[Rezension] John Green und David Levithan - Will & Will

captain cow | Freitag, 30. März 2012 | / |






Festeinband | 400 Seiten
Erschienen am 26. März 2012
im cbt Verlag
Preis: 14,99 € | Leseprobe
ISBN: 978-3-570-16103-6







Sie heißen beide Will Grayson, wohnen beide in Chicago, sind beide siebzehn und tragen neben demselben Namen und demselben Alter dasselbe Problem mit sich herum: Aus lauter Angst, das Ding mit der Liebe zu versemmeln, lassen sie sich auf Romantisches gar nicht erst ein.
Der eine Will zögert seit Wochen, sich selbst das einzugestehen, was für alle anderen offensichtlich ist: dass er nämlich bis über beide Ohren in seine wunderbare Mitschülerin Jane verliebt ist. Der andere Will flüchtet sich lieber in seine dubiose Online-Beziehung zu einem gewissen Isaac, anstatt sich im real life vor seinen Freunden zu outen. Doch alles ändert sich, als Will & Will eines Abends ganz zufällig aufeinandertreffen …




Wenn John Green und David Levithan zusammen ein Buch schreiben, dann ist das, als würde man Joghurteis mit Oreos essen: Beides schon so sehr leckere Zutaten, die gemeinsam ein wunderbares Essen ergeben. Der Geschmack ihres gemeinsamen Werks „Will & Will“ lässt sich aber auch mit dem eines Oreo-Joghurteises vergleichen: Süß und zum Wohlfühlen, aber auch mit schmerzlichen Begleiterscheinungen wie zu kaltem Eis, das zu Gehirnfrost führt, und zu harten Keksen, an denen man sich die Zähne ausbeißt. Denn mit „Will & Will“ haben die beiden Autoren wieder eine Geschichte geschaffen, wie man sie von ihnen kennt: Aus dem Leben geschnitten, mit lustigen und traurigen Episoden, viel Authentizität, verrückten und glaubwürdigen Charakteren und einer großzügigen Prise Sprachwitz.

Die Geschichte dreht sich um zwei Jungen mit dem Namen Will Grayson. Beide wohnen in den USA, doch bis auf ihren Namen existiert zunächst keine Verbindung. Beide Wills erzählen in diesem Buch ihr Leben. Der Will Grayson mit den ungeraden Kapitelzahlen wurde von John Green geschrieben, während David Levithan den anderen übernahm. Entgegen anfänglicher Befürchtungen, dass sich bei beiden Jungs lediglich der Schreibstil ein wenig unterscheiden würde, haben die Autoren ihren Charakteren jeweils unverwechselbare Stimmen gegeben. Es fiel mir deshalb nicht schwer, zu beiden Hauptcharakteren eine Verbindung aufzubauen und nach jedem Kapitelwechsel in den Kopf des anderen Wills zu wechseln.

Schon nach wenigen Kapiteln bemerkt man, dass Will Grayson und Will Grayson mehr Gemeinsamkeiten haben. Beide durchleben schwierigere Phasen des Erwachsenwerdens, die von den Autoren sehr authentisch geschildert werden. Sie haben es mit ihrem Umfeld nicht gerade leicht, machen sich allerhand Gedanken über das Leben und die Welt – und bleiben dennoch auf dem Boden der Tatsachen. John Green und David Levithan haben hier keine Figuren kreiert, die meilenweit von der Realität entfernt sind. Sie sind nicht durch und durch heldenhaft, nicht durch und durch gut. Doch gerade ihre fehlerhaften Charaktere machen sie liebenswert und zu umso interessanteren Buchfiguren. Obgleich ich nicht jede Entscheidung und nicht jedes Verhalten befürwortet habe, verlor ich das Interesse an „Will & Will“ nie. Die Entwicklung, die beide Charaktere durchlaufen, und die Schilderung ihrer Sicht auf die Welt machen das Buch auf eine ganz besondere Art spannend.

Die Nebencharaktere sind ähnlich ansprechend gezeichnet. Eine Vielfalt an Figuren bekommt der Leser hier geboten: Die zurückhaltende Gothic, das musikverliebte Mädchen, den vor Energie sprühenden und schwulen besten Freund, etc. In Schubladen einordnen lassen sich diese Figuren jedoch auch nicht – an jeder konnte ich ein überraschendes Detail bemerken. Einzig allein Tiny, den besten Freund eines der Wills und der später auch eine weitere Verbindung zwischen den beiden schafft, war für mich manchmal etwas schwer vorstellbar. Auch wenn ich ihn als Figur mochte, ertappte ich mich immer wieder dabei, wie sich mein Bild von ihm gegenüber dem im Buch dargestellten unterschied. Alle anderen Dinge in diesem Buch – die Sprache, die anderen Charakteren, die Gefühlen, die Reaktionen – sind gut geschildert, aber so reduziert gehalten, dass sie nicht übertrieben wirken. Bei Tiny hatte ich jedoch nicht diesen Eindruck – ein bisschen weniger hätte es wohl auch getan. Stellenweise konnte ich ihn nicht ernst nehmen, weil er mich viel zu sehr an einen großen, plüschigen Teddybär erinnerte.

Homosexualität stellt in „Will & Will“ auch ein großes Thema dar. Leider wird es in vielen Büchern viel zu selten thematisiert, doch John Green und David Levithan nehmen in der Hinsicht kein Blatt vor den Mund. Wirklich toll. Gut eingebunden ist das Thema hier auf jeden Fall – und auch die Reaktionen darauf. Sie sind glaubwürdig, wenn auch teilweise traurig mit anzusehen.

Der Stil ist, wie zu erwarten, einfach genial. Es gab Stellen, an denen ich aufgrund der Formulierungen und trockenen Kommentare mehrmals auflachen musste. Aber dann gab es auch wieder Situationen, die mir richtig in der Seele wehtaten. Auf ganzer Linie überzeugend ist der Stil aber auf jeden Fall – er passt zu den Hauptcharakteren, ist umgangssprachlich, aber nicht unangenehm und hat stellenweise schon fast poetische Einschübe.




„Will & Will“ ist, wie zu erwarten, ein großartiges Buch zweier großartiger Jugendbuchautoren. Lebensnahe Charaktere; ein abwechslungsreicher, passender Stil, sowie eine tolle Geschichte können überzeugen. Die Authentizität und bestimmte Themen verleihen dem Buch Tiefgang und heben es von der Masse ab.
Fans von John Green und David Levithan dürften dieses Buch schon ins Auge gefasst haben, doch auch anderen Jugendbuchfans ist „Will & Will“ dringstens zu empfehlen!



Vielen Dank an den cbt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Mmmh, Oreo-Joghurteis *__* Das trifft es sehr gut :)
    Ich hatte bei Tiny übrigens auch Probleme ihn mir vorzustellen, er ist einfach ZU überkandidelt.

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    1. Ja, das war ein bisschen schade. Manchmal war sein Verhalten ganz lustig, aber insgesamt einfach zuu viel.

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  2. Oha, also wenn du das Buch mit Joghurteis und Oreokeksen vergleichst, muss es ja wirklich fantastisch sein :D
    Nun habe ich ja schon zwei ganz zauberhafte Rezensionen dazu gelesen und werde meine "Ach lieber John Green, soll ich noch ein Buch von dir lesen?"-Macke überwinden müssen.

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    1. Tjaa, das ist es auch, bis auf den kleinen Kritikpunkt :D
      Was mochtest du denn an John Green nicht? Vielleicht ist das Buch trotzdem nichts für dich - ich mag den Autor nämlich ziemlich :]

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  3. Deine Rezension gefällt mir sehr gut und den Vergleich mit den Oreos und dem Eis ist auch toll.

    Das Buch steht schon seit einer Weile auf meiner Wunschliste und ich werde es sicher demnächst kaufen.

    Liebe Grüße,
    Jai

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    1. Freut mich, dass dir der Vergleich gefällt :D Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen, die Autoren haben hier wieder gute Arbeit geleistet!

      LG

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  4. jetzt hast du mir das buch noch schmackhafter gemacht :D wie gut, dass ich's jetzt da hab :) zwar auf englisch, aber ich hab schon reingelesen und das ist alles super verständlich. zudem kommt der sprachwitz vielleicht sogar noch besser zur geltung.
    ein paar seiten hatte ich unterwegs auch schon reingelesen und den ersten will und tiny kennengelernt. ich kann dadurch schon verstehen, was du mit letzterem meinst, aber mal sehen, wie ich ihn im restlichen buch wahrnehmen werde :)
    danke für die tolle rezi und den leckeren einstieg :D

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    1. Hihi, stimmt - du hast es jetzt auch aus der Bibo. Ich bin mir relativ sicher, dass es auf Englisch noch ein wenig besser rüberkommt, aber die Übersetzung fand ich auch ziemlich gut gelungen. Ich habe zwar keinen Vergleich mit dem Englischen - aber die Witze waren gut zu verstehen und die Übersetzung las sich nicht hölzern oder so.
      Ich wünsch dir auf jeden Fall ganz viel Spaß beim Lesen!

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  5. Hui, das hört sich wirklich richtig gut an! Hast mich auf jeden Fall sehr neugierig auf das Buch gemacht und ich glaube, es wird höchste Zeit für meinen ersten John Green :-)
    By the way, anscheinend bin ich nicht die einzige mit einer Vorliebe sowohl für Joghurteis als auch für Oreo-Kekse *düdüdü*

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    1. Du hast noch keinen John Green gelesen? Das solltest du schleunigst nachholen! :D Zwar ist nicht jeder Freund seiner Literatur, aber ich finde die Bücher, die ich bisher von ihm gelesen habe, äußerst gut gelungen!

      Oh ja, das scheinen sehr viele zu mögen :D Ist aber auch verdammt lecker.

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  6. Total tolle Rezension.
    Besonders der Vergleich mit dem Eis und den Keksen fand ich gelungen.
    Bin mal gespannt, das Buch ist dank dir, jetzt auf meinen WZ höher gerutscht.

    LG
    Jen

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    1. Aw, danke :) Ich freu mich, dass dich die Rezi ein bisschen neugieriger machen konnte. Wenn du es mal lesen solltest, bin ich gespannt wie du das Buch finden wirst :D

      LG

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  7. Super geschrieben! Das Buch interessiert mich ja total und wandert auf meine WuLi!! Von David Levithan habe ich bisher nur Dash & Lilys Winterwunder gelesen. Die Art zu schreiben hat mich schon sehr angesprochen.
    Viele liebe Grüße und ein schönes WE!
    Damaris

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    1. David Levithan schreibt hier zwar etwas anders als bei Dash & Lily, aber das liegt auch am anderen Charakter der Hauptfigur. Hoffentlich kann dir "Will & Will" ebenso zusagen :D
      Danke, das wünsche ich dir natürlich auch!
      LG

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  8. Ja, Flavia ist echt toll, und den dritten Band werde ich mir auch demnächst kaufen, weil ich es gar nicht mehr erwarten kann ;)

    Übrigens tolle Rezension, Will&Will hatte ich auch schon vor längerer Zeit ins Auge gefasst, konnte mich aber irgendwie nie entschließen, das Buch zu kaufen. Aber jetzt denke ich wirklich ernsthaft darüber nach, weil du es schaffst, ein Buch total gut zu vermitteln. Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Sagen wir es so: du machst das einfach super. Du kannst so schöne Vergleiche schaffen und so zauberhaft mit Worten umgehen - beeindruckend, echt!

    LG Marie

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    1. Aw, das ist gut. Ich sollte das mit dem zweiten Band auch bald mal machen :D

      Freut mich, dass sie dir gefällt und ich dich überzeugen könnte :D :D Ich kann das Buch jedenfalls nur empfehlen :)

      LG

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  9. Ich kann mich nur anschließen! Eine tolle, bildreiche und informative Rezi! Nun wandert das Buch noch ein kleines Stückchen nach oben auf meiner "Will-ich-ganz-bald-lesen"-Liste. Danke! :)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Das nach oben Wandern hat das Buch definitiv verdient! Solltest du es lesen, wünsch ich dir viel Spaß dabei! :D

      LG

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  10. Was ich so klasse finde: Deine Rezensionen schaffen es immer wieder, mir Lust auf Bücher zu machen, die ich im Laden nicht weiter beachtet hätte, weil sie vielleicht aus einem Genre stammen, das ich wenig lese oder bei denen mich die Inhaltsangabe nicht wirklich angespricht. So auch dieses Buch. Vielen <3-lichen Dank dafür!

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    1. Echt? Danke :) So soll es ja auch irgendwie sein. Aber "Will & Will" ist wirklich ein tolles Buch, kann es deshalb nur empfehlen. Vielleicht liest du es ja auch irgendwann mal :D
      Liebe Grüße

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  11. Herrliche Rezension mit den Oreo-Keksen (yamyam - hatte neuliche welche aus Shanghai mit Pfefferminz-Geschmack <3) und dem Joghurteis. Leider wurde ich bisher nicht mit John Green warm weshalb ich wohl auch um dieses Buch eher einen Bogen machen werde ;)

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    1. Mit Pfefferminz-Geschmack? oO Waah, ich will auch!
      Schade, dass John Green dich nicht begeistern konnte. Aber dann wäre dieses Buch hier wohl auch weniger was für dich :]

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  12. Eine wirklich tolle Rezi :) Bin schon seeehr gespannt auf das Buch und habe es trotzdem immernoch nicht gekauft :D Bin gestern dran vorbei gelaufen und hatte es geschlagene 10 Minuten in der Hand ehe ich es wieder zurückgelegt habe mit dem Gedanken: Du hast sooo viele vielversprechende Bücher im Regal, lies erstmal ein paar davon und kauf dir DANN ein neues Buch :D Lange wird dieser Gedanke zwar nicht halten, aber hoffentlich ein wenig. Kostet ja auch alles!

    Liebe Grüße,
    Marie

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    1. Schön, dass sie dir gefällt :D
      Ich kenn das aber auch ziemlich gut. So geht's mir in letzter Zeit immer öfter und dann versuche ich, mich so gut wie möglich zurückzuhalten. Aber ab und zu muss dann ein lang erwartetes Buch doch sein :D
      Ich wünsch dir jedenfalls viel Spaß, wenn du das Buch irgendwann mal lesen solltest :D

      Liebe Grüße

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