[Rezension] Lissa Price - Starters

grass-harp | Dienstag, 27. März 2012 | / |






Festeinband | 400 Seiten
Erschienen am 12. März 2012
im ivi Verlag
Preis: 15,99 € | Leseprobe
ISBN: 978-3-492-70263-8







Nach einer unvorstellbaren Katastrophe gibt es nur noch sehr alte und junge Menschen. Mittellos kämpfen die 16-jährige Callie und ihr kleiner Bruder auf der Straße ums Überleben. Callie entschließt sich daher zu dem Undenkbaren: Sie verleiht ihren Körper an einen alten Menschen, dessen Bewusstsein übernimmt ihren Körper und kann so wieder jung sein. Doch alles verläuft anders als geplant ... Die Body Bank, ein mysteriöses wissenschaftliches Institut, bietet Callie eine einzigartige Möglichkeit, an Geld zu kommen: Sie lässt ihr Bewusstsein ausschalten, während eine reiche Mieterin die Kontrolle über ihren Körper übernimmt. Aber Callie erwacht früher als geplant, in einem fremden Leben. Sie bewohnt plötzlich eine teure Villa, verfügt über Luxus im Überfluss und verliebt sich in den jungen Blake. Doch bald findet sie heraus, dass ihr Körper nur zu einem Zweck gemietet wurde - um einen furchtbaren Plan zu verwirklichen, den Callie um jeden Preis verhindern muss ...




Dem Roman „Starters“ liegt ein wirklich tolles Konzept zu Grunde. Nach einem Krieg sind alle Menschen zwischen 20 und 60 Jahren ausgelöscht, sodass es nur noch Kinder, Jugendliche und alte Menschen gibt. Die Lebenserwartung ist auf circa 200 Jahre angestiegen. Die alten Menschen, in diesem Roman auch „Enders“ genannt – regieren dementsprechend die Welt. Einige Starters (junge Menschen) haben reiche Großeltern, bei denen sie unterkommen können, wohingegen andere sich nach den Kriegen auf der Straße durchschlagen müssen. Wer es nicht schafft, kommt ins Heim und muss Zwangsarbeit leisten.

 In solch einer Welt gibt es natürlich auch illegale Unternehmen: Allen voran Prime Destinations, welches es den reichen Enders ermöglicht, für eine bestimmte Zeit den Körper eines Starters zu mieten. Sie machen einen Ausflug zurück in ihre besten Jahre– während die Starters, die ihren Körper zur Verfügung stellen, eine große Summe Geld kassieren.

Callie lebt inmitten dieser Welt als arme Jugendliche, die sich mit ihrem kleinen Bruder Tyler durchs Leben schlagen muss. Weil Tyler aber krank ist, muss Callie zusehen, wie sie an Geld kommt und stellt sich in die Dienste der Body Bank. Dort läuft einiges schief und sie findet sich plötzlich in ihrem Körper wieder, während ihre Mieterin auch noch darin ist... 
Für mich klang das ganze zunächst nach einer Mischung aus „The Host“ und „Wither“. Ein wenig stimmt das auch, doch „Starters“ kann noch mit anderen Details auftrumpfen. Der Roman ist nämlich um einiges gesellschaftskritischer und demonstriert eine Welt, in der eine Altersgruppe nichts mehr zu sagen hat und nach der Pfeife der Alten tanzen muss. Diese Idee hat mir ausgesprochen gut gefallen und ist auch sehr gut umgesetzt. Angereichert mit Gefühlen, Spannung und Action entsteht daraus ein Unterhaltungsroman mit ein wenig Tiefgang, der sich blicken lassen kann.

Einige Fragen bleiben zwar ungeklärt – warum es den Krieg gab, zum Beispiel – doch in meinen Augen sind diese Fragen nicht Gegenstand der Geschichte. Vielmehr schildert der Roman eine mögliche Gesellschaftsentwicklung, die gar nicht so unrealistisch ist, wenn man sich die alternde Bevölkerung in den westlichen Staaten anschaut.

Mit Callie als Hauptfigur hatte ich jedoch manchmal meine Schwierigkeiten. Sie ist keine unsympathische Person und handelt sicherlich nicht immer ganz richtig, doch irgendwie konnte ich keine Verbindung zu ihr aufbauen. Auch die anderen Charaktere ließen mich kalt, sodass sich der Roman mehr wie ein spannender Tatsachenbericht las. Sicherlich hätte man die Figuren detaillierter zeichnen können, damit sie menschlicher wirken und nicht lediglich mit drei bestimmten Eigenschaften ausgestattet sind.

Der Schreibstil kann allerdings auch seine Ursache daran haben, dass ich den Charakteren eher distanziert gegenüberstehe. Er ist mir etwas zu einfach gestaltet und seinetwegen konnte ich bei „Starters“ nur schwer in einen Lesefluss kommen. Jeder Satz hält eine Information bereit, ganz ohne Beschönigungen und sonstigen Schnickschnack. Lyrische Details würden zu „Starters“ zwar nicht passen, aber das sprachliche Niveau eines zwölfjährigen ist für ein sonst sehr intelligent anmutendes, sechzehnjähriges Mädchen dann doch übertrieben.
Ein wenig Kritik muss ich jedoch auch an der Übersetzung üben: Besonders gut fand ich diese nämlich nicht. Wenn englische Begriffe als Eigennamen übernommen werden, ist das noch okay. Wenn es um „Starters“ und „Enders“ geht, finde ich das auch völlig in Ordnung – doch dass englische Formulierungen wortwörtlich ins Deutsche übersetzt werden, finde ich dann nicht mehr gut. So hieß es zum Beispiel einmal, dass Callie „kein Ticket bekam“, obwohl sie zu schnell fuhr. An „einen Strafzettel bekommen“ oder „geblitzt werden“ ist bei so etwas scheinbar nicht zu denken. Klar, klingt ja auch cooler, wenn man das auf englische Art und Weise formuliert...




„Starters“ ist ein Dystopie, die dank unerwarteter Wendungen spannend bleibt. Die geschilderte Welt bringt auf jeden Fall Innovation in die Bücherregale und kann mit ihrer Kritik überzeugen. Doch leider schwächen flache Charaktere und ein zu einfacher Schreibstil die Wirkung des Buchs stark ab. Für Dystopieneulinge und Leser, die handlungsorientierte Romane bevorzugen, sicherlich ein guter Griff. Sprachliebhaber und Fans von charakterbezogenen Büchern sollten bei „Starters“ aber lieber zweimal überlegen.



Vielen Dank an den ivi Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Toller Hinweis auf die Übersetzung! Ich dachte mir an manchen Stellen auch, irgendwie komisch formuliert aber ich konnte nicht sagen was es ist.

    Eigentlich bevorzuge ich ja eher die "actiongeladene" Bücher, aber in dem Fall ist mir auch zu viel auf der Strecke geblieben. Dann lieber die ein oder andere Beschreibung mehr. Na mal sehen, im Dezember gehts weiter ich bin gespannt auf die ersten Rezensionen zur englischen Version.

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    1. Ich hab keinen Vergleich, aber an einigen Stellen war es dann doch auffällig, dass da irgendetwas schief gelaufen ist :/

      Ich bin auch schon gespannt auf den zweiten Teil, wenngleich ich ebenfalls erstmal ein paar Rezensionen abwarten werde. Aber das Ende von "Starters" hat ja dann irgendwie doch Lust auf mehr gemacht... :D

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  2. Oh das Buch lese ich auch grad :) Bin ca. bei der Hälfte, mal sehen :D

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    1. Aw, stimmt, du hattest es dir auch gekauft. Ich hoffe mal, dass es dir schlussendlich besser gefallen wird als mir ;-)

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  3. Danke :) Viel Spaß mit Dark Canopy, das will ich auch noch lesen, wenn ich es irgendwo als eBook auftreiben kann :D
    Also Starters hat mir im Endeffekt auch nicht sooo super gefallen. Den Anfang fand ich noch relativ interessant, aber grad am Ende ging das alles so schnell und dann hatte die da plötzlich hunderte von Enders auf ihrer Seite...war n bisschen strange :D

    Ich warte mal n bisschen ab, sonst probier ich es einfach mal alleine :)

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    1. Danke :) Ich bin schon recht weit und irgendwie gefällt es mir bisher kaum. Schade, ich hatte wirklich große Hoffnungen :/

      Ja, irgendwie war das komisch. Aber die Grundiee war eigentlich ganz cool. Meinst du, du wirst Band 2 noch lesen?

      Ich bin auf jeden Fall gespannt und werd mich dann definitiv mal näher dort umsehen, sobald etwas zustande kommt :D

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  4. Starters ist auch eine Reihe oder? Ich denke, ich werde das Buch trotzdem lesen, da mir die LP gut gefallen hat und deine Rezi mich jetzt auch nicht sooo abschrecken konnte ;) Aber vielleicht warte ich bis es das ganze in TB-Format gibt...

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    1. Ja, der zweite Teil "Enders" ist schon für Ende des Jahres im Original geplant...
      Der Roman hat ja auch durchaus gute Kritiken bekommen, nur meinen Geschmack getroffen hat er nicht so ganz. Solltest du es lesen, wünsch ich dir viel Spaß - und hoffe, dass dich "Starters" mehr überzeugen kann als mich.

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    2. Ich mache es wohl davon abhängig, ob es ein Taschenbuch gibt. Leider ist es ja bei Dystopien so, dass sie eine tolle Grundidee haben und sich dann alle sehr stark ähneln. Wenn der Inhalt dann nicht richtig gut umgesetzt ist, bin ich meist zu geizig.

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