[Graphic Novel] Charles Burns - Black Hole

captain cow | Freitag, 13. April 2012 | / / |






Klappenbroschur | 352 Seiten
Erschienen im Oktober 2005
bei Pantheon Publishers
Preis: ca. 13,95 €
ISBN: 9780375423802
Deutsche Ausgabe







Suburban Seattle, the mid-1970s. We learn from the out-set that a strange plague has descended upon the area’s teenagers, transmitted by sexual contact. The disease is manifested in any number of ways — from the hideously grotesque to the subtle (and concealable) — but once you’ve got it, that’s it. There’s no turning back.



Vor einiger Zeit schon warf ich einen Blick in den ersten Band von Charles Burns‘ zwölfteiliger Comicreihe „Black Hole“. Die ersten Seiten gefielen mir gut, doch ich verlor den Comic wieder aus den Augen, bis ich schließlich eine Sammelausgabe entdeckte und diese sogleich mitnahm. Dennoch musste „Black Hole“ zunächst ein paar Monate in meinem Regal warten, denn große Lust hatte ich nicht auf eine Graphic Novel. Hätte ich gewusst, was für eine grandiose Geschichte mich erwarten würde, hätte ich die Graphic Novel sicherlich früher gelesen.




In den siebziger Jahren ist Burns‘ Geschichte über mehrere Jugendliche angesetzt. Vor allem zwei von ihnen stehen im Zentrum: Chris, die eigentlich eine ziemlich gute und brave Schülerin ist, doch in deren Leben sich nach einer Nacht mit einem Jungen schlagartig alles verändert, und Keith, der auf Chris steht und nicht ganz sicher ist, was er mit sich und seinem Leben anfangen soll. Eine besondere Rolle spielt dabei aber eine sonderbare Krankheit, die ausschließlich sexuell übertragen wird, nur Jugendliche angreift und deren Körper seltsam verändert: Bei manch einem wird das Gesicht zu einer schaurigen Fratze, während anderen ein Schwänzchen wächst, sich ein Mund auf der Brust öffnet oder schwarze Löcher an beliebigen Stellen des Körpers auftauchen. Träger dieser Krankheit werden zu Außenseitern und ziehen sich in den Wald zurück, wo sie in Abgeschiedenheit ihr Dasein fristen.

Auch Chris fällt der Krankheit zu Opfer, was bewirkt, dass sich unter ihrem Fuß und am Rücken Löcher bilden und sie nur noch raus will aus ihrer Haut. Sie schottet sich ab, ist unglücklich und sucht verzweifelt nach einer Richtung, in die ihr Leben gehen könnte.

Hin und wieder wird das Buch etwas eklig, doch im Grunde genommen schafft Charles Burns es, selbst die seltsamsten Stellen ästhetisch darzustellen. Schwarz weiß sind seine Zeichnungen, mit wunderbaren kleinen Details, die eine melancholisch düstere Atmosphäre heraufbeschwören. Die Zeichnungen gehen perfekt einher mit den Dialogen und Bildunterschriften, sodass ich die Graphic Novel nur verschlingen konnte. Besonders gut gefiel mir dabei auch der metaphorische Sinn, die diese Krankheit hat und auf welche Arten man sie interpretieren kann. Das möchte ich aber jedem Leser selbst überlassen, deshalb will ich darüber nicht so viel verraten.

Keith auf der der anderen Seite lernt seltsame Leute kennen, darunter auch ein Mädchen, dessen Körper sich wegen der Krankheit nicht ganz so schlimm entwickelt hat. Sowohl Keiths als auch Chris‘ Unentschlossenheit, ihre bedrückte Laune und die Gedanken über ihre Mitmenschen empfand ich stets als gut verständlich. Beide Charaktere sowie die Nebenfiguren haben ihre ganz besondere Art und wirken dadurch sehr lebendig. Auch die Entwicklung, die sie durchlaufen, ist von Charles Burns glaubwürdig dargestellt.



 „Black Hole“ ist eine wunderbare Graphic Novel, die einige Seiten des Erwachsenwerdens glaubwürdig darstellt. Charles Burns‘ Zeichenstil transportiert die Geschichte perfekt. Für all diejenigen, die sich mal an einer Graphic Novel ausprobieren wollen oder zu einem Coming of Age Buch der anderen Art greifen wollen, die perfekte Wahl. Aber Achtung – wer gezeichnete sexuelle Szenen abstoßend findet, sollte einen Bogen um „Black Hole“ machen, denn die komen ab und zu vor.




Kommentare:

  1. Oh, da machst du einem ja richtig Lust auf Graphic Novels :)
    Ich hab schon einige gesehen und finde das System dahinter ja sowieso interessant, aber herangewagt habe ich mich leider noch nie. Das könnte sich nach deiner Rezi nun ändern. Ich werde mich mal weiter umschauen.
    Hast du außer dieser Reihe noch eine andere zu empfehlen? :D

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    1. Ich hab als Kind immer wahnsinnig gern Comics gelesen, deshalb wollte ich jetzt mal wieder dazu zurückkehren. "Tim und Struppi" finde ich da nachwievor sehr empfehlenswert :D Aber richtige Graphic Novel Empfehlungen habe ich im Moment noch nicht auf Lager - hoffentlich ändert sich das bald. Ein paar vielversprechende habe ich allerdings fixiert, den Sandman und Night Fisher.
      Ich werd mal sehen, wann ich sie lesen werde - dann gibt es aber sicherlich auch eine Rezension dazu :)

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  2. Wow, wie schön die du Rezi gestaltet hast! :)
    Sehr anschaulich. Überhaupt hast du mich wirklich neugierig gemacht, obwohl ich noch nie etwas in der Art gelesen habe, bis auf Comics als Kind, wie du. :D
    Ich werd mir das auf jeden Fall merken. :)

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    1. Danke :D Irgendwie muss man bei Graphic Novels ja auch wenigstens einen kleinen Eindruck vom Zeichenstil des Autors bekommen :D
      Nur zu, ich kann es empfehlen. Ich bin immer noch beeindruckt, wie gut Charles Burns durch seine Zeichnungen Emotionen vermitteln kann :D

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