhafte Typen mit einem weichen Kern? Es mag Ausnahmen geben, aber kaum jemand kann verleugnen, dass diese Geschichten das Herz zum höher Schlagen bringen. Deshalb war ich umso gespannter, in „Tod oder Liebe“ von Manuela Salvi eine Geschichte zu finden, bei der es nicht um amerikanische Gangster geht – sondern um die italienische Mafia.

Bianca Prandi zieht mit ihrem Vater von Mailand in den Süden Italiens. Ihr Vater ist Richter und muss dort einen wichtigen Fall lösen und weil Bianca Abstand von ihrer Mutter braucht, geht sie mit ihm. Aber an ihrem neuen Wohnort gibt es zunächst nichts, das sie begeistern kann. Allerdings heißt das nicht, dass sie sich nach Mailand sehnt – sie kann nur einfach nichts Gutes an dem Ort sehen. Zu ihren neuen Mitschülern will sie keinen Kontakt, doch als sie bei einer Gruppenarbeit Manuel zugeordnet wird, kann sie sich auch gegen das Kennenlernen neuer Leute nicht mehr wehren.

Als erstes ist mir an „Tod oder Liebe“ die für heutige Jugendbücher ungewöhnliche Perspektive aufgefallen. Manuela Salvi schreibt aus der Perspektive des allwissenden Erzählers. Damit lernt man einerseits die Charaktere sehr gut kennen und kann sich ein eigenes Bild von ihnen machen, sowie ihre Beweggründe einschätzen und vielleicht auch akzeptieren, aber andererseits schafft es auch eine gewisse Distanz zu den Hauptfiguren. Anfangs empfand ich das als etwas merkwürdig, doch im Lauf der Geschichte wurde mir klar, dass jene Erzählperspektive perfekt gewählt ist. Sowohl Manuel als auch Bianca sind stets darauf aus, die Leute nicht nah an sich heranzulassen. Durch den Stil wird das nicht nur zu einer oft erwähnten Charaktereigenschaft sondern als Leser bekommt man es selbst mit – was die Geschichte noch stärker zum Leben erweckt.

Trotz der Perspektive wirkt die Geschichte aber nicht kalt. Die distanzierte Haltung wird durch einen prägnanten Stil ergänzt. Kurz und knapp aber mit schönen, stimmigen Worten werden Umgebung und vor allem Gefühle sehr gut und nachvollziehbar dargestellt. Besonders gut gefielen mir dabei die Passagen, in denen Briefe von Bianca an ihren verstorbenen Bruder zu lesen sind. Auch diese sind sehr kurz gehalten, dennoch verraten sie Unmengen über Biancas Innenleben. Düstere Gedanken dominieren diese Briefe die meiste Zeit über, doch selbst die waren für mich als Leser verständlich. Die Vergangenheit der Figuren wird zwar nur schwach beleuchtet, dennoch bewirken gerade diese Stellen, dass die Hauptcharaktere den Sprung zu authentischen Figuren schaffen. Man erkennt während der Lektüre, wie sie durch ihre Vergangenheit geprägt worden sind, und kann so ihr Handeln nachvollziehen, wenngleich es nicht immer richtig ist, was Manuel und Bianca tun. Die beiden haben ihre Stärken und Schwächen und wirken dadurch sehr lebendig. Auch ihre gemeinsame Liebe zur Kunst und einigen Musikstücken wird in meinen Augen glaubwürdig geschildert. Nicht selten bekam ich während der Lektüre Lust, Pink Floyd zu hören oder in den großen Hallen eines Museums zu verschwinden.

Vor allem die genannten Faktoren machen „Tod oder Liebe“ für mich zu einem lesenswerten Buch. Denn mit der eigentlichen Geschichte erfindet die Autorin das Rad sicherlich nicht neu. Doch die Umsetzung war es, die mich an „Tod oder Liebe“ derartig fasziniert hat. Im Gegensatz zu einigen anderen Büchern, die nach dem gleichen Schema aufgebaut sind, ist Manuel nicht irgendwie in das Mafiageschäft reingerutscht und wird als Opfer dargestellt. Er hat seine Gründe und seine zweifelhaften Ansichten. Besonders diese Tatsache verschärft den Konflikt in Manuela Salvis Roman und verleiht ihm Tiefe.

Die Handlung ist recht vorhersehbar , doch das war mir schon vor der Lektüre klar. Trotzdem verliehen gewisse Details dem Buch Spannung und machen es umso lesenswerter. Selbst weniger authentisch gezeichnete Nebencharaktere und für eine Mafiageschichte wenig aufkeimende Action konnten nicht verhindern, dass ich das Buch verschlang und mit den Charakteren litt, trauerte und lachte.



„Tod oder Liebe“ ist ein Liebesroman mit authentischen Hauptcharakteren und einem sehr einfühlsamen Stil. Die Vorhersehbarkeit der Handlung konnte für mich das Lesevergnügen kaum beeinträchtigen, sodass ich diesen Roman an jeden weiterempfehle, der noch nach schöner Frühlings- oder Sommerlektüre sucht. Denn Manuela Salvis Roman ist einfach zu lesen, bleibt dabei aber nicht ganz oberflächlich und somit perfekt für entspannende Stunden im Park oder heiße Strandtage.



Vielen herzlichen Dank an den Fischer Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Als ich von diesem Buch gehört habe, hat es mich ein wenig an die "Arkadien"-Reihe von Kai Meyer erinnert (Kennst du eigentlich? Sehr empfehlenswert :-)), nur ohne Fantasy-Elemente und ich wurde schnell neugierig. Nach deiner Rezension ist meine Neugier noch mehr gewachsen, denn die Zweifel, die ich hatte, dass es eine oberflächliche Geschichte sein könnte, wurden jetzt ausgeräumt.

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    1. Ich hab von der "Arkadien"-Reihe gehört, aber irgendwie fand ich sie aufgrund der fantastischen Hintergründe und einiger mittelmäßiger Rezension wenig ansprechend :S Mal sehen, vielleicht blättere ich in der Bibliothek mal rein.
      Ich kann das Buch aber wirklich nur empfehlen. Allerdings - lies dir am besten noch ein paar Seiten durch, weil die Perspektive nicht jedermanns Sache ist :)

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  2. Tolle Rezi!
    Nun freue ich mich umso mehr auf das Buch :)

    Deine E-Mail ist angekommen ;)
    Schicke deine Bücher leider erst Dienstag weg, hab es gestern nicht mehr geschafft.

    Frühe, sonnige und bunte Ostertage wünsche ich dir!

    LG
    Jenny

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    1. Hihi, das kannst du auch :D Das Buch ist toll!
      Kein Problem, ich hab ja hier noch genug anderes zu lesen :)
      Danke, ich wünsche dir auch noch schöne Feiertage!

      LG

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  3. WOw gutes buch!!


    Schau mal bei mir vorbei ,da gibt es eine überraschung für dich!!
    http://olektoastys-musicandbooks.blogspot.com

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    1. Ooh danke :) Freut mich, dass dir mein Blog so gut gefällt :D

      Liebe Grüße!

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  4. Und meine Wunschliste wächst, nur wegen dir! :D
    Das Buch erinnert mich an die Perfect Chemestry Reihe von Simone Elkeles, ist da was dran? :)

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    1. Tut mir Leid :/ :]
      Ja, da ist schon irgendwie was dran. Wobei es bei "Perfect Chemistry" irgendwie viel mehr um die Anziehungskraft zwischen den Hauptfiguren geht. Ich weiß nicht, mir kamen in "Tod oder Liebe" alle anderen geschilderten Gefühle und der Zwiespalt viel intensiver vor, weil es noch eine Spur ernster ist.

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  5. Du weißt nicht zufällig, ob es dazu irgendwo eine Leseprobe gibt, oder? Ich hab schon gesucht und keine gefunden.

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    1. Nein, leider nicht. Ich hab auch schon mehrmals gesucht. Da hilft es wohl nur, im Buchladen mal einen Blick hineinzuwerfen.

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  6. Dieses Buch ist in aller Munde. Habe es gerade einer Freundin geschenkt und überlege seither, es mir selbst zu zulegen. Deine Besprechung macht mich noch neugieriger. Herje...da muss ich meine Wunschliste wieder aktualisieren.

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    1. Tut mir Leid ^_^ Das Buch ist aber einfach gut...
      Kannst du es dir nicht irgendwann mal von deiner Freundin ausleihen? :)

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    2. Nicht wirklich. Sie wohnt nicht gerade um die Ecke. Und Bücher besitze ich am liebsten selbst.

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  7. das buch hab ich auch schon auf meiner to read liste ;-)

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